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Israelitische Wochenschrift · 1893-04-14 · 16 (14.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
16 (14.4.1893)
Date
1893-04-14
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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die Antisemiten und dst Tivolikonfervative< wandte, erst Recht keine Gnade erwarte«. Bei den radikalen Zeitung« war der heftige Ton und die Sarge »nffallcnd, ja nicht zu verratheu, war denn in de» Artikel wirklich gesagt ist. Häufig las man den Borwurf, der Aussatz sei Wasser auf die Mühle der Antisemiten. Aber wir Jaden mögen thun, wö« wir wollen, so werden eS diese Leute so drehen, daß r» ihre Mühle treibt. Stimmen wir gegen die Regie- »ung so heißt e4: wir haben un» den Deutjchferisimiigeu, der.Judenschutztriippr" verschrieben, zeigen wir unSregierungSfreundlich, so suchen wir Sonder vortheile. Dr. Hirsch Hildesheimer, der wie immer den Mund recht voll nimmt, spricht von ,politischer Heuchc'ci" •) Dem gegenüber mutz der Verfasser cS auSsprechen, datz er geradezu sich durch sein Gewissen gezwungen gefühlt hat, diese seine Meinung auszusprrchen; wäre eS möglich zu ehrlich zu sein, so wäre dies der einzige Borwurtz den er sich machen könnte. Selbst die.Mittheilungen de- Vereins für Abwehr des Antisemitismus״ glauben in den Chor mit einstimmen zu wüsten. Herr Reichstagsabgeordneter Jordan ist gegenwärtig der geistige Leiter des Vereins. Bis auf Weiteres Dauben wir jedoch nicht, daß er diese Notiz geschrieben oder mspirirt hat, denn eS ist nicht wahrscheinlich, daß Herr Jordan in der Berurtheilung der Militärvorlagc unbedingt zur Fahne Richters schwört."") Die ,Freisinnige Zeitung" erzählt ihren Lesern, daß man den Redakteur der.,Israelitischen Wochenschrift" veranlaßt habe, künftighin in politischen Dingen sein Wort nicht mehr zu erheben, da er ״Aergerniß" gegeben habe.""") Und das fände di« ,Freisinnige Ztg." ganz in der Ordnung, daß ein« solche Trnsur unter uns Joden Geltung hätte! In unfern Augen giebt eS kein ,größeres Aergerniß", als Jemand Vas öffentliche Wort auch nur verbieten zu wollen. Die ,BolkSzeitung", der, wenn sie eine» Gegner widerlegen will, zuerst wie es scheint ein Schimpfwort einfällt, uennl es einen Unsinn, »daß eS keinen Tonflikt zwischen den» Kanzler und dem Reichstag gäbe, wenn Bennigsen, Hintze, Rickelt die Majorität hinter sich Hütten." Wem will die ,BolkSzeitung" Ärnd in die Augen streue«? Ls wird allgemein angenommen, daß Richter in dieser Frage alle seine Mannen nicht leicht zusammenhält. Soll die Verfassung umgestürzt werden, und wir bieten dazu die helfende Hand? Richter hat schon so oft, wenn di« Regierung die Vermehrung de- Heere» verlaugte, erklärt, da» hält da» Land uicht aus, und״ daS Land hat eS dennoch ausgehalten und und unser Kredit ist nicht geschwächt worden. Richter hat *) lieber Me »religiöse u»b politisch« Heuchelei", wie sie i» te» Bleue diese« ortbodoxeu Lhefredoctevr« uud Zusptrutor« der Abwehr» verein« getrieben wird, liehe sich ei» lange« Kapitel schreiben. We»n rna» eine« Interviewer «rkttirt, bah««» nicht der.«llter.ee J«raelt1e' »»gehöre, s» ist de« .politische Heuchelet": weuu «an daraus htnweist, des «en bei« .gehetulen Wahlrecht" seine Stimme dock je nachdem edgebe» könae, men brauche e« ja «it keiner Partei zu verderbe», so ist da» politische Heuchelei": weuu «au hier vo» Deutfchthu« überflieh» und do r t die loüsien südisch-Nationalen Bestrebungen uud Patilfttuaschwilrwerete» durch bewtstene Rede» fördert, so ist de» .zwikische Heuchelei"; »au der reiieliiseu Heuchelet wollen wir«»»» »ich rede». ISted.) —- Sowohl da« HUdeShetwer'sch Blair, al» auch Me »MttheUunge« de« AbwehrvereiuS" sprechen von ״etaer W-cheuschrlsr' uud neemen unser Bla« uicht; dah deute« darauf hi», daß derselbe Herr tu beide» BUNler» sein Spiel gegen na« treibt; warum nennt er da« Blatt uicht? etwa «u» Schonung? »der um seine» Lesern die Mtglichkett zu beuehmeu, de» Nniket selbst gu prüfen? (Red.) - "*) **) Davon mühre» wir doch auch etwa« wtffeu t ver ist dieser ״man", der e« sich herausuehme» wollte, um» da» verfchsuuAullhtge Recht der freien Meiu»»g«ll,her»ug zu verttnumer»? Etwa etier der von Hirsch Hilte»het«er iusptrtrte» Berliner >d wehr Vereine 7 Wir v-ürde» eiue solcheZnmarhung »Mein» von »u« abzuwehre» «st ind ein ist «ehe «och durch die die Wucht.seiner Grünte voff-ustg jede» halb seines Partei njederNchstteus uud da soll ebrechen sein, wenn JeWniw, ohne seiner pvlktis Ueberzeugstna »»treu werte», nu» sons gewichtigen Gründe« einer Vorlage z«stimmt, die jedeeine Stärkemtz'dem Wehrkraft de» Landes bedeutet? Die ,Mittheil, de» Verein» für Abwehr Vc# Av semitiSmuS" sagen, wir haben den Juden gerathen, gegrB ihre Netzerzeugung einem Anhänger der Misttär Vorlage ihre Stimme« zn geben. Wie viele Wilhls haben denn in dieser Frage bestimmte, gründet« Ueberzrugungen? Ausdrücklich wir hervorgehobcn: daß de» d er M i l i t ä r v o r la j nicht Grundsä tz« inKrage komme«, bei den! e» GewissenSpflichtrst nicht z» weich en, tz< nicht einseitiger Militarismus oder junkerlicher Uebermnth die Vermehrung HeereS fordere', daß die Regierung durch Atz nähme der zweijährigen Dienstzeit, der lit rolen Partei entgegengekom men sei, datz v> einem Recht oder Unrecht nicht die Rede sef könne. Die.Post" sagt, nicht natio na le Erwägung«, sondern ,Angst um da» Ich" macht na« der RegstrM willfährig; ist das gar keine Nation aleErwägu»s wenn ich mir mein deutsche- Bürgerrecht et halten will, wenn mir meine Heimath thene ist? De Hyperorthodoxen habe« aut reden, sie wün und hoffen ,nächstes Jahr in Jerusalem" zu sein; ich hänge «it jeder Faser an meiner deutschen Heimat, an . Nähme und der Grüße dieses deutschen Lande-; wie mir, wäre tausenden und abertausende« deutscher Jade»'׳ LebenSglück verstört, wennunsere Stellung i« Bad verkümmert würde, und da soll ich wen» ich meia höchj politische- Recht auSübe, an di« Gefahr nicht denken, dst ׳ genug uuS bedroht? Ist da S materielle Ges in nui wenn ich die matrriellenOpser aus mich nehi um mir mein politisches Leben zu erhaltei Die ,Bolk-zritung" nennt diese Gorge .Aogstmeievil Aber seit einigen Jahren ist der antisemitische Sp " “ immer bedenklicher gcwordea, und bei den letzten Wahle«. diese« Winter hat dst einflußreichsst Parsti im Laude, ' Partei, dst alle höher» RegieruugSLmter inne hat,, Re^ Militär wst am Hofe dominirt, für Leute grsümmt Und' wühlt, di« geradezu die Bertretdung det JuhH a n st r e b e n. So groß war der Haß der Konservalt gegen dst Juden» datz dst vornehmen Herren absichtlichschlimme moralisch« Qualifikation de« Kandidat« ignorrr!" da׳ er durch seinen exorbüantro Judenhaß sich ihn« empf! Was haben denn die Verhandlungen de» Reichst mehr geboten, als dst Bestätig» ng best«, waSAlle lü über Ahlwardt gewußt Hab«? Dst böse Saat, dsts Jahre auSgestrrut worden ist, ist aufgegaugen. Aber dst Regierung ist von einem Geist« Gerechtigkeit befeelt und demnach d«Judm g gewordm. Schon LiSmark hat sich von Pnttkame r müffrn. Stöcker Hot fein hohe» Amt verlor« Mique l ist ein mächtiger Mann in der prentziß waltung^gewordeii. Sind dst Katholik« zu »Staat .... sind wir Juden schon jetzt Staatsbürger zweiter Klaffe, eS ein« ganze Reihe von -Stellungen uud Würd« ein Jude «st erreicht. Ost wurde uns auch entgegen gehalten,- dst Jud durch dst Berfaffuug geschützt «S könnte ihn» s" anhabe». DaS ist eine leere Redensart, verfaffung gilt cktenj» für da» '

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