Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 8 (17.2.1893)
- Date
- 1893-02-17
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Di« Sitteulehre b«* Talmud» beruht auf der Bibel und erblickt in folgenden Aussprüchen der heiligen 3״m Ebenbild« Gotte» hat er den Mensch«« geschaffen* («cmfb (.,7) ״Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst* (Levittrus t«.t»7 ״Liebet den Fremdling* — »Lieb« ihn wie Dich selbst" (D«atero»om. (0,!<j — f«0Wcm» (9,34) da»Gebot der allgemeinst««^ auf alle Menschen, Juden und Nichtjuden, sich erstreckenden Nächstenliebe. Im Geiste des Prophetenwort«», da» dem in Babylon weilenden Israel;ugerufen wurde: ״Fördert da» Wohl der Stadt, in di« Ich Euch geführt habe, und betet für st« zu Gott, denn in ihrem Dohle wird Euch wohl sein* ,Zerem. 2-»,7) wird im Talmud der Grundsatz aufgestellt und von allen Gesetzeslehrern einmüthig zum Gesetz erhoben: ״Das Staatsgesetz hat im staatsbürgerlichen Leben verbindlich« Arast" (Talmud babli, Nab» bathra Mb 5s» ». a. b.) E» ist demgemäß religionsgesetzlicht Pflicht, mit der Treue gegen die Religion Gehorsam gegen di« Gesetz« de» Staates zu verbinden. Die später aus dem Talmud und der nachtalmudischen Litteratur entstandenen Auszüge, wie Iad hachasaka de» Moses den Nlaimon, schulchan-Aruch des R. Joseph Karo und ander« Zusammenstellungen, haben niemals für sich allein, sondern stets nur dann als maßgebend für di« Entscheidung gegolten, wenn sie durch da» Zurückgehen auf die Quellen ihre Bestätigung erhalten?) Di« Bezeichnung ״Akum“ bedeutet ״Anbeter der Sterne und Sternbilder" und ist selbstverständlich nicht auf di» Bekenner der monotheistischen Religionen anzuwenden. Vereinzelt« gegen ״Akum“ gerichtete Aussprüche in Talmud, Schulchan-Aruch und anderen Schriften find als der Ausfluß einer durch die Zeitverhältniff« hervorgerufenen Stimmung und als Akt« der Nothwehr') zu betrachten, sie waren nur gegen diejenigen Heiden*) gerichtet, welch« Ehre, Leben und Eigenthuni de» Nächsten nicht schonten. Derartige Aussprüche sind selbstverständlich für da, Iudenthum durchaus nicht verbindlich. Allgemein anerkaimt und auch in Zeiten der Verfolgung festgehalten ist der Ausspruch de» Talmuds: ״Die Frommen aller Völker find der ewigen Seligkeit theilhaftig" (Tosefta Synhedrin (3.2.» Die Sittenlehr« des Iudenthuni» erkennt keinen Ausspruch und keine Anschauung an, di« dem Nichtjuden gege» über etwas erlaubt, was dem Juden gegenüber verboten ist. Die Sittenlehr« des Iudenthum», di« seinen Bekennern heilig ist, die in den Schulen gelehrt und von den Ranzel«, verkündet wird, gebietet: In jedem Menschen das Ebenbild Gottes zu achten, inhandel und Wandel strengste Wahrhaftigkeit gegm Iedermannzu bethättgen, jedes Gelübde und versprechen, welches irgend einem Menschen, sei er Jude od«r Nichtjude, geleistet wurde, als unauflöslich und unverbrüchlich treu zu erfüllen, Nächstenliebe gegen Iederman« ohne Unterschied der Abstammung und des Glaubens zu üben, die Gesetz« des Vaterlandes in treuer hingebung zu befolgen, das W ohl des Vaterlandes mit allen Kräften zu fördern und an der geistigen und fittlichen Vollkommnung der Menschheit mitznarbeiten. Berlin, im Februar 1893. '1 Ansatz: »Auch diese Sammelwerke enthalten eine Menge jetzt nicht mehr gültiger Bestimmungen." «Zu ihnen gehöre» alle im .)udenspiegel", ,Talmudjude" und ähnlichen Schriften aufgeführten Schulchan-aruih-Stellen.) ') Zusatz: ,oder zum Schutze de» Monotheismus", ») .Nichtjuden". vr. Uugerletder, Rabbiner, Berlin vr I. Va»ber>rr, Rabbiner, RSnigsberg. vr. L M«yb»»«, Rabbiner, Berlin, vr. J»r«el Hilde»» tzet»er, Rabbiner, Berlin, vr, L«l Cobu, Rabbiner, Berlin, vr, I. Gunman», Rabbiner, Breslau, M. Hirsch, Dberrabbiner, Hamburg. Vr. M Horovttz, Rabbiner, Frankfurt a. M. vr. L M»»k, Rabbiner, Marburg, vr. B. Ridpner, Rabbiner, Slogan, vr. H. Bogrlste»^ Rabbiner, Stettin, vr. St■ Werner, Rabbiner, vanzig. £. MM. Bloch, Rabbiner, Jarotschin") vr, 9. Appel, Stadtrabbiner, Mannheim, vr. Aschkaueje, Rabbiner, Niedersept (Elsa«), vr, I »lerdech, Rabbiner, LlberfelA- L. Anerdoch, Rabbiner, Gollob (wpr,). vr. Lg Auekbach, Rabbiner, halberstad«. vr. %. Barch Rabbiner, kista Mosen), vr. B. BtMH Rabbiner, Sraudenz. vr. O- Bähr. Rabbiner, prenzlau. L. Bamberger, Rabbiner, Sennheim (Elsaß). Vr. 9■ Bonettz, Rabbi»», Rrotoschin (pos-:n). vr. I Bastsreuud. Dberrabbiner, Trier, vr. Bl, Berltnger, Bezirksrabbiner, Braunsbach (württembi^g). vr. Mer Birem, Rabbiner, kirschberg (Schlesien), Vr, A. Bloch, Rabbiner. Sulz u. w, (Elsaß). I, Bloch, Rabbiner, Äfchtzch» b. Straßburg (Elsaß), vr. PH. Bloch, Rabbiner der Brüdergemeinde, Posen. st, Bl»». Rabbiner, Pfalzburg (Lothringens/' «, Blumenleld, Rabbiner. Schweidnitz (Schlesien), vr, «. vlumenth»«, Rabbiner, Ratibor (Vberschlefien). Vr. A. Br»»», Rabbiner, Pr. ) Stargard. S. Bra»», Rabbiner, Schneideniühl. M. Breh, Rabbiner, Vbornik. Vr. G. Tarledoch, Rabbiner, Lübeck, H, Gar», Drt» u. Rreisrabbiner, Loebau (Westpreußen). 9. Thal», Rabbiner, Znin (Posen). vr. G, liohdow-tt, Rabbiner. Del» (Ddooschlesien). S. H. Lohn, Rabbiner, Zirke (Posen), vr. A. Go»», vistriktrrabbiner, Jchenhausen (Bayern). vr. st, God». RabbtE, Bonn vr. I, Lohn, Rabbiner, Surzkunstadt (Bayern). Vr. I, Goh». Rabbiner, Aattowitz (Vberschlefien), Vr. I. LotzU, Rabbiner, wreschen (Posen) vr. T Goh», Rabbiner, Potsdam, vr. 9■ Da» d Hannover »gewählt zum Rabbiner von vüsteldorf). L Dadih,' Rabbiner, kautenburg (Westpreußen). Vr. M, Delsauer herzoglich S. meiningenscher kandrabbiner, Meiningen, vr. H. Deulsch, vi stritt»» Rabbiner, Burgreppach (Bayern», vr. I. Dr»lsch Rabbiner. Sora» (Schlesien), vr. M, DieustfrNtg Rabbiner, Uottbv». H. L. DrrHftch^? Rabbiner, Iab«:n «Elsaß). I. Drrtztutz Rabbiner, Brumath (Elsaß). Vr. A ltikftei», Vistrikts-Rabbiner, Bamberg. Vr. Vkt»stet«S Rabdinatsverwes r kaopheim, Württemberg, 9. Gllgultzer, Prediger, Neiße vr, B. Alsatz, Rabbiner, Landsberg a. w. vr, G. GptzlttM) stet», Rabbiner, Briesen (Westpreußen), vr. I, Gschelbacher. Bezirksrabbiner, Bruchsal (Badens vr, st. strttchimfrld. Landrabbiner, Schweri»' Meeklenbura), Vr. W steilchrnsrld, Rabbiner der Synagogengemeinde, Posen. Vr. C. strtzlrr, Rabbiner, Salle a. S, vr. Z. stl«sch»er, Rabbiner, Bernbarg (Anhalt), vr, «. str»»k, Rabbiner »er Synagogengemeinde, Löln. Vr. G. strruNd Rabbiner, Görlitz. Vr, L. f " Bezirksrabbiner, Mm (Württemberg). L. Ariedrderg, Rabbiner der Rreis-Synagogengemeind«, Tilsit, vr. Bstrtrd»»»», Rabbiner, (Posen), vr. stried»«»». Rabbiner, Lubliuitz (Schles.). vr, M Gt»ed»rg.r. Rabbiner, Sulz^Sebweiler (Eis,), Goldma»», Lreisrabbtnär(( Eschwege (besten», vr, I Goldschmidt, Rabbiner. Vsfenbach am Main, vr, G, «oldschmidt, Rabbiner, Rolberg. vr. «, «Loldfchl ' Rabbiner, «Snigshütte (D.-Schlefien). Vr, », Goldstn», Rabbiner, Mutzig (Elsaß), vr B «r»b»»tk». Rabbiner, «onitz (Pre»-»»). G, Gr»»e««»n, jLandrabbiner, Hannover. «. Groß. Rabbiner, Fraustadt!Posen). Vr. tz. Groß, vistriktorabdiner, Aagsbnra. ». «rü»t>a»», vipnktsrabbiner. Ansbach (Bayern) vr. ». Grstud,»«. vezirksrabbiner, Landa» (Pfalz), vr. SL Grü»srld, Rabbbmr, 3 ף vie erstgenannten (3, den verschiedenen religiösen Richtungen zugehörende« Rabbiner bildeten die gemischte Rommission, «eich» , Erklärung" berieth und redigirt«. (vie Red.)