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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 43 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
43 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i Hera, »gegeben von Dr. «. »ntz««r in Magdeburg 3«t Unterhalt»« g nnb Belehrung für die israelitische Familie. Inhalt: DK Schuld der BSter. Ein« EriMnna von I. Hrrgberg. Liturgisch« Aphorißnicn. I. Bon 2. Lohen, Reet^a. Nh. — (Uedefngter «nchvrnit IM diese» t .) — Erinnerungen an Serthold Anerbach von E. Wolf. thstl-Lösungen. — l Blatte ist Untersagt.) Me Schuld der Mter. Eine Erzählung von I. Herzberg. 161 (zorrsetznng.) Tie mit ihrem Vater gepflogene Unterredung hatte in Meta " Salden die Befürchtung geweckt, diese Bilder könnten niemals tut Wirklichkeit werden, wenn Hr. v. Dietenhof den Tod einer Verbindung mit ihr vorziehen sollte. Dn Bater hatte diesen letzten Gedanken noch gar nicht in Erwägung gezogen; die Tochter aber dachte wohl daran und sie erfaßte ein Gefühl d«< Schmerzes, de» Grauens gar, daß ihr B.ter und in -weikr Reihe sie selbst vielleicht ein jvngeS Menschenleben auf» Spiel setzten, um mit kalt berechneten Mitteln einem Idol eine reale Gestalt zu xrleihen. — — Längere Zeit hatten Bater und Tochter stumm einander hinüber gesessen; Beide waren mit ihren Gedanken br» Sie hatten eS vollständig überhört, daß schon seit einigen Minuten eine Mäunergestalt, die leise eingetreten war, auf ein« Anrede wartete. Als Salden nach einer kurzen Weile aufblickte und fein :Auge auf diese männliche -Gestalt fiel, zuckte er plötzlich zusammen. »Wie Hirsch Löwen", rief er veqvundert au», .sind Sie denn wirklich? Haben Eie vielleicht Glück in der Lotterie habt, daß sie mit emem Male so fein gekleidet einhergehen? Was führt Sir zu mir?" .Ich bin feit einer Stunde Kaffenbote der Firma Emil Friedveim", sprach Löwen, der ein der That war, und au» feinen Worten klang eineSthellS ein stolze» Bewußtsein, daß er heute nicht »ehr al» bittender, ja als bettelnder Rothleidender vor den Mann dort zu treten brauchte, um schnöde Demüthigungrn sich gefallen zu lassen. Andererseits konnte er den alten Grell nicht unte>:drücken, den er seinem ehemaligen fr Peiniger und Dränger gegenüber im Herzen barg und dem er gestern noch in so drastischer Weist Ausdruck verliehen. .Ich habe Ihnen hier einen Brief zu überreichen," fuhr Löwen fort, indem er näher trat, ferne Tasche, die er unter dem Arm getragen, hernorzog und derselben daS Schreiben entnahm. f* . Diese Tasche enchielt noch verschiedene andere Schrift- > stücke, die Löwen theil» den in der Stadl wohnenden Kunden k bet Firma zu übergeben, cheils zur Post zn tragen hatte. ^Mehrere dieser Briefe truuen ein fünffache» Siegel, was .Hareof hindeutete, daß <» SSerthbriefe waren. Unter diesen Aktzieren befand sich ein besonders umfangreicher, und war n.f,gewiß der werthoollste, denn er war sehr sorgfältig s ' verflossen. Löwen hatte die geöffnete Tasche eine Weile derart gelten. I«ß e» Salden möglich gewesen war, einen prüfenden lick hii^r »werfen. -...Ls Wie glühten plötzlich die Augen Salden». Gin merkliches Zittern erfaßte ihn jäh, und seine ganze Leidenschaftlichkeit, die er sonst behutsam niederzudrücken bestrebt war, trat in den Vordergrund und äußerte sich in dem habsüchtigen Blich den er aus all die Schätze warf, die jene Tasche barg. Wenn er sie heute besaß, welche Erleichterung hätte ihm werden können, wie manche bange Sorge, die ihm üie Ersttebung eines so heiß ersehnten Zieles verursachte, würde im Fluge verscheucht werden. Seine. Ruhe, seine Sammlung waren völlig dahin. Die Gier nach fremdem Gute hatte ihn förmlich bemeistert. Kaum war er fähig, das ihm übergebene Schreiben zu lesen. Seiner Tochter selbst war stine ungeheure Aufregung ausgefallen, sodaß sie ängstlich fragte: .WaS stylt Dir, lieber Vater, ist Dir nicht wohl?" „Mir fehlt nicht»", bemühte sich Salden mit zitternder Sttmme zu erwidern .Bitte gehe nur zur Ruhe, ich bedarf Deiner hier nicht mehr.' .Ich werde sogleich gehen', sprach die Tochter. .Solltest Du meiner bedürfen, so rufe uur." Salden war allein mit Hirsch Löwen im Zimmer. „Herr Friedhrim übersendet mir hier ein Accept", begann jener, indem er sich an Löwen wandte, ohne diesen anzublicken; „ich wünsche eine etwas höhere Summe darauf vermerkt zu haben. Ich werde Ihnen da» Accept wieder mitgeben und Herrn Friedheim schreiben, er möge ein anderes Accept ausstellen". Nachdem Salden diese Worte gesprochen, wandte er sich seinem Schreibtische zu und war im Begriff. Papier und Dinte zur Hand zu nehmen, als er plötzlich ausschrie und in seinen Stuhl zurücksank. Löwen, der an einen Unfall glaubte, eilte herbei, seine Tasche aus der Hand legend, um Salden feil« Hülfr zu leihen. Da stöhnte Salden auf und sprach die abgelirochenen Worte: .Löwen, — eilen Sie — in» Wohnzimmer — und — rustn Sie-meine Tochter herbei. Löwen beeilte sich, sofort dem Wunsche Salden» nachzukommen. Er war jedoch mit der Lage der inner» Wohuräume de» Salden'schen Hause» sehr wenig vertraut und e» dauerte eine geraume Welle, ehe er mit der Tochter wieder zu Salden eilen tonnte. Wie verwundert schauten aber Beide auf, al» sie diesen am Tisch sitzend und mit dem Schreiben eines Briest» beschäftigt vorfanden. ,O, Papa, wie hast Du mich erschreckt", ries Meta Salden in» Zimmer tretend. .Doch sehe ich, daß es gottlob nicht so schlimm ist, wie ich glauben mußte * „Aengstige Dich nicht; mir ist schon wieder ganz wohl. Gehe nur ruhig wieder auf Dein Zimmer.- „ES thut mir leid, daß ich Äe bemühen mußte, lieber Löwe«. Aber mich überfiel plötzlich eine so große Schwäche. daß ich die Herrschaft über meine Sinne verlor. E» ourlk^

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