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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 15-16 (1891) · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
15-16 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 60 (sequence 6)
Language
German
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. ' ' 'WWW, if.i 1 i.; "W*l »->/ 'Sc -i" , — so — Seftdem bft SBtrl das Glück ringekehrt, wurde er ein anderer Mensch. Örtlich gegen Weib und Kind war er nun gegen Jedermann freundlich und zuvorkommend, lächelte, ja scherzte sogar oft. Die Leute in der Gasse wunderten sich nickt wenig über Berl« so plötzlichen, im Bolksmunde bis ins Immense gesteigerten Reichthum; verschiedene Meinungen murven darüber laut. Einige behaupteten, Berl habe eine Iernsche^ i von cineni in Amerika oder Ungarn (damals galt das eine wie das andere als Goldland) verstorbenen reichen Vetter gemacht. Andere glaubten wieder, der Findling habe urplötzlich seine Eltern entdeckt, die äußerst vornehme Leute wären, die ihn mit Reichlhümern versehen hätten Einer tbeilte gar beim „Diätt" unter dem Siegel der Verschwiegenheit mit, er wisse mit Bestimmtheit, daß Berl eine alte Truhe als Geschenk bekommen habe, die lange Jahre in einem Kellerraum auf der Kleinseitc verborgen war: Niemand habe sich die Mühe genommen, dieses halverfaultc Zeug zu öffnen und genau durchzusuchen. Berl habe diese zerichlagen, um sie als Brennholz zu verwenden, da fiel ein Ozer'i heraus, nämlich ein Topf voll von Dukaten. Biel besser aber wuße cs Jentl, die Schammcste der frommen Weiber, sie erzählte geheininißvoll den neugierig lauschenden Weibern: Berl habe das Geld vom leibhaftigen Satan selbst, sie wisse es, alle 'Nacht, wenn jeder ftomme Iud sich bereits zur Ruhe begeben Hane, habe sie oft Berl zum Bes chaim', schleichen gesehen, dort Hab« er auf einem Kewer') eines berüchtigten Nasche') gesessen, bis es zwölf geschlagen, dann sei plötzlich ein Mann zu ihm gekommen, sie selbst sei iym einmal begegnet »nd habe gemeint, der Schlag Neffe sie in der selben Minute, dem habe Berl die Neschome') verschrieben, dafür habe er das viele Geld bekommen, lauter Gold, Jonassan Wechsler habe ihm die Dukaten umgewechselt. So zerbrachen sich die Leute über Beris Wohlstand die Köpfe, ohne auf die eigentlick)e spur zu komnirn, er selbst verschwieg den Ursprung sehr lange Zeit. Das Geschäft Beils ging sehr gut, die Leute kauften gerne bei ihm, weil sie wußten, daß cr ein äußerst ehrlicher Mann sei. Trotzdem er nunmehr den Kinder» eine gute Erziehung geben ließ— er sagte, „so ein Am hoorea7), wie ich einer bin, darf keines meiner Kinder sein," — und äußerst wohlthättg ivar, weil er selbst gefühlt, wie schwer die Armut zu trage» sei, lebte er und Taube doch sehr sparsam, so daß sie sich mit der Zeit ein ansehnliches Vermögen ersparten. Er ichoffte sich auch mit Hilft des Grafen Martinitz, der stets 'ein Protcctor blieb, bald die Hciratsbewilligung, so daß »eine Rinder nun legitim wurden. Damals kam die 'LNrordnung, daß jeder Jude sich einen Familienname» beilegen müsse. Berl siel kein anderer Name ei», als bor, nach dem seine Kinder benannt würden, namentlich nach seiner Gattin Taubele, und behielt den Namen Taubeles. cr hieß mit der Zeit Red Beer r a u b e l c s, welchcr 'Name noch heute in Prag bekannt ist. Als er alt geworden und seine .Kinder bereits groß und verständig waren, erzählte er ihnen seine Schichte. „Ich bin immer wie ein Hund behandelt morden," sagte «r, „daß hat mich so verlottert, daß ich die Menschen nicht Hab' leiden können: wie ich zu Verstand gekommen bin, hält' ich inich lieber in Stücke reißen lasten, bevor ich von Jemandem ein (Geschenk angenommen hätte. Das einzige Wesen, das je mir mir freundlich gesprochen, war Taube. Doch konnte ich es mir nie verzeihen, daß ich sic in mein Unglück hineinaezogcn habe. Ich sah, daß sic das 'Nothwendigste entbehrte, wert ich nicht mehr erwerben konnte. Mein Unglück machte mich hart und gefühllos; dann kamen Kinder, wir hatten Not »nd Hunger, was ich da litt, ist nicht zu beschreiben. ', ctrbschajr. ') -chate ') Srlrdhos. *) Olafe. ') *ojtarid)t •) Serie ') u„»«fienfeer. weil ich aber diesen Schmerz in mir verschloß, hieß es all-!>emein, ich habe ftin Herz im Leibe; erst als mir Gott, geobt sei erl geholftn und ich euch allen bieten konnte, was meine Pflicht war, dann erst fühlte ich mich glücklich und konnte aller Welt zeigen, das Berl Findling da« .Herz am rechten Fleck hat. Allerlei. gttMttaf Maunirrg uttb die Anden Herr Lewis Emanuel ichreibt dem „Jew. Chronicle"; „Dir freundlich« Gesinnung, »>elche der selige Cardinal Manning gegen die Juden hegte, muß ans Alle, die mit Sr. Eminenz in Berührung kamen, den wohlthuendstcn Eindruck gemacht haben. Folgende bemerftnswerthe Illustration dieser Thatsachc wurde mir vor einigen Tagen von dem wohlbekannten internationalen Advocaten, .Herrn Alfted Mattei, mit der Erlaubnis öffentlichen Gebrauch davon machen zu dürfen, mitgetheilt. Dirft Mittheilung wird jedenfalls ihre Leserinteressiren. besonders diejenigen, ivelche wie ich die Ehre hatten, bei Gelegenheit des 2öjähcigen Bischofjubiläums des Cardinal« Zeuge von der lleberreichung der Adresse der englisch-jüdischen Gemeinden gcivesen zu sein. Kurze Zeit nachher kam der Patriarch von Babylon nach London, um mit dem Cardinal eine wichtige kirchliche Angelegenheit zu beratheu. Auch .Herr Mattei wurde berufen, um bei dieser Gelegenheit in einer das kanonisch Recht betreffenden Frage seinen Rath zu ertheilen. 'Nachdem di« Angelegenheit im bischöflichen Palais erledigt ivar, sagte der Catdinal zu dem Patriarchen und Herrn Mattei: .Kommen Sie gefälligst mit nur. ich habe etwas, was ich Ihnen gern zeigen möchte!" Er führte sie dann zu einem Winkel des Saales und auf dir wundervolle Ebenholzeafiettc zeigend, welche die jüdische Adresse einschloß, erklärte er ihnen die näheren Einzelheiten und sagte dann mit besonderem 'Nachdruck: Dieses (beschenk ist da» einzige Ereigniß in meinem Leben, auf welches ich am meisten stolz bin." $i«e alte Sy»a-oge it -gyptr». Unter der Uebcrschrist „Bandalismus in Egypten" schreibt Herr Greville I. Ehester an die „Academy": „Die herrlichste römische Ruine in Egypten, seitdem der Khedive Ismail die römische Festung Ramleh zerstört hat, war auf alle Fälle die Feste Babylon, südlich von Cairo. auch unter dem Namen „Mur's cl Aheekech und Dayr esch Schcmona" bekannt. Eine der interessantesten Ansichten in diesem Dayr bot die jüdisch« Synagoge, früher die christliche Kirche des St. Michael, welche während des Mittelalters dadurch ihre Weihe perlor, daß sie von einem arabischen Sultan den Juden überlassen wurde und von dieftn bis in die gegenwärtige Zeit als Stätte ihrer Andacht benutzt wurde. Das Gebäude war von hohem architektonischen Interesse. Das alte christliche Schiff und die Gallerien wurden intact erhalten; da« Altargewölbe, welches früher dageweftn sein muß, wurde jedoch von den Juden zerstört und durch ein rechtwinklige» Sanctuarium ersetzt, llnter diesem befand sich die Nische, in welcher die heiligen Gesetzesrollen aufbewahrt ivurden. Die Mauern wurden mit zahlreichen Bibelverftn in Gessoarbeit geschmückt, welche ein mtcressantes Beispiel von dem Geschmack und der Geschicklichkeit der Juden im Mittelalter lieferten. Auch von dm alten Lichtschirmen (Vorhängen?) wurden einige erhalten, aber umgehängt, wahrscheinlich weil sie mit Gazellen und anderen Thierra bemalt waren.... Alles dieses gekört heute nur noch der Bergangeaheit an; die Juden haoen die atte Kirche und Synagoge dem Erdboden gleich gemacht und an ihrer Stelle ein unansehnliches viereckiges Bauwerk errichtet, deffm Inneres von eisernen Pfeilern getragen wird. t>cnmtnoit(. Redakteur: Dr. M.Rahiner, Slatktfatg. DrMck:B«»dftAHatza (früher D-LS-E. «agdebura Verla«: «oben Arl «I«. Lethtl,.

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