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Israelitische Wochenschrift · 1891-08-06 · 32 (6.8.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
32 (6.8.1891)
Date
1891-08-06
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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VotiMtf darauf wenn «4 nicht einmal unter der Marke ,streng vertraulich" sie westergiebt. Wir wollten, daß nufere Mahnung zu jede« russische« GlaubeaSbruder dring«, »eun e* irgead aageh^ ouSzuhalten und in de« bisherige« Wohnort za b lei den. Alle», was in Deutschland, in Frankreich, in England, in Nordamerika gesammelt worden ist, reicht nicht entfernt au», um wirksame Hilf« zu bringen: die meisten der jüdischen Au«wanderer gehen ihrem sichern Untergange entgegen. Die Zeitungen aber, die un» Juden und dem Rettusgswerke freundlich gesinnt sind, thüten un» den grüßten Dienst, wenn sie Nachrichten zurückhielten, die den Gequälten unerfüllbare Hoffnungen vorspiegel« und den deutschen Judenfeinden nicht al» Zeugniffe unsere» OpfermutheS, sondern unsere» neiderweckenden Reichthum» gelten. _ B. R. Ueter Me russische» Judeuuu-weisuuge« schreibt dir über ruff. Zustünde gut unterrichtet« ,Posener ־ ־ »ü, Unrecht, das Rußland mit der Austreibung seiner jüdischen Bevölkerung begeht, hat in der letzten Zeit so zu sagen legale Formen erhalten; zum mindesten ist in diese wüsten Vorgänge neuerdings Ordnung und System gekommen, und es erscheint deshalb am Platze, die veränderte Sachlage zu besprechen. Als die Verfolgungen und Austreibungen unzähliger Tausender von Juden, namentlich aus Südrußland begannen, wälzte sich der Strom dieser Unglücklichen regellos westwärts, und die Komitees jüdischer Notabeln, die sich in Berlin und London gebildet hatten, konnten zunächst nichts thun, als diesem Strome wenigsteneine bestimmte Richtung zu geben. So wurden gewaltige Massen dieser Ausgetriebenen über Berlin nach England und Amerika geschickt, nachdem sie vorher mtt Geld für die erste Zeit ihrer neuen Existenz versehen worden waren. Naturgemäß konnte dies ganze System der Weiterbeförderung russischer Juden nur ein Nochbehelf fein. Das englische Äufnahmereservoir ist jedenfalls vollständig gefüllt und die Engländer wollen von der Einwanderung russischer Juden nichts mehr wissen. Die sie im Lande schon haben werden sie behalten, aber frische Zuzüge würden höchst ungern gesehen werden. Die englischen Gesetze verbieten allerdings nicht diese Zuzüge. Indessen werden die russischen Jnden wohl daran thun, mst den Verhältnissen zu rechnen, wofern sie überhaupt in die Lage kommen, einen selbstständigen Willen in Bezug auf chre Zukunft zu äußern. Diese Mühe haben chnen bisher die Hllfskomitee'S in Berlin und London abgenommen, was wohl auch fernerhin geschehen wird. Mchr Platz für die Auswandernden ist zweifellos noch in den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch dorthin gößerr Ströme von russischen Juden zu lenken, hat fein edenkliches. Diese armseligen Vertriebenen können in den Vereinigten Staaten mit ihrem hochentwickelten Industrialismus keine andere Existenz als die von Lohnarbeiten unter den allerdürftigsten Bedingungen finden. Arm und unwiffend bis zum Aeußerften, körperlich schwach, der Sprache nicht mächtig, müssen die russischen Juden, die in Newyork landen, ob sie wollen oder nicht, zu Futter im Wirthschaftskriege werden, und es ist die Frage, od diese Leute als Ausgebeutete amerikanischer Gewerbetreibender bester daran sind denn zuvor. Die Veränderungen nun, die in den letzten Wochen in auf die Ansiedluug der russischen Juden stattgefunden bestehen einmal darin, daß das Kolonisationsprojekt Baron» Hirsch festere Gestalt angenommen bat, -weiten», baß -wischen dem Baron Hirsch und den russischen Gewaltchnster» Vereinbarungen über die Abschiebung der Juden statt- ־־“ DMen» " ■ ׳ ־ stellt, welche» Interesse die euMche SktziüMg an diesen Dingen nimmt. Die 9&L0msatio nSpläne de» Herr» Hirsch umfaffea aicht bloß Argentinien, sonder» auch Palästina und Syrien. E» ist da» eine Remruug, von der vor einmen Monaten, al» zuerst von den Hirsch'schen LnsiedlmmSplänen gesprochen wurde, noch gar nicht die Rede war.*) (Baron Hinch scheint auf Palästina und Syrien erst durch Personen aufmerksam gemacht worden zu sein, deren Interesse an der Judeuansiedlung kein bloß humane», sondern, zugleich ein politische» fein dürfte.) Mr. White, der tüchnge Vermittler de» Barons Hirsch bei de« Ver- Handlungen mst PobedouoSzeff und den übrigen russische« Staatsmännern, ist Engländer und stcht in nahen verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen zu leitenden Persöulichteiten in London. ES sind nicht bloß die Empfehlungen durch Baron Hirsch, die Herrn White in Petersburg die Wege geebnet haben, sondern der Abgesandte de» Millionär» hat sich wirksamer noch auf Empfehlungen englischer Notabllitäten berufen können, und dem englischen Botschafter in Petersburg konnte von den Rüsten nicht abgeschlage» werden, was Herrn Baron Hirsch vielleicht doch abgeschlage« worden wäre. Mr. White ist natürlich kein Gegner der Ueberführung der Juden nach Argentinien, aber eiu bemerken»- werth großes Gewicht legt er in seiner kürzlich veröffentlichte» Denkschnft an Baron Hirsch auf die Anstedlungen der Juden in den türkischen Gebieten am Mittelmeere, und große Schaaren von russischen Juden haben bereit» den Weg nach Palästina und Syrien eingeschlagen. Die .Kreuzztg." berichtete vor einiger Zeit über «me Unterredung, di« einer ihrer Mitarbeiter mit einem türkischen Staatsmann in Eonstantinovel gehabt hat. Dieser Bericht machte durchaus dm Eindruck bet Zuverlässigkeit und das dort mitgetyeilt Ge- »esene ist im Hauptpunkte plausibel genug. Dieser Haupt- Punkt ist, daß die Pforte gegen die massenhafte Ansiedlun». russischer J>ü>en in Palästma und Syrien nicht sowohl konfessionelle oder sonstige innerpolitische als vielmehr solche Einwendungen macht, dir aus der auswärtigen Lage herzuleiten sind. Die türkische Regierung befürchtet, daß England an diesen russischen Judm eine starke Stütze in dm von ihnen besiedelten Landstrichen finden und die Verschiebung der BevölkerungSverhältniffe zu Sonderzwecken auSnützm wird. Wir können diese Besorgnisse zum mindesten verstehen. Es wäre keine Kleinigkeit, wenn plötzlich ein paar hunderttausend Juden im östlichen Winkel des Mittelländischen Meeres das englische Gewicht verstärken könnten. Mr. White ist der Meinung, daß die ackerbautreibende jüdische Be-. vülkerung Südrußlands ein ausgezeichnete» Kolonisation»- material nicht bloS für Argentinien, sondern auch für Palästina abaeben würde. Diese Leute wären sehr wohl im Stande, den Krystallisationspunkt einer KoloaisastonStkä stakest in wirklich großem Stile zu bilden, und daS Mitleid ist e» ersichtlich nutzt allein, was die Engländer dazu treibt, Plänen des Barons Hirsch moralische und materielle llnte stützung zu gewährm. Jedenfalls scheinen die grüßten Gefahren, die von russisch« Judenaustreibungen drohten, nunmehr gebannt, sein. Die Hauptgesahr bestand darin, daß Hunderttausend« aon armseligen Existenzen einfach vernichtet oder nach Mittel- und Westeuropa gesagt werden könnten, wo sie wegen ihrer gewaltigen Masse wmigstens vorübergehend hätten geduldet und unterhalten werden müssen. Davon ist jetzt, wie gesagt,' keine Rede mehr. Die russische Regierung hat «l«ge-i willigt, daß die Leute in geordneter Weise abgescho werden. Die AuSwanderuogSkomitce's im Zarenreiche dür fdh mst den Komitee'» in Berlin und London in direkte Set׳ bindung setzen, und die ganze Astion, angefangen von den« russischen Ausweisungsbefehlen bis zur Ansiedelung in A *) XU Brron Hirsch jüngst von de» »irdaltrnr einer jü Zeitung in Pari» intern»« wurde, hm er üter diese» seine» ' erweiterten »nfiedlnngtplan, der dt» Znftiniwnng Vielerb» fich »och nicht geäußert. --- . , E

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