Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 29 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Achatt: « Br. «t »atzwer bi MafMittg. ... *"* *** Aerzaogenhett. gict «ck km «nasstschea bei L Senanb« dm Levt»-rUfit. — Die Ftaalfneter Jubeagaffe. U»rrt vor Labw', «»rar — «vtlabet« Xwut. — KfUtlei fit den Uawlilentlsch - M*felafa«fc» «» *fl8futea. (BMkefmjttt «mhdtU «Mi Heft« BUtte <j «KtoTKtt.) „. . ■ GNz-e« in! der verD«»ge»tzett. Brri ma Um «affischea bei «. L.wavb, ton U. L.»>,.r«pt. HL M,1«, im Mauer de» Sch»lpfflchtgeseh«». *J ' - utnfHt) I ®nen geschickten ui tüchtigen Geljülfen hatte der alte £' Frttx tn sei« Krau Marion«; sie »or s» trefflich geschult. g , ü| pch tt« »alle» auf de« Wink verffouden. Lir war Uran nnzertreunlich vo» ihre» Satte» ui begleitete th« uf alle feine dfcnrfUaen. 9t »ouie fie sei«» .<it ft eilen* t ui hielt sich felirr wahrscheinlich für einen Feldwebel, ab» £; wohl er in sei«» Po Pieren ^s Geweilter Verzeichnet war. £. — Cbct die Grsrriter-Marioue hatte «her der nut erst^ geordmten Stt klung als Geseyt ihres Männe«, ein Spezial» M. fach, i» welche» fie ei« ftlbststöntige Nass« stztelte — »orsns v^-ste sehr stolz war. Sie btlie(< fich nämlich aui uiekaute» w, Gründen ein, eine tüchtig« Hebamme z«. sein, uni so sah kM»an sie iena oft «it den Bew»hneri«»en'der Gaffe flüstern £ ui tnscheln ui geholt werden iali da» und bald dorthin. ^Wiewohl der alte Felix uf dieses Spezialfach seiner Ge* jM. Hilst» nnr scheelen Blickes sah. so koute er dagegen doch nichts »ntee«hme», da dies die einzige Fr^e war, in lvwelcher die G«steiter»Mari»ue fest onf ihrem Willen br» harrte ui fich durch nichts ui Niemud detrrgn ließ. Leu ich von de» Felix »nd der Felixe» rede, so lau ich uch deren Tochter Helene nicht »»erwähnt lasten. Helene war ei» eigenUÜmliches Mädchen, das etgenthümliche iVniaft der eigenthüwlichen Gaffe. Sie hatte fich so sehr * in die jüdischen Sitte» »nd Bräuche eingelebt, daß fie stets ^behauptete, nur ans versehen als Christin zur Welt ge» kommen zu sei» — worüder sie fich sehr grämte.. Ihr / aseichgiltiges Bemhmen gegen ihre Religion und deren *-■ Satzungen war selbst für ußerhald derselben Stehende Aergerniß erregend. Sie hörte nie uf von der Glückseligkeit zu träumen, einstmals Jüdin »erden zu dürft»» obwohl die Bewohner der Gaffe ihr diese Phantasterei auszureden bemüht waren. Sie sprach so geläufig den Mischen Jargon, kun'e so genu d e Mischen Spestegefttze, die Morgen», Abend. t:< rmd Ltschgebete, ja selbst die jüdischen Legenden und Sagen, /daß st« den jüdischen Mädchen, di« ihr znmetst hierin nach» studen, oft als Lerblld dienen mußte. Sie sprach sogar fc: wiederholt de» wusch ans. Hebräisch lernen zu wollen, ^allein dies schlugen ihr dt« v«»oh«r der Gaffe rund»eg ad und baten fie, doch kein .dummes Zeugzu reden. Segen dieses sonderbaren Mädchens ein Unglück sürchtend, riethen tft Inden den Eltern Heleuens, dies« baldigst zu verheiratheu; »der so «st di« Alten dies« Frage berührten, Hegau das Mädchen zn w«t«n ud verficherte, fich lieber ertränken, »ls etnen.Goj" heirathm zu wollen. Es ist «w ganz natürlich, daß die Alten, welche gute Aatholtkrn waren fich sehr härmten ob der Verdlendug >rer einzigen rochier, oder fie koutrn' kein Mittel finden, > fie znr vernüst zu dringen; ud dorn» mußten fie sWnerrn Herzens es atit «usehen, wir ihre Heleae sich den ganzen Tag in jüdischen Häusern nmhertrftb, all« Kinder der Gast« »artete, fie ml jüdischen Liedchen einschlifertr, ihnen jüdische Beschichtche». erzählte, wie fie dt« jüdischen Speisegesetze beobachtete, mit ihren AUersgeuosstnnen »« Roschhaschauah in die Synagoge ging, um .Schsfar blasen " zu hören, els wäre »uch fie hierzu verpflichtet. Auf diese weise kennte Helene ihrem eigeuthümlichen Hange das ganze Jahr hindurch falzen. Ader »it dem Anbruch der »großen Fasten" änderten die Alten ihre Taktik bezüglich ihrer Tochter; ihr religiöses Gewiffeu erwachte und gewann die Oberhand über ihre passt« Lauheit; ud um dies« Zeit »erwudelt« sich dt« friedliche Lehmhütte in eine Aren» der erbitterst«» Religtonökämpfe. Und trotz ihrer strengen Neutralität litten di« Be» wohmr der Gaffe am meisten unter diesen verhältniffeu» denn da das ganze Leben der Gaffe fich fast ausschließlich um Felix ud di« Felix» bewegte, so ist es begreiflich, iofr der Krieg, in welchen diele Familie verwickelt war. fich in allen Angelegenheiten der Gaffe bemerkbar macht«. Es herrschte eineSlockug knallen »irthschastltchen Verhältnissen derselben: die Oese» rauchten, von den Stubendecken lief es, das schmelzende Eis wurde nicht abgefahren, an den Schwellen der Häuser standen grase Lachen, der «nge» schmolle« .Teich" drohte uszutreten und die Gaffe zu überschwemmen; und der gute Genius der Gaffe schien das Alles nicht zu bemerken — er war in Krieg verwickelt. Anßrrte« traf es fich immer so uglücklich, daß die ^großen Fasten" in jene Wochen fiele», dir dem Paffahfeste uumittel» bar vorangehen, wo die Arbeit bei den Juden dis «n den Hals reicht, was thnn? Nu das Gleiche. »:s ein neutraler Staat thuh wenn er merkt, daß der Krieg, bet welchem er ein theUnahmloser Zuschauer bleiben wollte« uch sein« Jntereffen zu berühren aafängt: er bietet den fich bekriegenden Parteien seine Vermittelung an. Dies thater» nun auch die Bewohner der Gaffe, und immer waren ihre Vermittelugsversuche von Erfolg gekrönt: Felix ud dir Felixen stellten ihre Salven ein and Helene ging zur Beichte. Und Friede», Ordnung und Sauberkeit herrschten wiederum in der Gasft — bis zu den nächsten »großen Fast«". 4. was war nicht Alles in jenem Zimmer vorhanden, in teffen erstem Winkel fich unser .Eheder" befand l Auf dem Fußboden nahm stets ein improvistrter Btvuak der Ein» quartirung mit ihren Tornistern, Tschakko's, Mänteln nnd Utenfilien den ersten Platz ein. Hier putzten dft Soldaten ihre Gewehre, besserten ihre Wäsche ud Stteftln uS, rauchten ihren Machorka*), sangen ihre Liedlein: »Ueder die Straße, über das Pflaster", »der .wir Helden, Kinder des Ruhmes" »der pflegten, nachdem fie fich mit .Schtschi" vollgesn ppt. uter detündeüem Schnarchen der Ruhe. Gewöhnlich waron fi, in der ersten Zeit sehr streitsüchtig; besetzten in eine« unbewachten Augenblick all« Winkel und wände des Zimmers, verdrängten all, viel her, warfen «it den gemetnften Schimpfworten um fich, droheten der wirihin «tt der |e» *; «chlechter «d «gemein parier imsfischer Soldat»». LabaL