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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 25 (1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
25 (1890)
Date
1890-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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$*ro*«t«8.*cm «m Dr. «. «Man t» M-,l>rd«r^ Z« IotchM«, L-rlchiq str w KriMHe /«Me. t ti. ®te •*&* Jagd 1» rtettschaad. — «Pzien ao0 »er. 8rr-a»gnchett. A«t nech dem «asgschea W L. Scmntba M Hjtthrtlf * t» Tllft. — De» Setzhtra SötileN. — »llerle« säe »e,^»«tlte»tisch. — rplgram«». B»,L.Letze» t»> ' «öchstluftat» NNdöLbleLAmm«._ Kt*»nur tn* Mrim «Uttr <K Mt A. L«»l» Rm*o.II4.- «attlftgt} Skizze« ««» der vergM«Oe«hett. Frei mich de« «äffische» de« L. Lewaidu von «. Äeel, ta Lilstt. —»-. iRa^katf mtntattj 11 pte Male» nwisc» Pttiirt. Je. M Baren fic nab keine anderen; kannte ich fir dach deffer nl« meine fünf Ktngerl Ätzer ans Welche Weise Baren sie mh tzen Schläfen «eine« Melamebs ans die Straß« Gekommen? Und was marken fic hier? Was hatten st« hier |u suchen? Und w-e kam es, daß di« Erde '/ nicht erbebt, als fie, die Seele, sich trennten non ihre« ' «brtzer, dem Melamed? vergebens »erbrach ich mir tzen Laps mit diesen Kragen; st« blieben ungelöst. Mein erster Gedanke Bar, mich »n röchen ab ihnen, tzie mir se viel zngesetzt i« Laufe »er letzten Monate. Ich begann str mit Füb» »u treten, mit Straßeustaub zu pudern, st« .»n »upfen und »u zausen, üa Glauben, daß die« ste schmerzen «üff«. Ich mar mit SchBeiß über gossen, infalge tz» Hitze w.« auch der «nftegnng. Ich tzaustrt« daher «inen Mameut. um Athe« zu halea und tzen Schmeiß ans dem Geficht« zu milchen, nutz ging sodann mit erneuter «rast nutz Wachsendem Ingrimm un die Arbeit. O, ich röcht« »ich für mich nutz.«eine Kameraden, für dt« ehe« maligen, gegenwärtigen nutz zukünsttzeu, Welche litten, leiden und leiben werden von diesen bauten Paie« . . Aber als ich mich hinreichend gerächt mähile und mein Zorn stch gelegt hatte, empfand ich plötzlich Scham, Gewissensbisse, Ren«. In Sottessmcht und in Ehrfurcht vor Aettrren erzogen, Borde mir klar. Wie abscheulich und sündhaft meine Lhat. Ach, ich hatte «inen Lehrer beschimpft, den ich nach de« Religionsgesetz« gleich dem Schöps» «hrfürchten sollte! t*, Welch' unerhörtes verbrechen l Mein Herz war zu« Zer» Äji springen; ich hätte Beinen mögen. Außer der tiefen Ren« bemächtigte stch meiner tuniges : Mitleid sür die Unglücklichen Patts, denn ich »ußte ja, mas sie meinem armen Lehrer Baren. In meiner Phantasie tanchttn düstere Silber ans; ich sah i» Geiste «einen Melamed als Leiche tzaliegen, indem der Verlust seiner einzigen Zierde, seine» einzigen Tr»ste«, ihm das Hetz gebrochen; sonach hätte ich sogar eine« in ein bess'res Jenseits Htnüberge^ngenm beschinchstl Li« di« Schuld sühnen? Um «rtn Gewissen einigermaßen zu beruhigen, begann ich zunächst damit, baß ich tz» Gegenstand meines Spottes von der Straße anfhgb, ihn sorgfältig znrechttegte, säubert« und in die Lasche steckte, damtt stch tckcht noch andere Sösemichter Über ihn hermachten. Säen schlug ich mir auf tzie Brust und mnrmette das Sündenbekttmtniß vor mich her r „Oaohnmti, bofadti, foaalti aUs.“ und setzt«, ein wenig »leichtert, tzen Weg nach de« Lheder fort. Ich fand dort tim große Veränderung vor. Der UnterrichVtisch war bei Seit« geschallen nutz ans zwei langen Sänken et» Lager hergerichlet, auf imlche», in sein» Oberkaftan gehüllt, unser Melamed geschloffenen.. Annes dalag, »an Zeft zn Zeit tieft Senfzer ««stoßend. 9mm Zichne er stebette. Ste edle «we Bgo-. .nnä ihn de» .. .. . . r - ' 1 ' *■ «a'^t *^5 •. ' r*-*'*' ‘ ' ' schästigt, reichte ihm abmechsend heißen Aamilleuthee n."d kalten Lwaß zu« Trink». Sie war blaß wie «He Leiche. Der alte Saruch Bor ebenfalls anwesend. Er tröstet« den Melamed und beruhigte Riw» mit den «Borten 3 »Hat nichts zu sag», es wird schon noch »»rüdergeh».- Me«e Lamerad» stand» ganz fassungslos da. Sie berichteten mir dann dm Vorfall. Dieser - bestand darin, bah der Melamed, Welcher stch nach der Stadt begeben, an di« gegewvhnlich» Vorsichtsmaßregeln bezüglich seiner Paies vtr« gess» httte. Und kan» hatte er die Gaffe »erlrffen. da degegnete ihm ein Pollztst. Der Melamed wollte stch flächt», allein es war schon zu spät: der Polszist war ans ihn zngesprnng», schnitt ihm die Paies ab ngd stieß ihn zurück in die Gaffe. Mit Mühe nur schleppte der Unglückliche stch bi« in das Zimmer, m» er sogleich ohnmächtig uiedergesunken war, und es dauerte lange, bi« man ihn wieder zur Sefinnnng gebracht hatte. Das Leiden unseres Lehrers rührte nns tief und söhnt« uns völlig mit ihm ans. Wir sahen in ihm ein» Unglücklich», d» eine unbarmherzig« Hand seiner einzigen?ebens» ftende beraubt, vou dem Wunsche beseelt, dem schwer Setroff»» mit etwa« zu helfen, holte ich die Pate« aus der Tasche hervor, trat an das Lager hinan und ftng: »Rabbi, sind dies Eure Paies?" Dies« Wort« übttn «tue magisch« Wirkung aus d» Lrank» aus. Er öffnete die Augen. »Wo hast Du - fte her Pa ftng er, fieberhaft die Hand nach de» Lleinod ansstreck»». »Ich habe st« auf der Straß« gefunden. - »Sieb fie Herlrief er nicht mit seiner geBöhnlich» Stimme und riß die Paie» aus meiner Hand, als fürchte er, ich könnte ste für mich behalten. Einige Sekund» hielt er fie vor die Angen. dann schleuderte er fie in die Ecke und begann laut zu schluchz». »Das ist gut,- sagte Saruch. »Es wird ihm Lindenmg schaffen.» »Sott gebe «sl» seufzte RtBe innig. In diese« Momente taucht« in meinem Lopfe es« glücklich« Id« auf, an der» Realifirnng ich sogleich ging. Ich hob die Pate« auf, trat an tz» schluchzend» Melamed hinan und sagte: .Beruhigt Lach, Rabbi; nach Verlauf einer Viertelstunde sollt Ihr Paies habm — bei Gott l- Lie Sutzesgewißhett, mtt welcher ich diese (Barte sprach, versetzt» die Anwesend» tu Staun». Der Melamed hörte auf zu wetn» und glotzt« mich an, als Büuscht« er eine Erklärung «einer räthselhast» «orte. Auf dt« Frage« »Was? Wie? Wieso?" antBortete ich nur: »Geduldet euch ein wenig; ihr werdet'» schon sehen," und ging fort. Ich begab mich zu dem nächst» Schuster, erstand für einig« Pfennige ei»» ftin» Sederstreifeu. eine Ahle und ein Stück Prchdraht nutz nähet« die Pate» an d» Letzrrstrriftn, ein Büschel noch de» andern. Die Arbett gedteh in ««tim» Häntz« täte in zehn Minuten war ste vollendet. Damtt die «aht »ch hielt«, bestrich ich sie mit Pech. Ich schnitt

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