Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 13 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V'MIS. - Jüdlscherj 1890. HernuDgegeden Mn Dr. M. Molaer in Magdeburg. In Astrrtzßltriß t Ktlttznuz fir IIt isr-Mflhe liiilie. «M*- Inhalt: Sk sch»« Jüdin Lin, foalol-spychologische »rgLhlung Mn Wilhelm Selbmann föoitfefcang.) — Warum bleibt den Kien de» Heiligtbnm der Pkoureret Mrschtoffen. — »llerlei sür den g-milientisch. — Epigramme. »u4 dem Hebril» m metrisch übersetzt von L. Lohen. — «Lthselanfgaben nnd «lthselldsnngen. (llndesngtrr «achdrnS an« diesem Blatte ist nntersagt.) Di« sch-«« TÜdtu. «tm fvztal^fpchologtfche «rMnng Mn Wilhelm Feldmann. <An« de« Polnischen übettragen'Mn S. Horowitz.) 18s - mtacf^i.) (Fortsetzung.) 8., deu S. Oktober. Da« Lebe» bat mir Alle« genommen: Liebe, Glauben »ab Hoffnung. Da« Leben hat au« «eine« Herzen alle« gestrichen, »a« ich liebte und verehrte . . jetzt ist e« ein leere« Blatt, mit einigen schwarze« Flecke«. Der Glaube eftftiri i» stotechismus; da« allgemeine Sohl nnd die Ztcknnst de« Bacerlande« — ans ben Wohlplacaten; bie heiligen Angelegenheiten und die ideale» Begebungen — in den Büchern der Poeten; die Ethik und Moralität — auf den Lippen der stomödtante» und der offiziellen Eharlatane; Strafen und Belohnungen — in ben Predigten der, ihre stasfirer vor ben Folgen einer Defraudation abschreckenden, Ganstente. Da« „Nicht«- ist »»fang und -»de. Und da« ein» fillttge oder uneefahrene Iudividtum, welche« stch der Form de« Dasein« nicht anpaffe» will, unterliegt der Wirkung der herrschende» Faetoren und reibt fich im eouvulstvtscheu stampfe ans. Für wen verlohnt e« stch zu kämpfe», zu leide» nud fich aufzuopfer»? Wozu? Wofür? Woran glauben, wa« lleben? Die glänzende Hypokrise? Der Welt Schalheit und Gehaltlosigkeit betäubt «ich uud verursacht in meine» '' stopfe eine» Ällrrwarr, Wirbel nud Lhao«. Da« Lebe» ekelt »ich an wib hat keinen Werth für «ich; ich habe e« keinen gelernt rmd besitze-nicht so viel straft, »m die stelle dieser Illusionen. Enttäuschungen, Schmerze» und de« Ringen« obznkürze» . . . Ich habe Ille« verloren. Alle« — innere« Feuer, Thrüneu nnd da« Herz. Ich bi» de« Weinen«, de« Enth»fia«mu«, der Ihat unfähig.. Die Schuppe» fielen mir von de» Auge», die Schale von der Nuß, und inwendig gibt e« keine» nahrhafte» stern, sondern Gewürm und Fäulniß. Ach Lebe», Leben — wo« sür kostbarer Schatz, »a« für scheußliche Hille bist D»I _ XXI. L., deu 7. Oktober. Mannigfach ergeht e« auf dieser Welt; wer hatte da« erwartet? «an offxrtrt mir im Bmeau einen Posten nnd ich weigere mich »och. Soll ich mich wirklich ewig der Schulmeisteret widme«? Und wo« wird daran« werde»? Werde ich den» die Wklk, so wie fie sei» sollte, »«arbeiten, »erde ich ste den» naih meiner Fepon ur» modeln? In einer vffentllchen Schule gicht e« noch an. dort kan» man »och auf die Individuen einigen Einst»- ausüte«, aber in Privathäuser» »ährend eine« kurzen Aufenthalte«» wa« kan» ich b« wirke»? Und damit soll mir mci« ganze« ld be» verstreichen l Man bietet mir wieder einen Polle» ans dem Lande, bei et»» Gutsbesitzer, der, »re fich Fra» 2 anddrückie, ein „Israel tlist. Die Bedingungen find glänzend, denn man »erlangt durchan« «tue „geborene Polinuud da« muß kein erster bester „Porez" sein, wen» er eine Lhrtftin bei fich habe» will. Morgen soll ich eine definitive Antwort gebe». Ich werde mir'« überlegen. Nach Hause kan» ich doch nicht zurück. Da« ist einerseit« sehr schlecht, ich exponire mich durch diesen Starrsinn, aber ich vermag nicht mich zu de» kämpfe«. Ich befitze nicht soviel straft, um dort aushalten und die Folge« der Rückkehr acceptiren zu können. Ich schütze die eigene Freiheit und Würde. Anderseit« wieder... Morgen werde ich «ich endgültig entschließen... Aha, Lemberg hat heute mit einer geringfügigen Stimmenm^jorität jene» Profeffor al« Rrichsrathsabge ordnete» gewählt. 8-, den 8. Oktober. Als» gut, ich bin enschloffen — ich gehe weiter in die Welt. Ich gehe einsam, kalt und verdrießlich. Ich »erlaffe eine Bühne, wo ich die Rolle einer Drama-Heldin spielte und ziehe Trikot« au, um ungesäumt eiue Farce aufzuführen. Ich »erbe mit einen Spiegel kaufen, um da« Lache« »ub stuix« zu erlerne»; ich »erde endlich auch theologisch-moralisch» philosophische Bücher kaufe«, um bei der Lektüre, langwelliger Thorheit Geduld zu erlernen. Ich werde mich an die Arbeit, welche mir Brot gibt, mache«, ich werde gut arbeite«, «« «eine Brotgeber zufrieden z» stellen, obwohl ich an die höher« Ziele uud Resultate meiner Arbeit nicht glaube. Den von Natur raubgierige« und dumme« Thieren soll ich die menschliche Sprache lehre», damit fie fich bester auf der Weltdühne bewege« könne«. E« ist mir sehr traurig, schwer und schmerzlich zu Mnthe. Aber der Sllaverei zu Hause ziehe ich de» Frohndienst in der Welt vor. Ich oergeffe aber, daß der Sklave al« nothwendige« und nützliche« Thier gefüttert nnd bekleidet wird und der Untertha« die Freiheit hat — hinter eine« Zaune zu sterben. Mn solche« Leben «erde ich also weiterführen. Die Welt ist für «ich und ich für die Welt schon verlor« n. Me'n ganze« Leben soll ich mit der Schulmeisteret zudrtngeu. In der ewigen Irrfahrt v-- einer Slütte zur andern, m de« ewig n Wechseln meiner Herren, «erden meine Tage dahiuflteßen. Für mich gibt e« kein persönliche« Glück »ehr. Desto bester also, daß ich mich bei Zetten von «einen jugendlichen Träumen. Idealen uud Wünschen curirt habe. All; weide« wir un« auf der große» Weltwiese; manche pflücken Blumen, — manche Gra« und manche — Brennest.-!». Mein verdauungäwerkzeug gewöhnt fich an die teueren. Und da« ist da« ersehnte Glück, welche« mir mein Leoeuswechlel brachte. Meine ehrliche Sophie, bleibe nur auf dem Lande, ein Gänschen soll Gänse weiden. Als« in die Wellt Ich bi» gut, ich »erde da« der Welt nicht heimzahleo, . womit fie mich so splendid bedacht hat — ich werde passiv sei». Ich »erde mich in de« Pflug spannen. »erde deu Boden beackern— nnd ihn dann mit au iuem Blute dethaue«, so ist'« einmall mein Schicksal, so fordert'« mein dlinde« Geschick. Li«