Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 36 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 2)
- Language
- German
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«ach unser» beste» Wisse» und 80«»»; darauf baue« Sie uud schmieden mit tapfere» Muthe ZHr Lebe». Mau muß sich selbst manch« schmerzhaft» Hieb versetz«, gewisse» «aß» sei» eigener Ambos sei«, bau« wich mau nie der eines linderen und behält den Hammer in len Hand«. Ihr« elastische, bildsame Natur wird nicht gar zu derber Hamwcrschläge bedürf«, um sich zur eigen« und Ihrer Freunde Befriedigung zu mtsaltm. da» prophezeihe ich Ihn« — elastische Natur« widerstehen länger ai» harte» Metall, da» oft eher bricht!" »Mir ist a's führe ein Wag« voll Hoffnungen vor, mir her", sagt« Arno in erleichteier Stimmung »und ich hätte nur zuzugreffm". »Da» freut mich-, sagte die gute Frau, »da» ist die rechte An rin n«e« Leben zu beginn«-. »Dank, innig« Dank, für Alles, wa» Sie mir gegeben, e» wirr mir für immer teuer bleib«! E> halten auch Sie mir Ihr Andmken. Blick« Sie hin zu meiner Mutter »nd Esther, Frau Doctorin, Sie ahn« wohl kaum, wieviel mir der G danke, Sie hier zu wiffen, die Trennung vom Hause erleichlett. Leben Sie wohl." Arno eilte sott; seine tiefe Erregung beherrschend. Zu Hause erwartete man ihn. wie er wußte. Sei» Reisegepäck war vr« der sorgsam« Tante Sara schon zur Post befördert und al» da» Abmdbrot ausgetra,« war, kau» berührt bei dem Gedanken, daß e» da» letzte gemeinsame sei, drängte man ilrno in zärtticher Sorge zum Schlafengehen, da die Post Morgen» sehr früh adgehm sollte. Da» Bewußtsein, r» sei die letzte Rächt vielleicht für innct, die er im Elternhaus« zubnnge, ließ Amo lange nicht vir Augen schließ«, bi» nach Mitternacht wohlthuenver Schlaf ihn überwältigte.!Jn siüher Morgenstunde weckte ihn die Mutter, die ihre (onze Kraft zusammennahm, um dem geliebt« Sohne nicht dm Abschied zu erschweren; sie versuchte sogar zu scherz«, al» sie da» Frühstück einnahmeu, aber es gelang ihr nicht wie sonst. Mancher lange, bedmtungsvolle Blick Amo« berührte nicht nur die Seinig«, sonder« auch die todter Gegmstände der Räume, die er nun für immer verließ. so sagte ihm sein volle» Herz. Gerson legte sinnmd die Land auf sein Haupt. Esther reichte ihm bleich und schwegmd die Hand. Da ertönte da» Posthorn Amo nahm sein Handgepäck, zu welche« noch Sara Sprisevorräthe für mehrere Tage gepackt, an welch« die alte Magd die Arno cinst auf den Armin getragen, ihre Kochkunst gezeigt. Geschäftig und mit Thränrn in den Augen, ttug sie dem »lieb« Kinde", wie s e ihn noch cmmcr nannte, dir Sachen hinaus. Gerson und die Frau« begleitet« den Abreisenden bi» an» Posthaus, nun kam roch in stürmmder Eile Frau Heimann. Sie überreichte Arnieia Päckchen für ihr« Sohn, seine Wäsche» die seine Schvrestem für ihn genäht. Wäre der Wag« licht endlich in Bewegung gekommen, die rnündlrch« Aufträge, Grü;e und Segenswünsche der Frau H imann hätten kein End! gesund«. So lange der Wag« sichtbar war, blickt« ihm die Zurückgebliebenen nach, dann sprachen sie d« herkömmlichen Segenswunsch für Rersmdr: »Der Ewige bchüte dich, der Ewige lasse dir sein Anttitz leucht«, der Ewige wen!)« dir sem Antlitz zu und sei dir gnädig." So ging Jeder sein« Weg. Al« Sara und ihr« Schwester da» Hau» betrat«, überschlich sie eine wehmüthige Traurigkeit. Sie nahm« still ihre Gebetbücher uud gewiß waren ihre Gebt« ihn« Bebürfniß uud Trost. Amo'» Herz schlug all d« Lebend« uud dm Dahin« aesä,jeden« und al« der Postwag« an dem Hause de» Doktor» vorüberfuhr, wo noch All» im tiefen Scllafe ruhte, sprach e» i» ihm: »Euer schöne« Leb» bleib« Euch uugetrütt, Zhr seid desse» werth l" Sehm wir er» ungetrübte» Glück auf Erd», dann mal ul uu» ei» «nerklärttche» Gefühl bangender Sarge an d« Glaub» der Griech» von dem Reche der Götter. Unsere Ohnmacht, je»«» Glstck zu schütz» drängt uu», a» einer Macht zu überlaffe», di« über uns steht. Freu» wir uu» her beglückende» Gegenwart! Allmählich feffelte unsem Reffmd», der lauge i» trüb« Sinn« der Bergangmhrtt gedacht«, die Abwechslung, welch« ein« so großen Reiz de« Reis«» schafft. Obgleich weder Natur noch Werke der Kunst oder der Industrie th« etwa» Besondere» auf dem Wege nach der Hafenstadt boten wo er die Seereffe nach England antretm sollte, bemerkte er dennoch die verändemag der Bodeuverhältuiff« geg« di« heimisch«. Nächtlicher Thau lag auf große«, üppig» Wies«, auf Blüthenbäomen die der Frühling mit mp» schwenderischer Pracht geschmückt und die nur theilweffe au» tan sich allmählich senkend« Nebel austauchten; aber diesen durchwehte der kühle Morg«wiad. er führte Blüthmdust und würzigen Geruch de» frtschgemähten Heue» mit sich. Jur herrlichen Laubwald hingen noch schwere Tropfen «ine» nächtlichen Gewitterregen» an Strauch und Baum, die dm Postillon überschüttet«, al» er mit seinem Horne, da» er eb« zum Munde fühtte, an einen überhängmdw Zweig anstieß. Er blie» am liebst« und auch am schönst« di« Signale und Märsche der Artillerie, bei der er im Kriege al» Trompeter gedient; man empfand di« stohe Bewegung de» Soldatmherzm«, wenn er die Töne in den grüne« Wald hinouischmettette, der da« Echo mehrfach wiederhallte. Dan» erzählte er von der Schlacht bei Leipzig, wo er am Grimmaschen Thor« mstgefochtm; die Thränea liefen ihm in dm grau« Bart al« er von tan Siege sprach. An der nächst« Station wurdm Pferde und Postillon gewechselt und al» Amo seinem unterhaltenden Reisegefährten ein Trinkgeld und Grüße für Frau Balenttn, die Jeder kannte mitgegebm, blickte er tan Heimlehrenden mit Wehmuch nach, bi» die gelb« Postkutsche nicht «chr sichtbar war und die Töne de» Posthorn» verhallten. — (Fortsetzung folgt.) Ephraim Spiro. 9] Novell« von Ido Hosman«. (Fortsetzung.) »Bon jetzt ab verfloß mir die Zeit in angenehmster, nutzbringender Weise, und ich lernte viel vou meinem Freuude, der mit dem scharfe« Auge des Sermanue» ein« klugen, praklisid« Sin« für da» Wettgetriebe verbindet. Er gedenkt sich in kurzer Zeit in eine Landratte zu vermandelu und stch am Rhein, Maia oder Neckar anzutaufea; er wird Sie dann jedeufall» besuche», das hat er mir versprochen Hier angekommeo. suchte ich vergeh«« eine Stellung. Denk« S'r mich, meine Lage, ohne Verbindungen. oh« Bekannte tu dieser Weltstadt, mit einer Baarschaft, die zur Neige zu gehen drohte. Um dem Huugertode zu entgeh», mußte ich mich entschließen einen Erwerbszweig zu suchen ' und da» war keinesivegs ein« leichte Aufgabe. Der Zufall wachte mich mit einem Ovstgärtner bekannt, der «ich veranlaßt«. rin« Obsthandel za beginn«; ich verdime mir auf diese Beeise mein tägliche» Brot «r»d habe. w«n auch nicht A in europäischem, so doch in amerikanische« Stuue zu» mindest« ein, Bast» gesund«, auf welcher Weiterbau«», ich zu größerem Erwerb« gelange» kann. Da ich noch nicht i» der Lage bi«, meiner Mutter de« gewohnt» Zuschuß zu schick«, so bitte ich Sie, Herr Staubesche», mir de» Freundschastsdieust erweis« zu »ollea, d« beigrschloffeu» Brief mit der Summe zu begleit», welch« st« von mir zu erhalt» ’ gewohnt ist, da die Mutter «och immer glaubt, ich sei bet Ihn», uud da der Gedanke, «ich s, fr» zu wiffeu, tief- , schmerzlich für fl« wäre. Ich bitte Sie nicht uw Nachricht», da ich hier »lcht; laug« u> verweil» gedenke, sondern mich, sobald «» mir ««tue Mittel «laude», tu da» Innere de» Laude» begebe» werde, »« e» mir weniger schwer fall» dürfte, meiue Pläue ..