Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 36 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■MS«. Jüdisch«» 188». *1*11 itn-glßf/ Herausgegebe» von Dr. M. Nehmer in Stagbtburg. . Z»r »«terhaltnß». -etehrmfir die israMsche ftmilie. HerzenZadel. Ein« knjawisch« EyShlung au» de« Anfang« nnser«» gahrhnudett«. Von Johanna. — Ephraim Spiro * Novelle von JdaHofmann. — »llerlei für den Femilievrifch. — Der Trau« «ine» Juden. (Al» Gegenüber zu de« jüngste» * .Tran« de» Kladderadatschan dieser Sielle.) — Nithselaufgaben und RächselUsnngen. (llnvefngtrr Nachdruck an» diese« Blatte nntrrfegt.) Inhalt HerzeavaoeU Eine knjawisch« Erzchlung an« dem Anfänge unfrre« Jahrhundert» von Johanna- »] - lSortsetzung) Heute «ar der letzte Freitagabend, den Arno mit den Seine» im elterliche» Hause verlebte. Die Sabbathftimmuug »ar heute eine weseutlich andere, als diejenige der vergangene» Jahre. Fehlte doch der geliebte Vater l Auch Sohn uud Tochter beider Häuser waren nicht jene Harmlosen wie t» Beginne dieser Erzählung. Man suchte die ernste Stimmung zu verbergen. »Doch Summer, etngehüllt tu Schmerz, ist gleich der Luft, die Schicksal kehrt iu Schmerz. - Im Städtcheu war thriluehmende Aufregung, al« sich Arno am Sonnabend »ach der Andacht, von de» Gemeinde - Mitgliedern verabschiedete. E« war »ur Eine Stimme: ihm würde Segeu folgen, um seiner frommen Eller« uud Berwaudien willen. Den alten Rabbi besuchte er» ihm nochmal« für die Trostworte am Grabe seine« Bater« dankend. Dieser cheilte ihm mit, daß er die von Arno erhaltene Summe für die Armenkassen beider Loufesfiouru, wie vou dem Geber festgesetzt, vertheill habe. Er entließ ihn mit seinem Segen und den Worten: »Unser Gott sei mit Dir f Beglücke ihn Allvater nach dem Maaße der Tage, da Du ihn betrübtest, uud der Jahre, wo er Uuglück sahl- Arno'« Ktzter Gong war nach »dem guten Ott-, dem Versöhnlich so benannten BearäbniLplatze. dem Friedhöfe, wo aller Haß, alle Begierde schweigt, wo Schön und Häßlich, Arm und Reich, Geliebte« und Ungeliebte« in ewige Ruhe verseokt ist. Nur wa« der an de« Grabe Trauernd« empfindet, giebt Zeugniß von dem Werth« de« Gewesene«; dott erwacht noch belebender Hauch für unser» Lebensweg. Nicht nur chre Tugenden, selbst ihre Jrtthümer belehren uu«, im rastlosen User dem Guten nachzustrrben und da« Leben mit Würde zu trage». Der Geist der Geliebten schwebte über den Gräbern zu Arno »ad erweckte Erinnerungen an Thaten und Watte de« Later«. So saß er sinnend da an de« Leichensteine, der nur de» Namen de« Dahingeschirdenm trug. Wa« der Tiefbewegte iu diesen Momenten al« verloren beweinte, bringt keine Ewigkeit zurück. Er neigte sich auf den Leichen stein seine« Bater« und »er ihn so gesehen, wußte; daß e« Danketzworte waren, di« seine Lippen flüsterten; er umklammerte den kalten Stein, heiße Throne» .flössen daran nieder und befeuchteten die Ranken einer wilden, blühenden Wind«, welche de» Stein »«spann, er pflückte ein« dieser blühenden Ranke» und legte sie in eine von Esther gearbeitete Brieftasche. Dan» ging er gesackte» Haupte«, aber gehobene» Sinne« dnrch die Pforte, worüber geschrieben stand: »Eingang zur r»t«eu Ruhe". Draußen, nnr wenige Schritte von der PKrtr, trat Arno da« voke, frische Lebe» entgegen. Ein Schülerzug der von seine« Spaziergang« znr ückkehtte, kam «it wehende» Fahnen daher, die keck auf da« volle Haar verschobenen Mützen mit Kränzen von Uchenlaub geschmückt, weithin schallten di« jugendlichen, frischm Stimme«, al« sie sangm: .Sie sch», ist »er «e«sel der Zeiten. JD Freunde, im wandeknden Jahr, .E» blüht eine gelt uud verwelket, „(Sa» fröhlich di« Erde gebar.- Später ttted ein frischer, froher Hittenknabe sein« munter blökende Heerde vor sich hin, auf seiner Pischzolka *) die Melodie eines polnischen Hittenliede« pfeifend; junge Mädchen pflückten im nahen Weizenfeld« rothen Mohn und Komblumeu, womit sie einander lachend und schäkernd schmückten. Ueberall Lust und Leben und über Alle« stieg die Silbasichel de« Monde« hinauf und Wolkenschäfche» ließen hin und wieder »uf himmelblauem Grunde Sterne hindurchblinken. E« wurde immer stiller und friedlicher um und in Arno, ihm war» al« sänge vie Natur ihren Geschöpfe« da« Schlummerlied: .Da war auch eine Wiege die große Welt um mich, hernieder sende liebend der Weltenvater sich.- So sang ein vorüberwandelnde« Liebespaar Eins da« Andere beglückt anlächelnd. .Da« Leben ist doch schön!- dachte Arno uud eilte in die Stadt zu kommen, um noch ein AbschiedSstündche» im Hause der lieben, treuen Doctv'familie zu genießen, ehe die Kinder schlafen gingm. Aber als er ankam, schliefen sie schon; er wurde von den Eltern auf seinen Wunsch an chre Brtrchen geführt» er küßte saust ihre Stirn und al« er die glücklichen Eltern anblickte, wie chr Blick beseligt auf ihren Lieblingen ruhte, dachte er: .Da« Leben ist doch schön.- .Arno-, sagte Frau Laura, al» sie den mildlächelnden Zug um seinen Mund sah, .da» Leben ist ernst, aber dennoch schön!- — Sie schmiegte sich an ihren Mann und blickte mit glücklichen Augen iu die seinen, die so zättliche Uwiderung strahlten, daß e« der Worte nicht bedurfte, um da» Einverständniß jener Aeußerung zu bestätigen. Alle Drei gingm in da» Gärtchen am Hause, wo sie »ft in letzter Zeit genußreich« Stunden verlebt, die namentlich dem vielgeprüften juugm Manne Trost, Belehrung und Ermunterung gebracht. Auch hmte weckte Dr. Rembraad froh« Hoffnung in dem erwartuagSvollea und doch so unruhig klopfenden Herzen Amo'S, al« er über seine ungrwisie Zukunft sprach. Endlich erhob sich Arno und reichte dm Freunden die Hand. .Hörm Sie, Amo-, sagte der Doktor bewegt, »ich kann e« Jhnm dnrch «ein Leben beweisen, daß man für die sichern Güter de« Ätzen« sein eigener Schmied sei» kan« in dem Sinne, sich rin innere«, unerschütterliche«, erheiwrnde« Dasein zu schaffen. Da« Fuadament ist der Glaube an die BervollkommnungSfShigkrü der menschlichen Natur nach göttlichm Gesetzen; da« Begnügen «nd die Freud« an dm einfachen Genüssen de« Leben«» »it der herzlichsten Theilaahme an dem, wa» um un« her vorgeht und die Unermüdlichkest, «itzuwirk» -) »ttdenpsrtft.