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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 9 (1889) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
9 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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- SS - dxs Mt äutmüthig umb betete Esther m, ete« aber beim» »Wate biefe — vögele» Schwärmerei für Schiller, best» Gedichte srüher als sei, Drama hier (damit waren. Ihre »Gebildete Spreche, der Geschmacklose Vortrag, der lächerliche Pathos brecht» immer die entgegengesetzte Wirkuug der schönst» Verse hervor. Sie wollte ge» auch „(ebUbeterscheinen, wie viele Rresgleicheu es that» »b stch dadurch sicherlich macht««. Sara sagte von ihr: »Wenn stch Jemand ziert mit Etwas, was nicht zu seiner Natur gehört, er will diese bezwing», fie bezwingt ihn; wie Einer, der sei« graue« Haar färbt, wächst es jedoch, so verrith es ihn". vögele hatte Schiller« Gedichte in der ein», und Nüsse, die ste fortwährmd knackte, in der andern Hand, -während fie im Buche blätterte. Endlich fand fie, was fie suchte. »Esther, überhöre «ich-, sagte sie, ihr da« Buch reich»d, und dem Unabweisbaren sich fügend, muhte diese mit kaum unt«rdrü«ktem Lach» zuhöreu, wie vögele im Tonfall des jüdischen Jargon« mit schaudererregendem Pathos den Vers aus der .Kindesmörderindeklamirte: „4°fe'‘, J«scf, auf entfernte Meilen —• Länger vermochte Esther da« Lach» nicht zurückzuhalteu, fie eilte, die vrrdlüsste staunend zurücklafseud. in das Haus. .Bei solchem Unglück soll mau lachen?- rief die Nüssekuack»de ihr nach, steckte ihr Buch unter den Inn und schleuderte bald getröstet durch die Sasse, wo in all» Häufe» Mittagsruhe, eiae so recht sadbathliche, die Mensch» sanft fesselte. Niemand begegnete der sonderbar» verehierin unsere« Dichter««, die pathetisch weiter deklamirte und Nüsse knackte. (Fortsetzung folgt.) Raffenmisch«»g und Rafie»-Eh«raktere im hewlige« A«de»th«m. L»n Moritz Alsberg. (Schlug.) Wmu wir nunmehr dazu übergehen, gewisse Eigeuthümlichkeit» des Jndenthum« einer Bewachung zu unterziehe«, so lassen, wie wir hier soglich bemerken wollen» die diesbezüglich» n»er» Forschungen Vieles» wa» man bisher für ein specifssch jüdisches Rossmmetkmal hielt, in völlig veränderte« Lichte erscheinen. Erwähnt sei hier zunächst, daß, tt»n man b sher die Bdenner des mosaisch» Glauben« in 2 Abart», näwlich 1. in die spanisch-portugiesischen Juden (Sephardim) und 2 die deutsch-polnischen Juden (Aschkenosim) eingecheilt und denselben gewisse körperliche Unterscheidungsmerkmale beigelegt hat — daß diese Unterscheidung, soweit man damit dm Begriff einer Ber« schiedmheit der körperlichen Organisation uad der Abstam» mung verbindet — (e« wird vielfach angenommen, dass die pottugiesisch-sparischen Jsraliten von Juda, die deutsch-pol» uisch» von Benjamin adstammen) — etner exakte« wiss»- schastlich» Prüfung nicht standzuhalt» vermag. W»u die soeb» erwähnt» beiden Kategorien von Juden da» Hebräische iu ivesentlich verschiedener Wesse aussprechen, so beruht dic». wie A. Reubauer bemerkt, keineswegs auf irgend welcher Verschiedenheit der Sprachorgaue, sonde» vielmehr einzig und allein auf dem verschieden» Eharakter der Sprach» jener Böller, unter welch» die Juden leb». Ferner darf, wie bereit« augedeutet, nach d» Ergebniffm neuerer Untersuchung» mit Sicherheit angenommen werd», daß viele körperliche Ejgmthümlichkeit» uad Besonderheit» der Organisation, durch welche stch die modemen Judm von ihr» christlicher Landsleuten unterscheid», keineswegs als Rasseucharaktere im eigmUich» Sinue des Wortes aufzufaff», sondern vielmehr im Wesentlich» auf die soeialeu Ber» hältnssse, auf die ssolirte Stellung, in der sich die Jud» Jahrhuuderte hindurch befunden Hab», und aus dm Druck, der so laugecwi ihn« lastete, zurückzuführm find. Wenn -wir aus bot biblisch» und historisch» Bericht» »tuehm». daß die Judm des Ilterchums unter Fühmng der Makabäer dm Lsshrem wiederholt Niederlagen bereitet und daß dieselbe« selbst den sieggewohnt» römsschen Heer» durch ihre Kriegs» tüchtigkeit sehr viel zu schaff» gemach! Hab» uud weun wir aus den Bericht» der Reisend» ersetz», daß die als Viehzüchter, Ackerbauer uud Handwerker thäii,» Juden von Amt» (Arabien) und Kurdistan durch Körpergröße, einen wohlenlwickelten Brustkost» uad eine kräftige Muskulatur vor ihr» europäischen Glauben«g»offm sich auszeichnen, so bedarf es keines Bewesse«, daß jene im Allgemein» niedrige Statur und der relativ geringe Brustumfang, wie ihn die auf die Untersuchungen Militärpflichtiger sich stützenden stati» stisch» Erhebung» für die heutige jüdische Bevölkerung Deutschlands, Oesterreichs, Rußlands und einiger anderer mropäischer Länder ergeben haben, im Wesentlich» auf die gesundheitlichen Nachtheile des Ghettolebea — dessen Einwirkung» selbst bei den unter günstiger» Verhältnissen lebend» Enkeln und Urmkela der solchen Einflüssen auSgesetz» Juden noch zur Geltung kommt — zurückzuführm sind. Was den letzterwähnten Punkt anlaagt, so genügt es, an die alle« sanitär» Borschristen Hohn sprechende Bk» schasstuheit der alt» Judenquartiere zu erinnern so z. Bau die Thassache, daß in dem Judmviertel vou Prag 1786 durchschnittlich 29- bis 30 Personen» 1843 noch 26 bis 21 Personen auf ein kleine« Haus kamen» und daß zu Frankfurt a. M. im Jahre 1811 von d» eine ganz geringe Grund» fläche bedeckmden und zugleich niedrig» Häusern der Juden- »affe ein jedes durchschnittlich 14 Person» beherbergte. Für die kümmerliche Entwicklung, als welche die im Allgemeinen niedrige Statur und der geringe Brustumfang der heutig» Judm DeusschlandS, Oesterreich« und Rußland« aufzufaff» sind, muß allerdings auch bi« zu gewissem Grade der Umstand vetantwortltch gemacht werd», daß die Bekmner des mosasschen Glauben» in dm besagten Ländern verhältmäßig häufig in die Verwandtschaft heirathen. Als eine Folge der Einwirkung sozialer Verhältnisse ist es wohl auch zu detracht». wenn die in verschiedenen mrüpäisch» Länder» angestelltm stollstischen Lrhtbuog» ergeben habe«, daß die Juden durchschnittlich iu jüngerem Lebensalter heirach», als ihre christlich» Mstdürger und daß uneheliche Geburt» uud Selbstmorde bei dmselden außerordenttich viel seltmer vorkommm, als bei dm christlich» Bürge» des aämliche« Staate«. Der größere Kiudersegen der jüdischen Ehm beruht eiuerseitS auf der soed» erwähnt» frühen Berheirathuag, andererseits auf der raltiv gering» Eterblichkett der au« jüdisch» Ehe« her» vorgegangeren Kinder. — Die größere durchschnittliche Lebensdauer der Juden, wie sie für England, Deutschland und Dmtsch^esterreich stallstisch festgestellt wurde, ist keineswegs als eine der jüdisch» Bevölkerung zukommende Raffeneigenthümlichkeit zu betracht»; sie beruht vielmehr im Wesmitichea darauf, daß die Juden de« westlich» Europa'« nur seit» Beschäftigungen stch widmm, welche die Gesuadhett schädig» oder durch Unfälle das Leb» in Gefahr bring». Ein Unterschied zwischen der Lebensdauer der Jud» uud der christliche« Be» völkeruug läßt sich in solch» Lände» nicht nachwessm, wo — Wie z. B. in Golizim und Rußland — die Juden ein erhebliches Kontingent zum Arbeiterstand stellen. Ein» gewiss» Authril an der für Westeuropa uachgewiesenen länger» Lebensdauer der Jud» mag wohl der Umstand Hab», daß Letzere das Bchürfniß zum Genuß geistiger Gettäuke wmiger empfind», als ihre christlich» Mitbürger. Die geringe Sterblichkeit der Wöchnerinnen und der Kinder unter ffiaf Jahr», wie fie für die Mische «evölkeruug «ugsauds uud Dmtfchlauds «achgewiesm ist, erklärt fiä, auf's Ungezwungenste durch die besonder« liebevolle Fürsorge uud Aufmerksamkeit, welche die durch eia» hocheutwtckeltm Familiensinn fich auszeichneud» Gatt» und Väter Mischen Glaube»« ihr» Angehörigm zuwmdett. Diese hochgradige Eutwickeluug des Famütmstuues ist aber ihrerseits wiederum ei» Ergebuiß früherer sozialer Zustände;

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