Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 5 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r Mi. Aüdtfche» Herauegegeben Don Dr. M. Nah «er ta Magdebnrg. An AytntzM»- L Krtehr»»- fir die irrsMs-e f iwiüt. * *!► Inhalt Der I2U Bon Leon Bnxraba, ftberfctt Don 8(Din>6agnn. * tisih. — Kn« Dm Gvrnchschatz M Zolntuk Poetisch " antzaden n»D MUfeOBfnastn. j.) — Der vunderrabbi. — Allerlei für den Famiiien- »1 »einber,. — Mein Drost im Leid. — wächst. (ündefUGter ««chtzr»ck untersagt.) 6i Der Ufa#. Bon Leon Lewanda, übersetzt Don A. L»Din-Lagan. - - - r«r»ch!Mui uttnftu tSihlui.) »Nun, »«»ehrte Richter", begau» Keiler, als er mit sei«» Opfer» vor de« gestrenge» Tribunal stand, »jetzt »ird es «ch klar »erd«», daß e»re Häscher de« Ruspuckens »erth sind, «ie» hadm sie euch bisher gebracht? Lauter Abgerifieue, ZerlTwpte, über welch« zu Gericht zu fitze» geradezu «i« Schemde ist. Da strich« wir nur einige Stuude» durch die Straß« «ud »uu seht, wa« für vursch« wir euch hergedracht Hab«! Hier, weidet euch au ihrem Anblick k" Ei»« Bkick auf die Deltuqumtm werfend, erbleicht« die Mitglieder des Tribunals erst, um gleich darauf heftig z» errbth«: vor ihn« staube» geseukteu Hauptes uud gtternd die siödne' der angrseheastro uud «tuflußreichstm Feuailt« der Stadt; einige vou ihn« entpuppten sich sogar Ms »ah« Vervmndte der Richter selber, kurz, es war eiu Mmndidiffifiüiff ficanbiL „Skffra »schuldigt ihr sie?" frug Red Leiser, der dir Roll« des Präsident« spielte. »verzeih«, Rabbi I" erwiderte der ältere Keiler, schob«, froh lächelnd; ,Jhr müßt mich uicht frag«, »essen mau sie deschuldtai! Eimu M«scheu beschuldige» ist kein große« Kunststück; beschuldig« kanu «an Jeden. Beliebet daher richtiger ja frag«, wobei wir fie erwischt Hab«, dan« »erde ich sofort antworte».' »Ru», wie Du willst", gab Red Leiser uach; .wobei - HM ihr sie „wischt?" »Dies« jung« Mauu hier", begann Keiler, die 8er« drrcher einzeln vorstell«d, .Hab« wir gekriegt, wie er bet «iuer Christi», einer Wäschertu oder dergleich«. tu der Vorstadt grmüthlich zu Mittag speiste." .Lre»d«!'" irua Red Leiser. »Selbstverständlich, daß nicht koscher. Uud diese beiben Lentth«, haben wir au etuem »gut« Ort" angetrvffea. Sie kouut« nicht recht ettvg werd« uud Hab« ihre Uhr« verpfändet." »Ach, Uir freches Volk, Trepha-Arrffrr, Mvrderl" wandtr sich »leb Leiser au dt« lugeschuld^teu. .Wir, schämt ihr «ch uicht, wie, «acht ihr euch ket. Gewiss«, wie.. .1" »Halt, filaddi!" »»terbrach ih» Keiler, »vermahueu fittwt Ihr sie nachher; erst müss« fie abgestraft »erd«!" »Abgeftraft?" sagt« die Richter. »Ohue ihre Elte« »ag« wir «t> «eicht, st« »u bestrafe»." »Ihr wagt es nicht?" frug Keiler zäh»ek»irsch«d. »Warum wa»t Ihr es. Andere, Arme, zu strafe», ohne der« Elte« z» des rag«? Ru», Radboßai, wea» ihr es »tcht wagt, so »az« wir'« — hdrt ihr? — wir wag« «st L«i«l" comnandtrt« er sei» Gefolge. »Laßt uns dies« reich» Sündc-r überleg« uud thu« aufzllbl«, so viel sie Mtttat habe^ A»g' um A»g', Zahn »» gah»!..." Di« Begleiter Keiler'« stürzt« fich auf die jung« Leute, die sich lautlos ihre« Schicksale »»terwerf« wollt«; allein die Semeiudedieaer begannen, fie zu schütze». Es eutstaud eiu Ha»dgem«ge zwtschm d« Dienern uud der Sippe Keile?«. Die Richter, welche uicht wußten, was fie tu diese« Fall« thuu sollten, hielt« es für da« Beste, das Lahalftüdel ganz zu verlassen. Die Schlägerei vergib ßerte fich »U jeder Mtmu«. Tische uud Bäuk« »urd« umgeworf«, Ftnsterscheiden zerschlag«; die Elte« der sündhaft« Jünglinge eilt« herbei uud — die Schlägerei wurde uicht gertuger; viele Gesichter war« zerkratzt »ud blutig; au« dem off«« F«ster des Lahalftübels flog« Mütz«, Käppchen. Gürtel. Pantoffeln and Büschel vo» ausgertffäwu Peies; Meyer Plötze schrie Hurrah l »ud arbeitete mit sei»« Fällst«, daß es nur so eine Lust war: er befaud fich i« seinem Element. Die allgemetue Verwirrung beuutzeud, rettet« fich die jung« 8«te unter de« Schutz« ihrer Elter» durch dr« Flucht; allein d>« Schlägerei wurd« dadurch nicht uuterbroch«. Desjatski's wurden herbetgerufeu, ade« awch fie erhielt« ihren Theil an Hiebe». Endlich wurde die wirklich« Polizei geholt, d. h. virrrelmspeetoreo und Stadtthetlaufsrher. Diese kam« auf d« glücklich« Einfall, die Feuerspritze mit fich zu »rhmeu. »ud »ur Dank der Thätigkeit dieser letzte« gelang es «blich, di« Schlägerei ntederzuhalteu: die Kämpfenden mußt« de« »Einfluß" des katte Strahls «eich« und hörten auf, einander zu stoß«. Alle, welche i« Kahalstiibel gesund« ward«, ließ «au auf das Potizesamt dringen, allwo fie auch üd.'rnachtet«. A« folgeud« Tage aber wurde» Alle frei gelaff«, was die Gemetude gegen hundert Rudel kostete, da es ihr nicht lieb sei« konnte, daß aus einer Schlägerei i» der Gemeinde eine förmlich« Verhandlung gemacht würde. Und au demf«Iben Tage wurde das Gemettidetrtdunal auf Anordnung der G'wtr« geschloffen. Die Jag» auf Sünder wurde »ulerbrochm; das Gerede über d« Messias verstummte und die Stadt hatte fich eiuigermaß« ernüchtert, beruhigt. * * Der Zufall wollt« es Hab«, daß just au dem anberaumt« Fasttage die Obrigkeit die Publikation des Ukases «ordnet». Während des Frühgottesdiruftes ging »er viertelureifter ott seine» Schriftführer von Synagoge zu Synagoge und verlas «tt lantrr Stimm« »ud dem abchtgm Aplomb jede Phrase des allerhöchst« Befehl«, wobei er sich jede Minute »«blickte, um den Eindruck, d« seine Vorlesung auf di« Zuhörer gemacht, zu ermessen. Ungeachtet dessen, daß der Inhalt de« Aases sch« All« längst bekauut war, erschütterte die feierliche Verlesung dessrlb« mit der uuheilverküudrad« polizeilich« Jntouation di« Mtaster Jude» bis tu di, Tief« ihrer Seele. Jedes Wort de« vterteltuejster« fuhr wie «in Se»l«lchlag auf dt« Zuhörer nieder. Alle stand« »tt angehalteue« Athem und schlotteruden Kate« da; Biele fiel« fast tu Otzumacht, und erst da« nach der Verlesung des Aases wieder ausgenommen« Gebet beruhige eiu wenig dttieferregt« Gemüthrr. «a diseml