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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 19. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 19.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 144 \ befieü bürgerlich«, Zustande« sich erfreu«,. Da» 8«halte» kt Jubo» gtgra Nichtjuden ift darum völlig gleich de« gegen Juden; nur di« GMtesvembru», ist verschieden.- Kl bleibt mir noch di« letzt« und fchwersir Anklage zu eulkrilstige». Man sagt: der Talmud lehr« Umftnrzlehre», die de» Bliotsgesetze» «utgege» find, und hieran« folgert «a», di« Jade» seien eine Erfahr für dir Gesellschaft, eia« Bedrohung de« öffentliche» Frieden». Nicht» ist salfcker -l« die«. Alle Schriftsteller, »elchr diese» Thema behandeln, belehreu »»«, baß »ach dem Talmud der Grundsatz gilt: ,Da» Staat»,esetz ist Gesetz.- Da» gilt für de» Fall, daß, wen» Religion», und Staat!» gefetz collidiren, da» «strr« de« letzten zu «eichen habe. I« Fall« eine« Kriege», eia« Epidemie, e>ne« allgemeinen Unglücke», wo e« sich um die B«»heidigung de« Baterlande» handle, od« um di« Hülfe gegen de» Nebcnmenschen, gilt der Grundsatz, daß man, um sein« Pflicht zu erfüll«», roa jed« religiSlen Borschrist befrest sei. Vena Sie den Kalechiemu» durchgehen, finde» St« dies« Gruadsltz« der Jugrud einaevriat: »Staat und Bürger. »SÄ. Hnxheimer. Da» Laad, worin wir geboren find, da» uu» «l» seine Angehörigen schützt, »thrt an» lehrt, ist unser Baterland und e» zu lieben ist Gebot uns,rer Religio» und >0«dürs,iß de» Hrrzeu». 8»S. Wie fich unser« Lieb« zu jedem einzelne» Mensche» darin Süßer» soll, daß wft sein Wohl befördern, so fast sich auch unser« Liede zu unserem Vaterland« dadurch zeizen, daß wir zu dessen Wohl mit allen unser» Kräften beitrage». »SS. Insbesondere solle» wir daher 1. di« Lradelgefrtze treu befolgr», dem Baterland« unser« Kräfte und Geschicklichkeiten widme» u,d e« mir Gut und Blut veNheidizrn. «4^. 2. Unstrer Obrigkeit (durch welche Gesetz und Richt, Sicherheit, Ordnung und Wohlfahrt im Lande »oftecht «hafte» werden) usb flkftocft» Ml. 8. Dem Bat« de» Baterland,«, dem Regen'e» (d« burch Gotte« Sille» Oberhanpl de» Staat«» ist) Ghrerbinnng, Gehorsam, Treue und Anhänalichftit bewetftn und für sei» Sohl bete». 842. D« Gedanke, daß wir, di« Bekenn« d« jüdische» Religio» durch de» Allvater« und uaftr« Fürste» Gnade nicht «ehr wie »nsere Borfahre» in Druck und Schmach uaftr Leb«, versrufzrn müssen, so»der» «grftört in »ns« Glauben»- und Gewtff«n»srech«tt und ungekränft in uaftrm Mensche», und Bürgerrecht de» Leben» froh werbe». — Dtrftr Gedanke schon muß uu« zu noch größerer vegeist«uog für die Pflicht«» gege» da« Baterlrn» erfülle». Dleftr Gegenstand ist »nch t» de» Serke: »Samuel Hirsch, Dft Religtonspbilosvpbft d« Jade»-, welche» ich dt» Art« beifüg«, be« daadeft. Sei,« 888, Aamerknug: »De« Juden ist «Ko Stmftigchetz Gotftsgrfrtz. Warum? Seil der Staat «i»e gisttftche A»stell, von Go« gebot«, ist. Alle«, wa» d« Staat in seinem Inter efft vom J^e» fordert, muß dies« »«möge sein« Religio, leiste». Jede» spertell jüdisch» Gefttz »aß vor de« Staatdgesetz weich«; dem» diese« ist da» allgemeine g»ttlich« Gebot. je»e« da» weciellel Dt« Allgemei« muß dem Sverftlle» voran stehen. Sobald ab« d« Staat, nicht in seinem Interesse, sonder, um dft Msche «eltgio» z» tränke», vom J»d«» dft Berleucmnuz sei»« Leremonien sordert, so hanoev d« Staat nicht »ehr «l» Staat, sonder» al» Partei. CU gilt da», da» ander« Gebot für de» Jude», sei» Lebe» selbst für dft gering«, ih» al« Jude» ke,Milch machend« Auszeichnung d« Kleidertracht zu waze».- Jch Hab« von d« Lollisiou de» Religimisgefrtz«« mft dem Staat«, gesetz« gesprochen- E» ist ja «wiese», daß, we»a d« Staat dnrch seine allgemein« Gesetzgebung willkürlich i» da» religiös« Gebiet übergrrift, dir Sidtrstano seilen» d« Reliaion»ge«e>»de begreiflich mte zu rat« schuldtgr» wäre. Da« find, «, H., wem« «rwägungen, die ich t» Bezug aus diese» Gegenstand Ihne» zu vnft,breite» für nöthig erachte. Prüftu wir de»mach, ob dft vaöffentlichft» angekiagtcn Artikel »nter dft Anwead»»» de» Gesetze» falle». Herr Beck hat die ixrna Läaa seine» Slftnte» angernfen, der fich daraus beschränkte, dft fragliche» Artikel wftd« abgedruckt zu habe». Dies« L»tschnldigung«gru»» trifft nicht ffi. Der Reprobuelor ist ebenso strefdar, al» d« Amor, « begeht da» gleiche Unrecht und delhal» trefft da« Gesetz de» einen wie de» and«». Ohne dt« Thäterschast de» Angeklagte» wäre» dft Artikel »iemal» bet «»» gelesen worden. tt» ift richtig daß dft Fortsetzung d« Artitel untnbroche» wurde, ab« ich muß doch bemerken, daß dft bereit« ««öffeutlichte» der Art waren, daß sie die J»r,«lsten tu Mißkredit bringe» konnten u»d nach dieser Seite hin auch von dem Angeklagte« rin« willkommen« Aufnahme fanden. Neulich war in Bretzla» ein RabbinatleanLidnr Gegenstand «iwer Anklage «ege» eine« Angriffe» aus dft Stillichkett u»d Wege» Körperverletzung. Liese Angelegenheit, welche nur ein, untergeordnete Bedenmng für di« Mehrzahl t« Leser hatte, wurd« im »vort- »ft eingehender Au»führltchkei, »nt« de« Titel ^Indischeswiedergegebe». Da« ist doch unzwetselhast ein« Art Gehässigkeit, ,m dft Zftraelite« «nzufchwürzen. Sa» dft Rechtsfrage, m. H, betrifft, dft Beleidigung de» Lultu« ist offenbar. G» trifft durch«»« nicht zu, wen» ma» sagt: Sft mefttft» nur dft Gelammtheft der Jndtvidnen, dft Raee, mft haben dft Religio» »ich« t» Auge. Da» (tob AMflüchte. dft Sft wohl zu bamhftlen wiffen »erde». Dft Doppelzüngigkeit üb« dies« Punkt ift unmöglich. Der Gegenstand de» Angriffe» find dft vermeiatliche» der jüdische» Re. ligio» »nd dem Talmud zugeschrftbeue» Lehre», und hieraus werde» dft Folgerungen abgeleitet, daß die Jude» aller Berbreche» fähig sind. Ueberbic, i» dft Verbindung de» Talmud«, t» welchem sich diese Umsturztheorie» finde» sollen, so «Kg« und da» eine «ft dem ander« im Geist, de« Volke« so verwachse», daß «au, wer» ma, da» et« arrgreist, «na» auch de» gleichen Sehlag der jüdischen Religion versetz». Der Verfasser der Artikel «eht von der gleiche» Ansicht »u«, de«, er desintrt de» Talmud al» .Religionshandbuch-. Bo» ei rer Reltato» zu behaupte». sie entschuldigt de» Dftbüahl, de» «Hebruch, de« Meineid, da« «ft doch dft allerschvxrff« «eletdigMG, welch« ma» ihr zufügen kau«. Sa» dft Unrichtigkeit der t» de» Ar» tiftl« «mhalteuen Beschuldigungen betrifft, so hoff« ich dieselbe »ach» gewftftn ,» habe», und glaub« ich, daß nach dftser Seift bei uns kein Zweifel mehr obwallet. — Die Bertheidiguvg ruft »och da» Urtheil de» Obergerichte» in dftser Sach« zu ihr«, Gunsten au. Diese grrichtlich« «utscheidung hat nur deshalb da« Eonfistorium «ukgeschloffen, weil t» nicht erwiesen «st, daß da»seld« di« de» Talmud zur Last gelegte» Lchieu billigt «der brKnstigt. Kam» ma» deshalb dwau» schließe«, daß dt« Israelit«» unser«» Lande» durch diese Artikel nicht speeftll angegriffen. find? Ser, wem» »ich» diese» sollft den» gemeint sei»? Und fie sind tu de«, wa» thue» am Theuerstea ist, am schwerste» angegriffen. Ich toftderhoft, der Zweck, dm dies« Artikel verfolgt», ist nicht, um in platonischer Sets« eine Frage der Theologie zu erörtern, »ei,, m. H-, «» stad dft Israeliten gemeint, welch« die Messe» und Mürkft besuchen, dftfe wollte ma» charaktertfire» «nd ge„eu dieselbe» ihr« Mitbürg« anfreize». Ich »erlang« de«halb, ». H., daß es Ihnen gefallen möge, dft Autrl», der Verrheidiaung auf Ltnsctzan, vo, SachverRindigm ab. zulehrwu und lür die ^gemlich« Sache dft Imrch dft Anklage ans. geführte» Strafbestimmung« zur Anwendung j» driu^,.- (Dftsm Auträgea wurde bekanntlich Folge gegeben. Red.) 3«t jüdische» Lehre efrage. (Schluß.) Ich plaidiere gauz entgegea den SuSfährnngen de» College» Lob lenz in seinem Bortrage .die berufliche und social« Stellung de« jüdischen Lehrer»- dafür, daß der jüd. Lehrer nicht nur nicht Schächter und Cantcr, souderu — namentlich tu den Gegenden, wo er hierfür nicht anerkannt wird — anch nicht .Predigersein soll. Da, wo er e» aber doch sein soll, soll er auch mtt allen Ehren und Würden eine» Gastlichen «»«gestattet sein un>« die» nicht in seinem eigenen, sondern namentlich i» Interesse der Gemeinde. Wenn wir die Sache bei Licht« beseht«, handelt «» sich ja doch nur — «ad besonder» in den norddeutschen Gemeinden — um diesen änderen, häufig ganz werthlos«« Rimbu». Dort findet anch der ordnungsmäßig »orgedildete Religioaslehrer als Prediger keine Verwendung, dort verlangt jede kleine Gemeind« für ihren kärglich zugemrssinen Sold schon eine« Doktor und »am er auch zweifelhafter Natur ist, aber .Doktormuß er heißen, sonst wird die Gemeind« nicht genügend rrpräsrntirt. Kann «ich Jemand hierin wider» legen? Saun diese Sucht für die geringste Eatschädignug da» Höchste ohne Zweck »nd Ziel — als» ohne jeglichen Grund — zu beanspruche», anders gedeutet werde«? Was liegt der Gemeinde daran, ob die Jngead regelmäßigen »ad gntea Religionsunterricht erhält, ob in »er Synagoge alles würdevoll und ordnungsmäßig vergeht: Die l-auptsach« ist, daß der betreffende Candidat .Doktorheißt and anch durch schnell« Abgang für die nötige Abwechselung sorg». Ja. diese Zustände haben nicht am allerwenigst« tu vielen Gemeinden de» krassen Jndifferentismns, der oft bi» an jüd. AmisemitiSmus heraureicht, verschuldet! Sollte nicht de« Gemnadea ei« rite gebildeter imd seßhafter Religion«, lrhrrr genehmer sein al« Prediger und auch überall berechtigter hierzu erscheine», wie ein nicht»rite studierter oder vlellacht gar rite vorgebildeter Rabbiner oder Doktor, der bei der ersten besten Gelegenheit ihr de« Rücke» kehrt? Rur große Gemeinden, die eine entsprechende social« und pecunilr, Stellung zu biete» vermöge», sollte« sich de« Genusses eims Geistlichen ersten Grade», eines Rabbiners in «nsere» Sinne, erfreue». Dir» nur beiläufig zur siSiderlegung gegentheiliger Ansichten, die jede» tieferen Untergrund«» entbehre». Hier soll hauptsächlich davon die Red« sei», daß unsere Lehrer»

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