Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 9 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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$.t<u-fgtgtbrii von Dr. M. Ma|wnr in Magdeburg. z« litniittni l Ktlehnms fir Hit israetiüsch!' fmk. Ech- Inhalt Der Rabbi »ab di» Pan'«. KuUurhtßarisch« ArzShlunz au» dem XVII. Jahrhundert NoL dem Rassischen van >. Letzi n »Sagau. . (Fortlesung.) — Di« Alliaalce-Schule in Jerusalem. — »lein, jül»ische Sharaclerzüge. «tu Purim»«necdale. — >u« dem Sprach. .schas d» Dalmud. Poetisch übertrage» von Max veinbera. — >u» meiner Masve. An di« indissrreni«» Glanbenß» genoffen, von Albert Rasenbau« in Löffel. — RSthscl.Ausgaben und S! tthsel.Lösaagea. Der Rabbi «ad die Pa«'». Knlturhistarische chrzählaa, an« im XTIL Jatzrtznadert. Rach dem Rusflschen van A. Levtn-Vagan. Etat>a» »»«»rlstet« Ueterietz»««.) <>»ch»ruck »ert»l»u,. sq - Senn der rachgierige Fuhrmann in die ärmliche Hütte de» Dorfaeistlichm hinewgrdlickt und zugehört Hütte, wa« dort zur selben Zeit, al» er mit den Bauern so rrdegkwandt sich unterhielt, gesprochen wurde — da« Herz würde ihn, vor Freud« im Leibe gelacht haben; wenn er abr die Ge. sichtßzüge derjenigen, die in der Hütte de» Geistlich'» die Unterhaltung geführt, gemustert hätte — er würde an allen Gliedern erzittert, aus seinen so geschickt in Sz'ne gesetzten Rachevlan verzichtet haben und au» dem Dorfe g>flohen -sein, ohne sich umzublicken Eine Stunde darauf, ol» Zodek am Freitage im Gast, böse anhielt, um die Pferde zu füttern, langt» in deai Dorfe zwei Reiter an. An da» Gasthaus reitend und sich vrrgewissernd, daß die Bude dort Halt gemocht, gaben sic ihren Pferden die Sporn und ritten in da« Innere de« Dorfe« nach der Richtung, wo die baufällige hölzerne Kirche zu sehen war. Die mit der Zeit schief gewordene Kirche stand im Eentrum eine« Plötze«, wo die Bauern de« Dorfe« und der umliegenden Dörfer an Markt, und Sonntagen sich zu versammeln pflegten. — In der Näh« der Kirche befan. den sich uur zwei Dorfgebäuden: — in de» einen Gebäude befand sich die Dorsschenke nebst einem kleinen Btctualienladen. in dem anderen wohnt« der hoch betagte OrtSgristliche. An da« letztere ritten die Reisenden. Ja welcher Wels« sie fich dem Popen irkommondirt haben, ist nicht bekannt, allein sie wurden mit offenen Armen empfangen. Der greise Geistliche wie« ihnen ein besondere« Kämmerchen an. die Pferde wurden in einem Stalle uutergebracht, und die Gäste wurde» bewirthrt mit dem, »a« Gott gegeben. — Die Gäste waren — Bogdan Ehmielnicki und seine EompliceJan Woickowäkl. Letzterer nahm schnell etaige Bissen zn sich und ging daun in da« Gasthau«, um Genauere« zu erfahren, wann und nach welcher Richtung die dort haltende polnische Bude die Weiterreise machen wird. Im Gasthause setzte sich Woickowrki in die dunkelste Ecke und forderte Mrth. Er war sichtlich bemüht, sich zu verbergen, um »icht unverhofft und zur unnchten Zeit mit Zodek zusammen zutrefsen. Doch sein« Befürchtungen waren völlig unbegründet, denn selbst wenn der Zu. fall cha mit Zodek zusammeugrführt hätte, würde dieser den «hemaligm Verwalter Poloeki» in chm nicht wieder erkannt habe». Den» Woickouwki trug jetzt einen langen Backenbart, der fast sein ganze« Gesicht bedeckte; anstatt der ewigen grauen Jappe mit Schnüren trug er jetzt einen Shupar. *) tyie ihn die wohlhabenden Ut ai«er jener Zeiten trugen. Rur die treue Begleiterin seine» Leben« — die schwere Reitpeitsche, di« in chre» lange» Dasein erner zahllos» Mmg« jüdischer und bäuerlicher Rück» tiefe Strieme« schlug, wich wir früher au» seiner Faust nicht. Auch Ehmielnicki hatte seine äußere Hülle geändert. Di« polnisch« Tracht vertauschte er mit einem Kosakenanzug; und in seinem ganzen Aeußern. seiner Rede, seinen Manier» und sogar in der Form seiner Waff» lag soviel Typische», da z Jeder, der auch uur «in stein wenig mit Prototypen der freie!i kühnen Kosackmschast früherer Zeit» bekannt war. beim erst« Blick eia» kriegerischen Saporog«*) vom reinsten Wasser eiüannt Hab» würde. — WickowSkl bewegte sich Freitag währ»d de« ganz» Tage« um da« Gasthaus, um die polnisch« Lud« nicht au« den Augen zu verlieren, versäumte aber auch keine Gelegenheit, sich mit dm vorüt ergehmd» Baue» bekannt zu mach» und freundlich theilnehinend sie auszuhorchm über di« Stim» mung gegen dm Besitzer, besonder» aber grgm desim Stell- Vertreter, dm jüdisch» Rmdar. Und wa« er au« dem Munde der arglosen Bauern vernommen, hatte ihn völlig überzeugt, daß ein Funken der Meuterei und der wilden Rache schon laug« loderte unter der Deck« äußerlicher Ruhe und Ergeben» heit der Bauern und daß der geringste Hauch gmügm würde, diesen Funken in eine Alle« zerstörende Flamme zu verwan. dein. -Und Woickowski blie« dies» Funk» an, so gut die Umstünde r» gestalteten, indem er den Baue» ähnlich« lügenhaft». Erzählungen, wie Zodek. mitihrilte, daß die Kosaken und die Orthodoxen im Allgemeinen überall sich empören gegen die hlrrschende Ordnung, daß sie überall ihr» Will» durchsetzen, die orthodox« Kirche au» der Hand der Katholikm und der Jude» und die orthodoxe Bauernschaft au« der Gewalt der Verwalter und Arrmdotoren zu befrei». Di« süßen Red» de« Schlachtiz macht» einm tief» Eindruck auf die vertrau, »»seligen Bauern, nnd obwohl sie nur schwei« gmd, sich hinter den Ohren kratzend zuhörten, überzeugte sich dennoch WoickowSk, au« ihren finster» koncentrirten Blick», daß zur Realistrung fstne« Plane« nur eia kühner Führer! vöihtig sei. Und auch Ehmiel>rtcki that seine Hände nicht in dm Schooß. Wahrend er den Pep.n und dre ander» Kirchenbeamt» großmüthig bewirthetete, malle er ihn» die Lage der orthodoxen Bauernschaft mit den schwärzest» Farben au« rmd die entwürdigmde Knechtung der ehedem so mhmreichen Kosakenschaft, die o» Stolz de« einfachen orthodox» Meusthen bilde, und leren fabelhafte Heldmthat» heutig» Taget! noch von Pandoien. Schlägern**) besungen würden, da« Volk in Entzück» versetzten. Wie eia Laufs»« hatte da« Gerücht im Dorfe sich »«breitet, da» bei dem Batjuschka uubekimnte edle Kosak» eiugetroffea sei», die von eirre« uubekamr t» Gönn« mtsendet zum Hell de« rechtgläubig» Volt»!», d« rechtgläubig» Kirche. Und gegen Abend strömt« da« klolk tu hell» Heus» nach d« Wohnung de« Pop», «ü dl« theurm Gäste, die «dl« Kosaken mit eigen» Aug» zu schauen. — Und »»ährend die Menge auf de« groß» *) von Sa-Porog -»- „hinter den SatzerffUleadt« Jtofobn warbt« in Saparager und Dan te gertzellr. »am. ». Ueb. *») Paadara--«hrsai ige« mnsikal. Jastrameat in Iklelarutzlanb. An«, d. Ueb. *) Karzer Ueberrock.