Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 45.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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— 372 — Mau entledigte den verletzte» seiner Rüstung, hob ihn aus und trug ihn in da- Zelt dealten Samuel. Dieser und Bianca folgten chm. Luch veppo trat unter daleicht« Zeltdach. Nicht nur da- Gefühl seiner Schuld und der Drang, seinen Fester wieder gut zu mache», sondern auch rin unbegreifliche« Etwa« fesselte ihn auf Schritt und Tritt an diese geheimniß rolle Familie. Lange und vergeblich harrte Beppo'S treuer Knippe seinejungen Herrn. Endlich führte er den ungeduldigen Grauschimmel unter einen nahen Schuppen, um ihn mit Hafer und Stroh zu versorgen. Borfichtig band er da« edle Thier mit dem Halfterst!ick an die «rippe und ging, seine» Gebieter cmizusuchen. Nach langem Hin- und Herwandela — die Juden vermochten ihm keine La«tllnft zu geben, — fand er ihn im Zelt« des Alten. Er war durch eine au«gespannte Leinwand in zwei Hälften getheilt. In der ersten, der Thür grgenüder, saß bei« flackernden Scheine einer Unschlittkerze der Schutzjud« aus einem Feldstuhle, da« ehrwürdige Haupt auf den Lrm gefli tzt. Sei» filbergrauer Bart floß in leichten Wellen bi« in de, Schooß herab. Ec verhielt stch regungslos, wie in tiefe« Mchdeukea versunken. >1« rer Knapp« an ihn heranrrat und nach seinem junge« Graf:» fragt«, deutet« der Alte mit dem Zeigefinger stillschweigend nach dem Hintergrund«. Der Dieuer hob die Leinwand auf und prallte bei dem »nerwartetea Anblick, der ihm zu Theil ward, unwillkürlich zurück. Auf reinlichem Lager au«gtstreckr, lag der verwundete Portugies«. Seine Augen waren offen und betrachteten abwechselnd bald seine schöne Schwester, die seine Rechte gefaßt hielt, bald den jungen Grase», dem er seine Linke überließ. All: Dr«i sprachen kein Wort; desto mehr redeten ihre Blick«. Bc hutsam rückt« Bianca dann und wann den verband zurecht, während veppo für Erneuerung de« kühlenden, in Waffer g.'tauchten Tuches sorgte, welchedem Fiebernden aus di« < Stirn gelegt ward. Man hätte denken sollen, «S wären zwei Geschwister, di« sich in Zärtlichkeit und Liede für ihren kraicken Bruder überboten. Ru» wenn stch die dunkelbraune« nnd blauen Augen begegneten, hielten die eben »och geschäftigen Hände still, wie t» Erftarimug besangen, um sich einen Augenblick später wieder um s » eifriger um den verwundeten zu bemühen. Armer Jüngling, armer Beppo! Dein Gegner ist gerächt. Di« Schwester schlug Dir eine tiefere Wund«, al« Du ihrem Bruder gstchlagen! Nun sich, ob Dir Genesung wird! Ehrerbietig zog sich der Knappe zurück. Mau hatte ihn nicht bemerkt, und so wie er seinen Herrn kannte, fühlte er, daß seine Gegenwart hier vollkommen überflüssig sei. Er kehrte zu« Schuppen zurück und brachte die Nacht im Bereiiu mit lustigen Kumpanen bei Würfel und Becher« klänge zu In der Arena aber gingen die Wachen mit geschulterter Hellelmrde schweigend auf »ad ab, so wie wir sie bei unserer Ankunft im jüdische» Lager getroffen hatten. E« war eine geräuschvolle Nacht. Am tiefschwarzeu Firmameitt leuchtete» die Milliarden von Sternen und oerdreitrteu ei» fahlblaue« Licht über da« Lager der Kinder Israel«. fljenn mau da» Auge über den offenen Wiejeuplan schweifen ließ, der sich, so weit der Blick reichte, bi« an den fernen Horizont ansdehnte und nur am Saalufer durch den Berg von Wrißenfol« unterbrochen ward, so mochte man der Loiffelluug Raum geben, man sehe hier das Israel auf dem vierzigjährige» Zug durch die Wüste. Unstät, in ewiger Bewegung hin- und herhüpfend, bald veriöfcheud, bald plötzlich wieder austauchend, glichen die zahllosen Lick ter der Hütten ebenso vielen neckischen Irrwischen. »Gemeinletag* und »Turneiwaren mit dem heutigen Tage beendet. Mau rüstete zun, Aufbruch. Allüberall regten sich ikrUj ttx strpedino» der ^Z«r»etitisch«A Sechernschrift- Häadt, di« Kcsien und Kaste» mit de» mügebrachte» od-r hier erkauften Habseligkeiteu vollzupacke» Welch' ein Gewimmel zwischen den Karre» der verschiedensten Eonstruklionen! Bretter knackten, Angeln kreischte«, Deckel klappten, Kette» raffelte», Balken krachte«, dazwischen Rusen und Pfeifen, Brüllen u»d Stampfen, vor Ungeduld und Unbehagen. E« lag wie eine trüb« Ahnung über dem Zeltmeere. Der Borfall de« letzte» Abend«, da« tragisch« End« de« Turuei'S, orrbunden mit der Enthüllung de» von Samuel lang« gehegte» Geheimniffe«, dazu da« beinah« vergebltche Resulo' der Berathunge» — die« alle« zusammenqenommen war nur ’ * geeignet, da« stetige Gefühl der Unsicherheit und Schutzlosigkeit dieser Armen bi« zur peinlichste« Angst z» steigern. ES waren di« Kinder Israel» in der Wüste, ohne Führer Der Einzige, der bisher ihr Rose«, chr Patriarch und ~ Feldherr gewesen, der alte Samuel, saß still i» seinem Zelte, jetzt, wo er den Rathlosen am allernvthigsten war. Ich», der nie mit seiner Hülfe, mit Rath und Thai gegeizt, der fast wie eine zweite Vorsehung über den Geschicke» seiner Slaube»«brüder waltete, ihn, den Alloerehrten, drückt« jetzt tiefer Kummer, er drohte den Schlägen de« Schicksal« zu unterliegen. Doch nein. Er unterligt nicht. Die Eiche beugt sich und krümnil sich wohl unter der Wucht der anstürmeude» Windsbraut, aber sie erhebt sich wieder, wenn der erste Anprall vorüber, stolz und selbstbewußt, wie je zuvor. Auf seinen Stad gestützt, schreitet der Alte durch die Reihen seiner Landsleute. Schon feine bloße Erscheinung weckt neue Zuversicht. Einzelnen Rabbtnen nnd Aeltefte» gtebt er noch letzte Weisungen. Man hatte eine Deputation an den König Wenzel beschloffen, um an den Stufen de« kaiserlichen Throne« die Wünsche der schwergeprüfte» Söhne Abraham« niederzulegrn. Auch fie wollten ia den allgemeinen Landfrieden einbegriffen sein nnd vom Kaiser einen allgemeingültigr», durch die Gauen de« ganzen heilige« Römischen Reiche« Kraft habenden Schutz- und Geleitdrief erwirken, für deffen Gewährung sie sehr gerne Opfer zu bringen bereit waren. Weiter gingen chre vorläufigen Ansprüche nicht Männer, wie Samuel, begriffen, daß fie selbst mit diesem Wenigen fast schier Unmögliche« forderten, daß «an aber da« Größer« verlangen müffe, um das Kleinere desto sicherer zu erhalten. Uno diese« Kleinste war eben eine gelinder« Praxi« in der Behandlung der Aiden, die Anerkennung de« Grundsätze«, daß auch diese bisher für oogelftei gehaltenen Paria« der menschlichen Gesellschaft eine gewiffe Summe von Menschenrechten besitzen solltcn, die ihnen kein Fürst, kein Gewaltiger der Erde nehmen dürfe. Nicht außerhalb der menschlichen Gesellschaft, de« staatlichen Verbände« stehen, da» wollten, da« oerlangt«« chre gewecktesten Geister. Dahin strebten sie unablässig, ohne sich durch vergeblich« Schritte von der Lerfolgung - chre« Ziele« adschrecken zu laffen. (Fortsetzung folgt.) Aokschan, Korts. ». Krif«ftr. im Nächster Kr.; ederns» der st«tist. Bericht au« JerusNte». Woche»- Hovbr. 1876. CktMkwia. 5636. JUtatet. DmaerSt», .. 11 13 FeritNß .... 12 14 «remmaben» . 13 16 m Srndti . . . 14 16 •trat*« .... 16 17 Dienst«, . . . 16 18 9Htta«t ... 17 19 *) SabbathauSg,«- («ich Berti»): 4 0. Kl M. DC* Hterz» dt« Jnferatem-Bettezge.