Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 25.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 25.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Beilage zur Israelitischen Wochenschrift. -kr. 28 Magdeburg, den 18. Juni 1874. S. Jahrgang. Feuilleton. JLdifche» au» Auerbach'» „Waldfried." von vr. L. >. ES ist nicht müßige Neugier, wenn man bei einer so hervorragenden Leistung, einem in gutem Sinne klassischen Buch«, wie es der neueste Roman unseres berühmten StammeSgenossen ist, auch die Frage stellt: Wie kommen die Juden, wie kommt das Judenthum in chm zur Geltung? Vielmehr muß Jeder, der ein Bewußtsein von der in mancher Beziehung noch abgesonderten und doch wieder in allen großen Bestrebungen der Gesammtheit ausgehenden Stellung der modernen Juden hat. ein Jnteresie haben, zu erfahren, welchen Platz oder welches Plätzchen ein jüdischer Autor seinen Brüdern und Schwestern eingeräumt hat, als er beabsichtigte, ein vollstäildigeS Bild der jüngsten politischen und geistigen Entwickelung Deutschlands zu entwerfen. Zwar hat sich Auerbach fest seinen ersten auf jüdischem Boden geernteten Lorbeeren („Spinoza", „Dichter und Kaufmann") immer weiter von diesem Boden entfernt. Weder konnten die Helden seiner Dorfgeschichten dem jüdischen Stamme angehören, noch vertrug es sich mit seiner spinozistischen Weltanschauung, der positiven Gestaltung deS Judenthums in seinen poetischen Schöpfungen nähere Aufmerksamkeit zu schenken. Indessen vermag auch das Genie es nicht, den Zusammenhang mit den Wurzeln feiner ersten Bildung uud Kraftentsaltung ganz zu zerreißen, und diese Wurzeln ruhen für Auerbach zum Theile auch in dem vom Judenthum gezeüigten Geistes- und Gemüthsleben. Ein näheres Studium und schärfere Betrachtung der Produktionen dieses Schriftstellers könnte nach manchen Seiten hin darthun, wie sehr dieselben von jüdischen Einflüssen durchdrungen sind und wie so manches Goldkörnchen in ihnen auf semitische Erzadern als Heimath hinweist. — Doch hier fei es uns blos gestattet, aus der „vaterländischen Familiengeschichte," wie Auerbach sein neuestes Werk nennt, das hervorzuheben, wa» den jüdischen Leser besonders interessiren und anmuthen dürfte. Und da können wir füglich mit dieser Titeldezeichnung selbst beginnen, weil bei ihr, wie eS scheint, dem Autor eine Bemerkung vorschwebte, welche einer seiner Helden über das alte Testament machte. „Im alten Testament, als Eleschichte eines BolkSthumS, ist ständig dar Fami lienleben in Aktion, und überflüssige Figuren, die nichts lehren, sind dabei nicht vergessen. Ja, ich niöchte es typisch finden. MoseS hatte einen Bruder und eine Schwester, die ebenfalls von Bedeutung sind.! Jesu« dagegen u. s. w." (I, 267) — Paßt diese Charakteristik 1 Jjn meinem Verlag« erschien soeben: DTIBtt pno Hebräische Sprachlehre mit praktischen Aufgaben jum gebrauch» kta Unterrichte in kn hebräischen Ehrnche Bon A. Al. AapDei, Lehrer an der llnterrichteanstalt der i«r. Religiontgrsellschaft tu Frankfurt a. M. Erst« «vtheilteng. {Dritte »rrbefferte Aokige. Preis gebunden 18 Silbergroschen. Dieses Buch, welcher zugleich die Vorzüge einer Sprachlehre uud eines UebungSbuche» in sich vereinigt und von der Kritik mit dem größten Beifalle ausgenommen worden ist,. hat in vielen der biblischen GeschichtSdarstellung nicht auch auf di« Auerbach'», der ja auch die Geschichte des deutschen BolkSthumS i.n den Nahmen einer „Familiengeschichte" einsügt. Nun vom Tftel zu den Personell. Ein Geschwisterpaar ist eS, welche« da« jüdische Element vertritt, da« zwar in tbenso achtungSwerther, als vielfach zutreffend gezeichneter Weise; der RähtSanwalt Ossenheim und feine Schwestir Annette. Erster« ist untn den kränkenden, ab« auch stälilenden Einwirkungen des christlich-germanischen Judenhass«», nie ihn die erste Hälfte diese« Jahrhundert« gekannt hat, heranc.ewachsen. Waldfried kann sich nicht enthalten, Folgendes in seinem Tagebuch anzumerken, als ihn Ossenheim« fein Leben «zähl»: „Als mir O. die Kränkungm, die « in den Schulen eissahren und die H«bheiten und schroffen Ablehnungen seines später« Lebens erzählte, da war mir'», als müßte ich ihn «n Verzeihung bitten für all da« Elend und all' die Lieblosigkeit, die wir an ihm und uns«e Vorfahren an den seinen w» zu Schulden kommen ließen. Diejenigen, die sich Bekenner der Religion der Liebe nannten, wurden weit überragt von d« Liebestraft der«, die ausgestoßen und verhöhnt sich verbittern ließen. Da leben wir ein ganzes Menschenleben und wisse« nichts von den innern Regungen vieler uns«« nächsten Zeitgenossen." Waldfried berichtet weit«: „Off. sprach reit großer Schärfe über einen zur Prunksucht verleitenden Trub nach An«kennung, d« viele Juden unbürgerlich und amnaßlich «icheinen läßt. Er erklärt dies freilich aus d« Röthigung, dem Borurthelle gegenüber imm«dar seine Bildungsstufe zu erweisen, und war frei genug, sogar das früh«e stiehaben seiner Schwester als Beispiel hierfür anzuführen." — „Off. erzählte mir, wie es ihn beglückt habe, daß sein Sohn — derselbe war in den ersten Kämpfen des jüngstm Kriege» gefallen — nur wenig mehr von dem Widerstreit d« Ernfesstonen erfahren habe, und g«ade daß « ohne Bedrückmig frei ausgewachsen sei, habe chm einen Frohmuth gegeben, dm derjenigc, der sich erst frei mache, nie gewinne." „Ich beklage meinen Sohn nicht, « hat den schönsten Lebensinhalt gewonnen und es ist gleich, ob der Mensch 17 od« 70 Jahre ait wird. 'Niemand lebt ihm selber und Niemand stirbt ihm selber, sagte d« Apostel, und da» ist wahr. Ich verstehe es auch so in kleinerem Sinne: „Jeder stirbt nur seinen Angehörigen und Hinterlassenen." Zu diesen Worten Offenlieim'S bemerkt Wachfried: „Mir war es neu, einen Mann von den heiligen Lehren vurchaus nur als Weisheitslehren reden zu hören, und ich habe von da an noch mehrfach erfahren, die zebildeten Juden sind nicht sowohl Juden als vielmehr Richtck-risten." (HI, 84 ff.) (Forts, folgt.). Bei Einführung in Schulen, resp. Parthieabnahme bin gerne bereit, besondere Vergünstigungen zn gewähren, uud wolle man sich zu diesem Behuf« gefl. direcl an mich wenden Frankfurt a./M 1. ftauffflwtitii. In meinem Penfionatfür Mädchen, welches feit 15 Jahren besteht, und sich des besten Ruse« zu erfreuen hat, finde« zu jeder Zeit neue Zöglinge liebevolle Aufnahme, körperliche und geistige Pflege. Aranztska Eliaso«, Breslau, Salvator-Platz 5. 2. Etage. Schulen Eingang gefunden und ist für viele Lehrer ein unentbehrliche» nnd bewährte« Hülfsmittel kür den Unterricht in der hebräischen Sprache geworden. Daß im Laufe von 3 Jahren eine neue Auflage (die dritte) nöthig geworden ist. macht jede weitere Empfehlung überflüssig. — Da« Buch hat dadurch eine gewiß willkommene Erweiterung erfahren, daß auch diese erste Ablheilung die EonjugationStabellen der unregelmäßigen Zeitwörter, soinit ein vollständiges „L,uach H a p o a1 i m" enthält Da» dem Buche angehängte Vokabularium zum ersten Buch Mose» ist in dieser neuen Auflage zur Erleichterung des Unterrichts übersichtlich nach den Perii eopen geordnet. >