Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 8. - 1874. - 5- Jahrgang. Wochen-Schrifl für die reltziöseu und sorialm Jutereüseu deS Judeuthuuls. «chnvl.,-»/ SOf*. «rctf Md. .«». «imtauM.1 *»•/., Sfr. ckrttO HM. M Um «•Htattra n. SntMnnMnnfrn. •mctf flMknfni; hi Brntschi»,» 10 9Ürt, »ch Odkmt4 ( 1, * ftrnnirtiil ie Rn«.,n. ■nwrh« lt^DvC i-hrl. ,T#niimrT«iA.. veranooortlicher Redakirur und Herautzede: Rabbiner vr. X. tceaeafels in Stettin. -- Inserat» Mta ah 1 Sfr. sfr dir MfiMM* v-ths-N« *6« km« 9Ukm Mmfiut Sri SMnMnf« IhMt. — Bk tM Smntif ftU M tor S(f<ktUni in •Mfftfwf cht* tressenden fnW» in 6« nf chchin «nnmn NnsnnhW«. | ff kt 11*11 k er J»r. •#dnnf4rl1t t» Magdeburg, 19. Februar. Hb 6» OafkiM: l.liit Rrtifr in SOfiif. StftcttM »rttfelt Dipolitische Parteistellung der Juden. — Bericht«»»» > Deutschland: Frank, tat a. «. Haentnrg. -«IbeHadt. tzttrth. — vesterretch: Wien. Lencherg. — Frankreich: Pari«. — Großdritannien: Pxneon. London. — Holland: «»sterdam. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Petertburg. — Jonisch« Insel». — vermischt« ««» Much richte«: Berlin. Eleve. Ulm. Pest. Pari«. Pari«. Algier. Italien. Ratte: dam. Eonstantinopel. Lalcutta. Toowlxmita. — fcstKct»«: Meier Hirsch Manteusfel« Vorgänger in Frankfurt ». 18. — 9MttUt»t Da« chotte«-nu«. Kn di« Sartenlaub«. — Jmseeat«. Die politisch« Porteistellung der Jude«. Tin Ueberklick über die Parteistellung der in den deutsche» Reichstag gewählten Juden bringt un» einen Artikel in Erinnerung, welchen die Londoner »Pall Mall Gazette" zu Anfang diese« Jahre« unti r der Ueberschrift uocl?olitio»^ gebracht hat. Nicht al« ob dieser Artikel irgend etwa« Reue« oder auch nur vemerkenswerthe» enthalten hätte, im Gegentheil, er zeugt von einer insularen Beschränktheit de« flicke«, der dt« verhält»ist« aus dem Tontinent nur durch «du» Rebel hindurch steht, und von großer Unwissenheit. Trotzbem kommt er, geleitet ihm» dem richtigen politischen Instinkt, .de« «an den Engländern zuerkennen muß, zu einem ganz richtige« Resultat. Wir haben nur noch zu bevlerken, daß R« »Pall Mall Gazette" weder speziell an die deutschen Reichstag«-, noch an di« englischen Parlaments-Wahlen, di« zur Zeit «och nicht in Lu»sicht stand««, gedacht hat, st« spricht ga»z im Allgemeinen Der Artikel besagt: ' »Mr. Grant Duff Hot die Behauptung aufgestellt, ein Jude könne, wi« auch immer seine persönlichen Ueberzeugungrn ««d Neigungen beschaffen sein mögen, kein Lonservativer sein, er/Hab« kein Recht dazu. »Di« begabte und merkwürdige Rare, zu der DiSraeli gehört, ist soweit wie möglich davon eatfernt, heutzutage eine eonservativ« Macht in Europa zu sei«; ja ich würde kaum übertreibe«, wenn ich sagen wollte, st« sei ein« der stärksten von den auflösenden straften, die jetzt t» Thätigkeit find." Rr. Grant Duff geht wohl «« dem » priori richtigen Gedanken au«, daß eine seit Ja^hunderlen unterdrückt« Rac« einen Haß gegen die Ord- «u»g der Dinge, unter de, di« Unterdrückung stattgehabt hat, «Mpstnden muß. Juden« hu« und H o ch - Eonservatitmu« paff«« in der That nicht gut zusammen. Aber darau« folgt tckht, daß dt« Juden, nach erlangter Gleichstellung, rin« der stärksten auslüsenden sträfte.find öder sein wüsten, und die Ttzotsachen zeige», daß Ist« leitende» Männer unter den ytrmlittn nicht nur ta unser» Unterhons«, sondern überall, »» solch« zu plstttisch«, Geltung komme« konnten, im- , *r ans Seit« der ^Vrdnmg" gegenüberder»A«slösuug" | und zumeist auf der Seite de« gemäßigte« Liberalitmu« gegenüber dem HaöpEonservatiSmu« gestanden haben. Wir haben noch von keinem Juden gehört, der sich in Verbindung mit der International« ausgezeichnet hätte (?!), aber wir haben Juden als Finanzminister in Rußland (?!) und Frankreich gesehen. 8» befindet sich eine gute Anzahl von J-irae- Uten in der Itter,rischen Umgebung de« Fürsten BiSmarck (?!), und mehrere der besten gemäßigt liberalen Blätter in Deutschland und Oesterreich sind bekannllich im Besitze von Israeliten. Oft sind die politische« Ansichten einer große» i»raelttischen Famllie je nach de« örtlichen politische« Ansichten verschieden. So standen die Frankfurter Rothschlld« bi» zu» End« auf Seit«!x» Deutschen Bundestage», die Neapolitanischem auf der de« Neapolitanischen Hefe«, also in bride« Fällen auf entsch eden konservativer Seite, ohne daß darum der Jtraelit« sich al« Lonservativer nach Art Msraeli'S oder de« Baron Wor»!« zu bezeichnen braucht. I« Ganzen können wir also sagnn, daß der emanzipirte Jude ei« Lonservativer nicht nur sein kann, sonder« es auch oft ist, und daß die jüdisch« Rare nicht zu den »auslösenden straften" gehört." Wir brauche» unser» Leser« die groben Jrrthümer in vorstehender Erörterung nicht an»ei«a«der zu setze«, di« «ingeklammerten Zeiäxn genügen. Di« »Pall Mall Gazette" vergibt Laffalle und starl Marx, hat weder an Joh. Jacobeinerseit«, noch au Stahl — der ja mit ebensovi«. Recht wie DiSraeli zu den Juden gerechnet werden kann — andrerseit«, gedacht, und sieht dafür Juden, wo keine Vorhand«« sind. Wir brauchen hiec ebensowenig zu sagen, daß die »politischen Männer", welche Juden oder von jüdischer Abstammung si«d, ihre Parteistellung gar nicht von ihrem religiösen Glaub e»Sbekenntniß und nur noch in geringem Grade von der polt:tschsocialen Stellung ihrer Glauben«- oder Stamme«gr«offe» abhängig machen. Wenn st« aber in gewiffen Parteien nicht zu finde» find, so liegt da« in der Natur der Dinge. Zur feudalen und christlich-pirtistischr» Partei in Preußen, zur euglisch-hochconserirative« (d. h. zugleich hochkirchltche«), zur ultramontanru, ti. Oesterreich zur feudalen, klerikale« »der ^echische» Parttt ,Ia»x et« Jude nicht gehöre»; Hfichl war,