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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 32.
Article
Beilage zu Nᵒ 32.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mage zur Israelitischen Wochenschrift. 9tr. 39. Magdeburg, den 13. August 1873. 4. Jahrgang. Feuilleton. Unsichtbare Kesiel«. Original-Novelle von I. N. Lichtenberg i» Newpock. (Fortsetzung.) Zitternd wagte sich der Schwarz« in den Bereich der kleinen Hand, und erwartete da» Kommando. „Ist der neue Doctor angenommen worden vom Buchhalter, an Stell« de» verstorbenen?" „Kann nicht sagen. Miß, weiß, nicht, habe Miffu» sagen hSren, keine» Doctor annehmen, bi» Mafia von New-Kork nach Hause kommen." „Warst Du an der Dampfbootmündung, um zu sehen, ob Papa gekommen?" Ich nicht, habe aber zwei Nigger geschickt, nachzusehen. MifiuS hat mich gebraucht i« Hause. Mit Dampfboot war Mafia nicht gekommen." — „Ich sagte Dir doch, Pumpkin», Du solltest selbst gehen," entgegnet« die Schöne und schwang di« kleine Peitsch« verdächtig. Der Neger fing wieder da» Augenverdrehen an und stieß dann plötzlich einen Schmerzentschrei au», oenn die Geißel hatte ihn mit voller Kraft über dem Knie« getroffen, wo sich ein vierfacher schmaler Streif auf der weißen Leinwand abzeichuete. Er hüpfte, da» Knie reibend, auf einem Beine im Zimmer umher, während di« junge Schöne, voll Vergnügen und lächelnd dem Schmerzen-autbruche de» Neger» zusah. ' „Gefällt Dir dies« Peitsche?" fragte da» Mädchen freundlich. „Thueu sehr weh, gnädige Riß, sehr weh, viermal weh," sagt« der Neger in seine« Tan^» lim «haltend, „da» seien nicht alt« goldene Peitsche, da» sei» neue." „Ja," sagt« die Dame gutmüthig, „da» ist eine ganz neue Erfindung, die ich selbst ausgedacht, und ich hoffe, sie wird Euch Niggere» gut zu Statten kommen. Du kannst gehen," setzte sie hinzu, „schicke mir Susan herein." Eie legte die Peitsche wieder auf ihren vorigen Platz, und der Reger eilte mit «inein Sprunge zur Thüre hinau». „Ach," sagte sie zu sich selbst, „wenn man nicht manchmal diese kleinen Aufregungen hätte, würde man vor langer Weile sterben." Jetzt öffnete sich die Thüre wiederum, und ei» beinahe weiße» Mädchen, eine Quadrone, von schlankem Wüchse, ausgezeichneten Körperformen und sehr hübschem Gesichte trat schüchtern ein. Sie hatte ihr Kleid, welche» au» durchsichtigem weißen Stoffe bestand, bi» hoch an da» Rinn zugeknöpft, und tt«g eine schöne rothe Schärpe um die Hütte geschlungen; ihr schwarze» lockige» Haar wurde von einem Netze zusammengehalten. lltqchde« sie dicht bi» vor chre Herrin gekommen, fragte sie leise: „Meine Herrin hat nach mir verlangt?" „Ja, Susanne," sagte die jung« Dame, „ich langweile »>ich, und Du sollst mir die Zeit vertreiben. Nehme Dir da» Taburet und setze Dich hierher." Die Quadrone gehorchte und blickte dann wie anbetend zu ihrer Herrin auf. Die betrachtet«, sie eine Weile und fragte dann: „Susanne, liebst Du mich?" „Ach ja, Herrin, ich liebe Sie, denn Eie sind so schön, o, ft sehr schön, und alle Neger lieben ihre Herren und deren Familie»." - — — —- - „Du sprichst gut," Susanne versetzte die Dame geschmeichelt, Du sprichst beinahe zu gut fAr eine Sklavin, Deine vorige Herrin hat Dich zu gut unterrichtet." „Ja, da» hat sic, und ich war die einzig« Sklavin in Baton Rouge, die lesen und schreiben konnte." - „Wie lang« bist Du. jetzt bei un»?" _ „Zwei Wocben, h ute vor zwei Wochen kaufte mich Ihr Euprrintenxnt iu Bawn Rouge vom Administrator meiner verstorben»^ Herrin." Hier, v.brirte die Stimme der Sklavin, und sie zerdrückt« eine Thräne in ihrem Auge. Da« Auge der Herrin fing an :n' Grünliche zu ftielcn. „Tu kostest mich ein schwere» Stück Geld, o. h. dem Papa, der e» wird zahlen müffen, aber Du gefällst mir. Du bist hübsch und. nicht schwarz, und ich Haffe die ganz Schwarzen, sie haben kein Gefühl (für ihre Leiden)", setzt.: die junge Dame für sich hinzu. „Liebtest Du Deine Herrin sehr?" „Ach ehr, und ich hatte e» so gut bei ihr und bekam nie ein bös:» Wort, sie hatte mich auferzogen." „Hast Du nie Schlägt bekommen?" fragre die Dame lauernd. „Schlüge? Rein, nie, warum hätte mau uiich denn schlagen sollen, ich war gehorsam, willig und versuchte Alle» so gut zu machen, al» e» möglich war." „0, nian kann auch Schläge zum Vergnügen bekommen!" „Zum Vergnügen?" fragte die Quadrone verwundert; „davon habe ich noch nicht gehört." „Ich nieine, zum Vergnügen drrHerrin," erwidere die Dance. Da« c rme Mädchen schlug die Augen auf; al» sie aber in da» graiiamr grünschillernde Auge der Herrin sah, sank ihr da» Herz, und zitternd sah sie zu Boden. Mit grausamer Freude beobachtete ihre Herrin sie und sagte dann „Du hast noch nicht viel mit mir gesprochen, weil Dich die Mama bisher gehabt hat, aber von heute an bist Du meine Zofe, ich kann Dir jedoch versichern, drß ich sehr gern und fast umner nur zum Vergnügen schlcige." Sie sagte da» so liebenswürdig und freundlich, al» hätte sie der armen Sklavin da» Beste versprochen. Dies« faltete di« Hände und sab bittend zu der Grausamen aus: „Herrin, Ihr scherzet," sagte sie dann athemlo». „Nicht in» Geringsten, mein Püppchen," und die Herrin ergriff spielend wieder die Peitsche, die Quadrone sah es und bebte an allen Gliedern. „Ich muß Aufregung haben, und mir macht nicht» so sehr mein :twa» träge» Blut wallen, al» da» Quälen meiner Sklaven," sagte die Dame mit schrecklicher Offenherzigkeit, und zog dabei vie spielend die stählernen Stränge!>er Pestsche durch ihre feinen Finger. Plötzlich blieb ihr Auge auf dem Kleide der Sklavin haften. „Warum trägst Du da» Kleid zugeknöpft bi» zrm Kinne?" fragt« sie barsch. „Die Miffe» gab niir e», und da ich nicht gewöhnt bin, bloßen Halles zu sein, habe ich ncir, mit ihrer Mama Erlaubniß, diese« Kleid verändert." „Meine Sklaven müffen Kleider tragen wie ich rS liebe. Du wirst sogleich eine» der am weiteste« ausgeschnittenen Klrcdrr anlegen, und für die Folge immer tragen. Hörst Du!" „Ja! Herrin," sagte das Mädchen zitternd, und erhob sich schnell. Nach ungefähr zehn Minuten, welche der Herrin eine Stunde gedauert, kehrte die Quadrone ängstlich zurück in einem andcren Kleide, welche» einen prachtoolleit Hal« und «in Paar herrliche Schultern sehen ließ. Sie hatte geweint, wa» die Herrin mit besonderer Genugthuung bemerkte. Beinahe beschämt über diese ihr ungewohnte Kleidung, ließ sie sich ängstlich wieder .auf da» Tabouret nied-tt« während die Dam« immer noch mit der Pritsche spielte. „Du bist lange geblieben," sagt« dies«, und spielend machte sie sich an dem Kleide der Sklavin zu thun, da» sie mit ihren zarten Fingern nach und nach heraddrückt, so daß die Schultern^und Hal» zuletzt ganz entblößt, und da» Kleid bis zur Mitte de» Oberarms herabgezogen war. Bebend und seufzend, jedoch ohne eine Muskel zu rühren, ließ das arnc« Mädchen die Grausame gewähren, um ihren Zorn nicht zu reizen. ..._ _ (Forts, folgt.)

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