Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 52.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 52.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Weilage zur Israelitischen Wochenschrift. |i. S2. Ma^deb! /g^5; December 1872. A. Jahrgang. Feuilleton. (Fortsetzung vom Hauptblatte.) Da wir un> nun einmal im.Wirth-hause aufgehalten haben, so betreten wir jetzt noch ein andere- und zwar ein jüdischein Houstonstreet. Wir Neffen dort unsere gute« Freunde, den Doktor und Bärchen. Sie haben einander zu» fällig da getroffen, d. h. ersterer letzteren; doch auch da« ist nicht ganz richtig. Moritz hat Bärchen dort aufgesucht — er wollte ihn bitten, es zu ermöglichen, daß er al> Arzt in Deermore'I Hause Zutritt erhalt« um — den Kranken seine Dienste zu widmen. Der Leser ist natürlich viel Nüger als Bärchen, aber so ganz dumm ist doch dieser nicht, und so ist e« ihm gelungen, dem geistig so viel höher stehenden Doctor da- Geheimnis; zu entlocken, welche- — unschon keineuirhr ist, daß edem Arzte nicht um den Froschbesttzer zu thun ist, s-ndern daß er i« dessen Tochter verliebt ist. Dieihrer langen Unterredung kurzen Sinn. Der Tag war heiß gewesen; während de- Gesprächs unlerer Freunde war edunkel geworden und der Doctor ersuchte Bärchen, ihn eine Strecke auf dem Nachhausegehen zu begleiten. Sie nahmen eine der schmutzigen Querstraßen, welche in Grandstreet münden und gingen im Gespräche dieser zu, alplötzlich ein Bolkshaufe die Passage sperrte. Alleauf der Straße schien sich hier uin Etwaversaminelt zu haben, daihre Neugierde oder Interesse im höchsten Grade rege machte. Unsere Freunde nollten den Menschenknäuel umgehen, als Lärche» Körte: „Ein Arztl Ist kein Arzt da? Man kailn ihn in eine Apotheke tragen," erwiderte eine andere Stimme. „Nein, sagte der Erstere wieder, der Mann scheint todt zu sein, und wenn ihr nicht in die Zeugenhaft wollt, laßt ihn liegen bis die Polizei kommt." Auf Anrathrn Bärchendrängten stch beide durch die Leute und Moritz sagte: „Hie» ist ein Arzt, waist vorgefallen?" „Ein Mann vermuthlich ermordet, gab man chm zur Antwort." Mittlerweile hatten sich die Freunde durch da- Gedränge gearbeitet und sahen hier eine« mohlgekleideten Mann, de» Gesichte nach ein Jude, an einem Laternenpfahle liegen. Moritz knieete »eben ihn nieder und fühlte den Pul-. Dieser Mann ist nicht todt, sondern schwer verwundet, vermuthlich ein Raubanfall, sagte der Doctor. ' Zn diesem Augenblicke flog der Menschenhaufe instinktmäßig auseinander und vier Männer mit Knitteln in den Hände», deren Bmstschild anAgte^'aß sie zur New-Dorker Polizei gehörten, deren Ha«ptregtz>o/L zu sein scheint, immer — wie die Reue — hintennach zu kommen und dann aber um so brutaler aufzutreten, diese vier Männer näherten stch dem ^Verwundeten, bei welche»» der Doktor und Bärchen knieeten. .Halloh Ihr LoaferS, haben wir Euch endlich einmal? Zhr Spitzbuben!" schrie einer von ihnen mit irischen Accente, und zwei Mann faßten, anstatt nach dem Verwundeten nach dem Rockkragen der beiden Freunde. „Diese stad'S .nicht, Paddy," rief einer auS dem Volk-Haufen, der sich wohlwet-lich auf Greifweite der Siiherhrit-wächter zurückgezogen. „ES ist ein Doktor und sein Freund." „Dann bist Du «S, Hallunkel" schrie Paddy und »achte einen Sprung nah den Leuten, die aber wie Mücken aus» rinanderstoben und dem Polizisten mit Gelächter und Spott» reden zusetzten. Damachte diesen nur noch wüthender, er faßt« den Doktor an den Armen fest, schüttelte ihn derb und schrie ihm eine Masse Fragen in da» Ohr, die dieser jedoch, der Sprache unkur dig selbstverständlich nicht beantwortete. „Paddy my honey!“ rief die Stimme, die de» Polizisten schon in Zorn vesetzt „Paddy wy angar plum! esind ja grüne Dutchmen, Mt Dein herrliches Irisch nicht verstehen, laß sie laufen, Pad' uy sweetheart! laß st« laufen, die habrn'S ja nicht gethan." „Well! wen,, sie e» nicht gethan haben, mögen sie'- beweisen," brüllte Pad, und befahl den anderen drei Polizisten, den Verwundeten aofzuheben und ihn nach dem Station-Hause zu tragen, er seltst faßt« den Doktor und Lärchen beim Genicke fest, sie am Mod? und Westkrageu führend, oder vielmehr vor sich hrrstoßmd, in folgender Ordnung: Di« drei Polizisten mit dem V« rwundeten voran, und Paddy, mit dm beiden Gefangenen in einem Abstand« von ungefähr zehn Schritten hinterher. „Teufel!" schrie plötzlich Paddy, „dibil a bit, halte an da vom! Haltet an! Ein Wunder, bei meiner Mutter "Sdele!" Die Leute hielten an, uyb Paddy A äh eite.-sich ih«m, in seiner Rechten den Doktor fest a»-cktzt«ick^ in -cheineo Hinken aber Bärchens Rock uni? Sstestt hflMplteyh,' jStrchm war daraus verschwunden. „Er ist eiygetrocknet," sagt« Paddy, verwundert, „er ist rein allgtwordeo, wo ist er hin? Sucht ihn Leute, sucht ihn! werft den Todtm so lange hin, todter wird er doch nicht.davon." Die orei Polizisten, legten oder vielmehr warfm den Berwunoeten, k er schrecklich stöhnte auf da« Trottoir, und Riefen nach drei verschiedene» Richtungen davon. Resultatlos xehrtm fie nach einiger Zeit zurück, Bärchm war und blieb verschwunden. Nachdem ine Polizei auf dem Station-Hause angrkommen, wurde Ramm and Stand des Dokterregistrirt und da derselbe entweder nur verkehrte, oder gar keine Antwort geben konnte, wurde er alhöchst verdächtig in «in« Zelle unter dem Gebäude eingeschlofsrn. Der Polizriarzt untersuchte den Verwundetm und erNärte ihn tödtlich verletzt, und zwar wie er glaubte, bei einer Beraubung, da sich nicht- Werthvollean seiner Person vorfand. Die dem Doktor abgenommme Sachm, gaben auch keine nähere Erklärung, da dessen Papiere deutsch abgefaßt wareu ausgenommen das lateinische Diplom, welche- Paddy für eine Abgingskarte der ver-ten Fretmauerer hielt, die nicht an Gott und den Papst glaubm, wie stch Paddy ausdrückte. Der Verwundete wurde dmselbm Abend noch nach dem Stadthosuitale geschafft und die Polizei ruhte auf ihren Lorbeeren. E»d« d«s «irrte« Kapitels.