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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-06-15 · 24 (15.6.1870) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
24 (15.6.1870)
Date
1870-06-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ni 24. —1870. 1. Jahrgang. Wochen-Schrifi für die religiöse« und sorialen Interessen des Jndenthnms. Erscheint jkd«u Mittwoch. Pret» vierteljährlich 20 Mlbergrosche». ftl ht dreispaltige Petitgeile oder deren Rau« l'/e Sgr. Verantwortlicher Reda.^»r und Herai lgeder Rabbiner vr. A. Are««fet* iv Stettin. Breslau, 15. Juni 1870. Zu bejieheu durch alle Buchhandlungen und Postanfialteu. Anserat«». An nag»« 1» »er vchletter^che» Buchhaudluug (H. Mutsch) i» vreslau. Inhalt. Leite»»« Artikel: Die c»uf«sstou»l«se Schule. — Die rassischen Saisea. Feuilleton: Ueber VSra« und Heine. — Benjamin »'Israeli. LSochenllericht. Vericht« nn» Lorrefpondengen: Lentschland: Berlin. Berlin. München, «n» Süddeutschlaad. Oesterreich: Von der unteren Donau. »arlebad. «mertka: Rordamerild. Literarnrl-ericht. vrieskste». Baeauzeu-Lipe. Inserate. Me confesfionrlose Schale. Im Jahre 1868 sollte in Berlin eine neue Volksschule eingerichtet werden, und ell war vorgeschlagen worden, fie zu einer Simultanschule für die protestantische und katholische Jugend de» Stadtviertels zu mach« Der Antrag fiel, «eil, wie man behauptete, die Knaben der beiden Coufeffionen sich nicht vertragen und daher besser in zwei verschiedene Schulen gebracht würdm. Kana man sich etwa» Naivere» denken? Also die Knaben werde» einander in die Haare gerathm, dämm laßt sie nicht zustauaea kNntmenk llkber dann chürf« die betreffeull« 'zwei Schulgebäude auch nicht zu nahe bei einander erbarit werden, denn sonst werden die Kämpfe vom Schulhof« auf die Straße verlegt. Und die rauflustigen Rangen werden heranwachsea und dann in der Werkstatt, oder wo sonst, neben einander arbeiten und sich beweg« — wa» dann? Also Alle» confesfiouell getrmnt: katholische und protestanttsche Fabriken, Börsm, Werkstätten, Acüeugesellschasten, Theater, Tanz- und BerguüzungSlocale, auch Regimenter oder wenigsten» Bataillone und — Zuchthäuser (versteht sich!) u. s. w., wie man ja schon mit Casino», Herbergen u. dgl. ein« hübsche» Anfang gemacht hat. Gewiß werden manche Leute zu diesem Borschlage ein freudige» Amen sagen; fie werden in Allem Trennung und Parität verlangen, jene Parität, die im allen AugSburg durchgeführt war und von Sugmheim in der Einleitung zu seiner Geschichte der Juden so drastisch geschildert ist. Sie werde» Parllät zu gewähren berett sei», nm nicht dm Juden und überhaupt überall da nicht, wo fie eutschiedm die Majorllät besitzen. E» ist gewiß überflüssig, diese Ansicht hier zu bekämpfen. E» ist klar, daß man Hefferte, tral auch bald die kirchliche Reaktion ein und untergmb ha» alte Simultan-Schulwesm überhaupt. In dein erwähnt« Berichte au» Mannheim ist über da» Wesm der confesfionSlosm Schule manche» treffende Wort enthalt«, doch ist noch einige» binzuzufügeu. Zunächst will un» tedünken, daß der Name „konfessionslos" unglücklich gewählt sei, well er zu uaheliegmdem Mißverständniß führt. Die religiöse Idee, oder sagm wir immerhin „die Religion", tritt in Wahrheit doch nur al» bestimmte Confession in die Erscheinung; die Religionen!>aben manche» rmd gewiß da» Wesentlichste gemeinsam, aber km» ei« Individuum mir die» Gemeinsam«, losgelöst von jeder konfessionell« Besonderheit, besitzen? Eine solche allgemeine Rel gion läßt sich ohne Zweifel denken, eonstruiren, aber ist sie vorhanden? Und da diese Frage wohl verneint werdm musi — läßt sie sich darstellen? Kanu ein Individuum, Wirt' man gleichnißweise sagm. weder Franzose, noch Dmtscher, jondem nm „Mmsch" sein? Es kann jemand sehr wohl die allgemeine Humanität überfeine nationale Besonderheit setzm, kann sich möglichst des national« Dünkel» und aller Antipathien entkleiden, aber der „Mmsch" schlechthin und der KoSmopolitiSmu» gehörm doch nicht in da» Gebiet de» wirklich Vorhanden«. Wir wollm hier «r Beantwortung obiger Frag« nicht wetter eingehm, e» genügt mgedeutet zu habm, daß der Satz „-» gtl>t keine Religion ohne Confesfion" 'nicht ohne Wettere» al» hinfällig bezeichnet werdm kann, und Thatfache ist rS ohne Zweifel, daß bi» dato die Religion nur in der Form der Eonfefsion existirt. So muß dmn der Jrrthum sehr nahe liezm, daß man confcfsionSlo» und religionslos verwechselt; ein Jrrchum allerdings, über wozu ihn durch eine übel gewählte Bezeichnung von vom an, hier buchstäblich vom A an, beginn«, also in der j nähren? Puffender dünkt un» schon die in Oesterreich nmerdinz» Elementarschule den Gmnd zum Fried« zwischen dm Mmschm! angmommene: „interkonfessionell". Die» Wort ist nach verschiedmm Glaub«» legm muß. Wie unsere Leser au» dem Berichte au» Mannheim ersehen habe», ist Badm mtt Gründung konfessionsloser Schulm vorgegangm, aber nicht vorangegangen. Da» kleine Herzogthum Nassau hatte sie vom Jahre 1817 an in voller, und im Allgemein« trefflicher Wttksamkett; e» gab dort gesetzlich weder katholische noch protestantische oder jüdische höhere oder niedere Schulm (abgesehm natürlich von dm jüdisch« Religionsschul«), sondem um Simullanschulm. Freilich hatte man im Jahre 1817 auf die damals nur „geduldet«" Juden wmig ausdrückliche Rücksicht genommm, und al» ihre bürgerliche Stellung sich dem bereits eingebürgert« „international" gebildet. Bei dem intemational« Berhältniß bleibt der Engländer und Franzose da», wa» e> ist, mtfleidet sich nicht im Mindest« seiner Rationalttät, hält fie hoch, sucht in und mtt ihr zu glänz«; aber die Nation« ttetm in da» Berhältniß friedlich«, fegmSreichm Berkehr», Bertraz», Wetteifer». Man wende die» auf die Confesfioum an. Doch lassen wir dm Ramm und kommen wir zm Sache. Die konfessionslose Schule soll durchaus nicht religionslos sein. Der Geist der Religion, der Jdealüät, der H umanität — und da» ist, lass« wtt un» nicht irre wach«, immir dasselbe — soll

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