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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-05-05 · N° 19. (5.5.1893) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 19. (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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— 74 Forscher die Befriedigung, nunmehr über den Grund- ׳ stock des g es am m ten Gottesdienstes der vielverfolgten und üher das ganze Erdreich zerstreuten sephardisehen Glaubeiisbriider inf'ormirt zu werden. Denn wahrend die vorhandenen Niederschriften sephar- . discherMusik von Dav. dePina, Caseres, Lidarti, Belinfante, Nanmbonrg, Jonas, de Villers, Bosenstein, Heule, Bauer und Löwit* *), M . . . (Marks?) in der Zeit. d. Judenth. (1838, Nr. ö des liier, u. honiil. Beiblatts) höchstens einen Ueberblick ׳ über die einzelnen Gesänge der in der Levante, im Oiienf, in Holland. England, Frankreich, Deutschland und Oesterreich-Ungarn ansässigen Sephardim und ihrer Zweiggerneindeu jerseit des Oceaus gewähren, begegnen wir hier zum ersten *Male erschöpfenden und zugleich zuverlässigen Aufzeichnungen ihres ganzen musikalischen Bitus. Der Umstand, dass die Po r tugiesen ihren Ritus von dem der Spanier getrennt wissen wollen, so dass man z. B. den sephard. Ritus von Amsterdam mit dem von Constautinopel nicht identifizireu daif — die Spanier nennen ihren Ritus ם:ה; ספרדים, die Portugiesen ימ׳ ספרד) — timt dem Verdienste des Maestro Co n solo durchaus keineu ( Abbruch. Die mühselige und gewissenhafte Arbeit, | die Gesänge dis gsnzen seyihardischen Ritus nach! mün d 1 icher Ueteilieferung niederzuschreiben, konnte i zudem, wenn sie von bleibendem autoritativen Werth sein sollte, nur von einem excellenten .Musiker von dem RilleConsolo’s fertig gestellt werden, der zugleich ein treuer!Sohn und Anhänger des sephardischeu Gemeinwesens ist. — Es braucht 1;autn hiuzugefügt zu werden, dass der dem Werke, wie bereits erwähnt, j zu Grunde liegeude Ritus von Livorno — bekanntj lieh dieMe'ropole der Hephardim Italiens — mit dem j Ritus איטליאני oder לועז nichts gemein hat, wie er | sich von den vielen auderen Riten Italiens — darunter auch dem der eingewauderteu ״ Askenazim“ — durch ן strenge Hütung der überkommenen Traditionen nur I vortheilhalt aldielit. Sehr zu wünschen wäre es־, weuu sich jetzt auch eine Kraft finden Hesse, die de:1 einj heimischen לועו ÜT£ in en.eiu Musikwerke niederj schriebe, woraus erst zu erse.ieu wäre, welcheu Einfluss die löuiische Kiiche auf die Gestaltung des alten j 'מחזור רום Übte. — In welcher Achtung die Muttergemeinde Livorno2) bei den sephardischeu Glaubens- ן genossen stand, beweist 11. a. der Umstand, dass die grössten sephardischeu Gemeiudeu ihre Chachams mit Vorliebe daher bezogen haben. Ich möchte in dieser Beziehung hier nur au den 1(185 in Livorno geborenen Rafael Meldola erinnern, der, nachdem er in der lieimathlicheD Gemeinde auch das Amt eines הזן bekleidet hatte (§ 22 ש־יות מים רכים ,או״ח), i. J. 1712 nach Pisa und 1729 nach Bayonne berufen ward. iteiLe direkten Nachkommen waren bekanntlich später die Rabbiner! der vornehmen londoner sephaidischeu Gemeinde Demselben Rai. Meldola, der später gegen die פיוטים (das. § 80) und das lange!Singen beim öffentlichen Gottesdieust geschrieben hat (das, § 24 ,יומב״ש דנהאי טעמא דיש לנו לקצר בניגינים וב־־,פסקות ונוverdanken wir übrigens auch eine Notiz über die in ■ dem vorliegenden Werke (Nr. 200) mitgeiheilte Haltara vc n טייב in spanischer!Sprache (״Dixo yrmiya u el *) Von mir rezeusirt in Nr. 39, 41—42 d. Jalirg. 1889 d. Bl. ') Aut diesen iemen Unterschied machte mich Herr D. Monteziuos iu Amsterdam aulinerksam, bei welchem ich die sephard. Gelänge vou Caseres, Lidarti etc. copiite. '1 .Schon 1098 finden wir den »pätern Leibarzt der Königin Maria du Medicis, Elias Montalto, iu Lovoruo. (Kayserliiig, Oescii. d. ■1. in Portugal. 8. 274) profeta“ etc.), von welcher er (1. c. § 13) berichtet: כמקצת הקהלות' נוהגים לתרגם בלשון לעז הפטרות של פסח ושל עצרת והלתא דפודענוהא והפטרת של טי באב. •בעיר לדורנו היה המנהג שהשייץ היד, מפטיר בטי כאב ואח" כ הוא כעצמו היה מתרגם כלשון םפרד.נ) Die den טעמים entlehnte .Melodie zu der spanischen ״Aftftra“ (im zweiten Theil Nr. G auch mit Pianoforte- Begleitung) ist aber nur mit den ״Taamitn del^Rut“ (Nr. 445 des Hauptwerkes) in Einklang zu bringen, während die anderen ״Tsamim“ (dellaPara-cia Nr.442, del Nabi No. 413, dell׳ Aftarä Nr. 444) ein ganz anderes Tongeschlecht aufweisen1). Was nun die Anordnung des vorliegenden Werkes und die feinsinnige musikalische Behandlung der im 2. Theil (״Appendie* al Libro dei Canti d’lsraelo“5) bearbeiteter. Melodien fiir Solo und Instrumentalbegleitung betrifft, so dürfen sie als vortrefflich bezeichnet werden. Eine eingehendere Besprechung derselben sowie der Einleitung des Prof. Dav. Castelli und der Zuschriften des Grand Rabb. Zadoc Kahn, des Rabbino maggiore Dr. Margulies, des Herrn T. Montefiore und des Altmeisters Verdi, welche dem Werke vorangeschickt sind, mir für heute versagend, seien hier die Abtheilungen פזמונים (Nr. 80 bis in!), הושענא רכא (Nr. 183—210), ט׳ באב (Nr. 224 bis 207), בליחות לחדש אלול (Nr. 2158—292, 355—38(3) uud סדר טעמים כמנה: ליוורני (Nr. 442—440) besonders hervorgehoben. (Schluss folgt.) Werlheimer, (iiisluv. Die Arithmetik des Elia Misraclii: Ein Beitrag zur Geschichte der Mathematik. 42 Seiten in 4°. (Programm der Realschule der isr. Gemeinde (Phiiantropiu) zu Frankfurt a. M. 1893 ) Elia Misraschi ist als Supercommentator Rischi’s rühmliehst bekanut, dass er jedoch, trotzdem er Oberrablnuer v.t> Konstant nopel gewesen und die Barde seiner Würde schwer empfunden /e t, und Lust besessen, sich eingehend mit 111athemanschen ,Studien zu befassen, zeigt aufs Neue in lichtvoller und ahschliess-nder Weise die vorliegende Arbeit des ••herldhrerc Wertheimer. Dass der Autor Steinschneider’s Arbeit• benutzt liat, erwahnt er s Iber, Wertheimer aber hat die Arbeit erweitert und verlieft uud einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Mathematik geliefert, wotür ihm die Anerkennung der Fachgelebt teu gebührt. d. Liitterarische Notiz. Edioil mi joden. Im vorigen Jahrhundert, war das im״Jüd. FamiUenbl.־ (Nr. Ul u. 17) mitgeth ilte Lied in inehrereu Städten des Münsterlaudes iu Flor. Seit vielen Jahrzehnten ist Borken der einzige Ort in Westfalen, iu welchem es noch heute wählend des Monats Mai vou der christlichen Jugend unter der sogenannten ״Tremse“ gesungen wird. Es ist dieses ein üher die Strasse au einem Seile hängende Krone, aus bunten Läppchen, Papier, Pteifeustielchen, uud Eierschalen, unter welcher di s Jugend um einen illumiuirten Tannenbaum einen Reigentanz autl'ührt, bei welcher Gelegenheit auch das erwähnte Lied mit der Einleitung vor jedem Verso: ״Guter Freund, icli trage dich!•‘ — Bester Freund, was trägst du mich:■׳“ — Sag’ mir, was ist eins, zwei u. s. w.“ gesungen wird. L. Colien-Rees. 5) Vgl. Littbl. d. Or. 1847. <S. 574.) *) Ausser den Sephardim kennen nur noch die litthauisclien Juden tür Ruth eine eigene, auch lür Köheleth und Schir ilaschinm bestimmte Melodie der טצמים , (yg1• שערי רחמים von Katzenelnbogen, Wilna 1871, § lOd), die ich iu Abscbriitea besitze und an einer andern Stelle mitzutheilen gedenke. ■’') Dieser Theil ist schon früher, 1891, zu dem anders lautenden Haupttitel: ״Libro dei Canti d’Israelo, Autichi cante liturgici degl. Ebrei di Spagna, conservati per trad iz ion i della Comunitä isrnelitica di Livorno" erschienen. Vemntwoi 11. Kedai.ieur Dr 1. al, ui er, Magdeburg. Druck : lieud 1X & 11 uhn. Magdeburg. Verlag: Roh. Friese, Leipzig.

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