Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 11. (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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44 mit Widerwillen. Auch wird das Verständnis von vornherein hierdurch beeinträchtigt. loh gebe als Beispiele hier folgende Sätze wieder: ״Im Krater 1 seines Herzens lohte aber ein mächtiges, den Ver-! zweiflungskohlen (sic!)entfachtes Feuer, das fort während ׳ vom Oel des Grams genährt, riesige Säulen glühende! Unmuthslava auswarf, so sehr auch die Fensterscheiben i seines spärlich erwärmten Stübchens mit blassen, thränenreichen Kindern des Frostes überzogen waren.“ ן (S. 110) ״Hungrig verliessen sie allesammt ihre Sitze, | um, allen guten Vorsätzen zum Trotz, bitterem Harm ■ und zehrendem Gram abermals die Pforten ihrer I,ebensuhr zu erschliesseu“. (S. 93.) Einer derartigen schwülstigen Sprache, die an die der zweiten schle• sischen Dichtersehule erinnert, begegnen wir auf jeder Seite. Zum Uebe!fitiss wendet der Verfasser noch einige, nicht allgemein verständliche Provinzialismen an, als: ״entbrechen“ für enthalten, ferner ״gegen den Stechen löoken“ u. 8. w. Eigentümlich berühren Zusammenziehungen, wie: ״Da* und Wohlsein“ (S. 139), : ״spar-und strebsam“ (S. 14), ״sicher* und schnellsten“! (S. 225). Seite 199 werden ״die Blöd-, Irr* und Wahnj sinnigen die glücklich-glücklichsten Menschen“ und das Irrenhaus ״die Todtenkammer des Geistes“ gej nannt (!!). Das Schwerfällige in der Diktion wird dai durch noch erhöht, dass der Verfasser auf’s Aengst- I lichste der Bildung von Nebensätzen aus dem Wege geht. So entsteht infolgedessen beispielsweise nachfolgender Satz: ״Da aber zu befürchten steht, dass mein in dieser Beziehung unverbesserlicher, durchaus keinen Spass verstehender, aller Vernunft hohnsprechender, jeden Augenblick aus dem Walde zurück zu erwartender Vater im ersten Anfälle seines jäh aufwallenden (,) bliudwüthenden Zornes eine später au bereuende Handlung begehen könnte, so bitte ich Euch inständigst, — zumal Ihr Euoh zu trennen keineswegs gesonnen seid — dooh schleunigst, um einem skandalösen Auftritte vorzubeugen, unsere sonst allgemein als gastfreundlich gerühmte, heute aber ausnahmsweise leider unwirthbare Schwelle verlassen zu wollen“. — GlUcklioh der, weloher sich duroh diesen Wortschwall bis zum Punkte hindurchgewunden, ohne unterwegs zu stolpern! Was nun die Fabel des vorliegenden Bomans anbelangt, so ist sie die denkbar einfachste, ohne in ihrem Verlaufe spannend auf den Lesenden zu wirken. Der Sohn eines in bestem Bufe stehenden Mannes, weloh’ letzterer der Brandstiftung angeklagt und verurtheilt worden ist, wird in Folge philosophischer Studien zum Zweifler an Gott. In diesem Zustande lässt ihn der Verfasser zum Babbiner einer orthodoxen Gemeinde werden, ja, noch mehr, er lässt ihn in Liebe zur Toohter desjenigen entbrennen, der als eigentlicher Urheber des erwähnten Verbrechens gelten muss, aber straflos ausgeht, und sie zudem als Ebefrau heimführen, nachdem sie zum Juder.thum übergetreten. Fragen wir da nicht mit Becht: Warum soll das Unrecht triumphiren? Ferner erscheint es als unwahrscheinlich, dass eine orthodoxe Gemeinde es stillschweigend mit ansehen wird, wenn ihr Beelenfcirte in sündiger Liebe zu einer Niohtjüdin entbrannt ist. Auch hitr neigt sich wieder das Hase eu des Verfassers nach Ungewöhnlichem. Jedenfalls wollte er originell sein, die Originalität schliesst aber keineswegs die Wahrscheinlichkeit aus, im Gegentheil: Erstere fordert unbedingt auch die Letztere. Die auttretenden Personen stehen vor uns wie die Marioretten, ohne Leben, ohne Gefühl. Man fühlt sich nirgends ergriffen, da jede Zeile mit dem Kopfe, nicht mit dem Herzen geschrieben ist. Bei all den zahlreichen Ausstellungen können wir dem Verfasser auch unsere Anerkennung und unser Lob nioht vorent hallen wegen des Eifers, mit welchem er für die Beligion der Väter eintntt. Auch ist die grosse Belesenheit des Verfassers in den philosophischen Schriften der verschiedensten Bichtungen besonders hervorzuheben. _g. Wünscht‘, Aug. Prof. Dr. theol. et phil., Midrasch Tehillim etc. (Fortsetzung.) Besprochen von Rabbiner Dr. C o h u - Burgskunst&dt. Nr. 11. ״Weil er wie ein Ismaelit sein Schwert schärfte“. Das nicht übersetzte Wort עצמו ist vielleicht ערומי ditxrj Spitze. Nr. 13. ספיהולא (Hinrichtung) ist nicht ״supplioium“, sondern ״specula“, die Fuuktion der speculatores. — Das. פורפור״א kauu hier nicht ״Purpur“ bedeuten, sondern eiue Schrift, wie Mus. richtig erklärt. Gemeint ist entweder npoyopi (Vortrag, Entwurf) oder noptpupeov rubrum, eine Schrift, worin die Hauptsachen roth angestrioben sitid. Nr. 16. עזז und ״ התעהsich frech benehmen“. Dem entspricht מעשה תדיוסום das freche Gebahren: D-paatiTT){, wofür Jalkut temeritaa zu lesen scheint. Das Wort מורה erklärt der Midrasch auf dreifache Art; es kann bedeuten: Furcht, Herrschaft (מרות) uud Thorheit. Ps. 10. Nr. 5 ist zu übersetzen: ״Es fällt erst der Frevler, wenn sein Mass voll ist, denn so heisst es Job 34,26: Es drückt die F. ihr Genüge nieder, und das. 20,22: Wenn sein Mass voll ist, geräth er in Noth. Nr. 6. Die Uebersetzung des 14. Verses ist misslungen, woran zum Theil die Gestalt des Textes schuld ist. loh übersetze: Du sähest vorher, dass Du einstUnheil undAergerniss schauen wirst, dass der ruchlose Esaw kommen, Dein Heilig thum zerstören, die 18r. in Ketten fortführen und sie aus ihrem Lande treiben wird. Zu geben mit Deiner Hand, d. h. mit Anlehnung an Ez. 37,1: Du flössest Deineu b. Geist auf Jizchak ruhen, so dass er wusste, dass Esaw die Hölle erwerben und dioh erzürnen wird, und ihm verkündete, dass er von seinem Sohwerte eben werde. Dir überlässt er (Esaw) den Unglücklichen: Wenn das ruchlose (byzantinische) Beioh zu einem Israeliten sagt, er solle seine Kopf- Steuer bringen, und dieser erwidert, er habe Waisenkinder zu ernähren, so antwortet es ihm: Hast Du etwa von mir gehört, dass ioh Waisenkinder ernähre? Gehe zum Gotte Jaakobs, der doch naoh Ps. 68,6 ein Vater der Waisen ist, und er möge Deine Waisen ernähren, Er möge euch beistehen! Bemusuud Romulus, deren Mutter gestorben war, (1. שמתה אמם) bestellte Gott eine Wölfin uud diese nährte sie, bis sie gross wurden (עד שהנדילו) eto. und darum heisst es in unserem Verse: Dem Verwaisten bist Du eiu Helfer. Ebenso ist die zweite Deutung des Midrasch zu übersetzeu: Du sahst vorher, dass Du Unheil uud Aergerniss schauen wirst., dass Nebuk. kommen wird u. s w. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten der Kedactioa. Der Artikel: ״Zur modernen Pentateuchkritik“ von B. Königsberger, wird in der nächsten Nummer fortgesetzt. Demnächst beginnen wir auch eine Abhandlung: Der Gaon von Wilna, als talmudischer Forscher. Der Schluss des Artikels: ״An Dr. Leopold Caro“ folgt in einer der nächsten NNr. Vז ׳ nntwcitl Ke׳ia1 ■mir I ׳r Kal! liier M agdetii.r•■ 1 irnek RemlixA Hub!) Hr 11. L Woltl) Magdeburg. Verlag: Ro’1 Friese Lei••/.!״