Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 29. (20.7.1881)
- Date
- 1881-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ATo. »». Das Jalirg. X. Jüdische Literaturblatt. r 1 Zar Beleuchtung aller Jadeathaai aad Jadea betreffenden literarisch. Erseheinangen aaf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie,Theologle.Orleataila, Exegese, Homlletlk, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben r ץ Bfleksr der elnnchtäglgea LIteratar, welche der Redaction Rabbiner Dr. Moritz Rah 111er. aageaandt werden, Anden In dleaem Blatte eingeh. Beepreek- -- nag. BelEiaseadaag von ■ w 01 RcceuionacxcKpIarcn erfolgt Magdeburg, VSO. Juli 1881. auch Erwähn. L d.Woehenoehr. Das ״J&tllaelie liltermtarblmtt“ erschein. wöchentlich in einem halben Bogen-, Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8 Mk. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift* (die vierteliälirl. bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt* gratis. — Inaersst« werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegen genommen durch die Ceutral-Annoncen-Expcdition von Gr. JL*. Daube de Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. lnbalti Wissenschaftliche Aufsätze: Ein Lehrer Mendelssohn'?. — Am-haarez. — Die letzten acht Verse des Pentateuch. Literaturbericht: Recensionen: Lehmann Emil, Gabriel Riesser, ein Rechtsanwalt Notiz: Fund bei Jerusalem. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Eiu Lehrer Mendelssohn’». Hat Moses Mendelssohn Griechisch gelernt? Seine Biographen schweigen theils darüber, theils stellen sie es iu Abrede. Da hat aber jüngst Herr G. Malkewitz in der Sonntags• Beilage zur ״Voss. Zeit.* einen Artikel über einen Berliner Schulmanu de? vor. Jahrhunderts veröffentlicht, aus welchem klar her• »orgelit, dass, bei wem und durch welchen Zufall Mendelssohn Griechisch in gründlicher Weise gelernt hat. Der betreffende Artikel bietel so viel des Interessanten für die Zeitgeschichte Men• dels8011ns und seinen Berliner Freundeskreis, dass wir ihn zum grossen Theil fast wörtlich hier wiedergeben. ״Es war in den letzten Tagen des Jahres 1765, als man einen ehrwürdigen alten Herrn langsamen Schrittes über den Berliner Schlossplatz gehen sah. Ihm entgegen kam ein wohlgekleideter älterer Mann, der, sobald er ihn erblickte, sogleich stehen blieb, sich einen Augenblick besann, dann ehrerbietig den Hut ziehend an ihn mit der Frage herantrat: ,Sind Sie der Rector Damm?“ ,Ja wohl!“ lautete die Antwort. Entrüstet spie hierauf der Fragei vor dem Gelehrien aus und überlaut hörte man ihn rufen: ״So bist Du also der Bösewicht, der uns den Herrn Christus rauben will! Verflucht seist Du, verflucht sei Dein Eingang und Dein Ausgang!“ Es braucht nicht gesagt zu werden, dass eine so unerwartete öffentliche Schmähung den alten Rector erschütterte. Gleichwohl blieb er gefasst und nur leise zitterte seine Stimme, als er antwortete: ,Gott ■vergebe es 111m, mein Freund, dass Er flucht, ohue zu wi6sen warum. Christus sagt: Segnet, die Euch fluchen, bittet für Die, die Euch beleidigen.“ Dann ging er ruhig weiter, aber sein Angreifer wurde dadurch nicht besänftigt und sandte eine Fluth von Verwünschungen hinter ihm her. Natürlich hatte der Votfall in der belebten Strasse Aufsehen erregt. Die Müssiggänger, welche derartige Schauspiele von je mit Behagen genossen, waren bald herbeigezogen und hatten den Geschmähten mit weitaufgerissenen Augen angegafft. Obwohl sie nicht wu88ten, um was es sich handele, so schien ihnen doch so viel klar zu sein, dass sie auf einen Verbrecher schauten, denn wie wäre ein solcher Auftritt sonst möglich gewesen I Ein ganzer Trupp dieser Leute gab dem alten Rector das Geleite bis zu seiner Wohnung, die glücklicherweise nicht weit war und sich schon da befand, wo die Breite Stra68e zu Ende ging. Dort blieben sie noch eine ganze Weile stehen, jedoch ohne irgend eine Kundgebung gegen den Mann, dem sie gefolgt waren und nur mit einer gewissen Verwunderung das Haus anstauaend, in dum er verschwunden war. Und wer war Derjenige, der solchen Schimpf hatte erdulden müssen? Sein Name ist schon genannt. Ja, er war es in der That: Christian Tobias Damm, der damalige Leiter des Köllnischen Gymnasiums. Seit dreiundzwanzig Jahren stand er in diesem Amte, iminer hatte er seiner Meinung nach das Gute gewollt, niemals war er, so viel er sich bewusst, von dem Pfade des Rechtes und der Tugend abgewichen. Und nun ein solches Ereigniss! Zwar kannte er die Veranlassung sehr gut, zwar hatte es an warnenden Stirnmen nicht gefehlt, die ihn auf Kränkungen vorbereiteten, aber ihm waren diese Besorgnisse Uberirietea erschienen. Er hatte damals, als er sich 211 Schritten entschloss, welche so schlimme Folge hatten, nicht geglaubt, dass ihm derartige Früchte daraus erwachsen könnten. Bei aller Rune, die ihn sonst kennzeichnete, bei der beinahe trockenen Gleichmässigkeit seines Wesens fühlte er sein Gemüth jetzt doch besonders erregt und beinahe erschöpft, sank er auf seinen Arbeitsstuhl, vergeblich bemüht, die bösm Gedanken zu scheuchen, welche sein Gehirn durchkreuzten. War es etwa ein Lump gewesen, der ihm so begegnete? Ein Betrunkener oder ein Verkommener, der sich ein Vergnügen daraus machte, anständige Leute zu beleidigen? Durchaus nicht. Er halte äusserlich den Eindruck eine8 in geregelten Verhältnissen lebenden ptliclitgetreuen Bürgers gemacht und unter