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Das jüdische Literaturblatt · 1881-07-13 · No. 28. (13.7.1881) · p. Seite 112

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 28. (13.7.1881)
Date
1881-07-13
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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— 112 — Gerichtsstätte, dass nie ein bestimmtes Thor dafür genannt wird, sondern es immer nur im Allgemeinen heisst ״das Thor, die Pforte * Unmöglich kann aber doch jedes Stadtthor, wenn auch die Stadt noch so viele hatte, eine Gerichtsstfttte gewesen, oder irgend ein beliebiges dazu gewählt worden sein. Ein freier Marktplatz (רר:*ב) bei dem Thore hatte, wie bemerkt, auch wohl keinen rechten Sinn; noch weniger wird aber wohl bei jedem Thore sich ein solcher befunden haben, wenn auch der Stadtthore noch so viele waren. Vom Obergerichtc in Jerusalem ist es auch ausdrUcklieh bekannt, dass dieses bestimmte Räumlichkeiten inne hatte. Der Ausdruck בית דין für die spätere Zeit, welcher auch von den kleineren Gerichtshöfen gebraucht wird, weist ebenfalls auf besondere Gerichtsgebäude hin. Das römische Forum ״der Marktplatz1', war zwar ebenfalls die öffentliche Gerichlsstätie, aber auch hier ist das Vorhandensein von Gerichtsgebäuden nicht ausgeschlossen, ehensowenig wie bei dem giiechischen Areopag, welcher 6ich auch auf einem fieien Platze, dem Hügel des Ares (Mars), befand, wovon von das Gericht seinen Namen trug. Rothschild?נם ־*®יי® כס• Mit vielem Wahrheitsschein, will Clericus כס in Exodus 17,16 in גם emendiren, besagt doch die Stelle ausdrücklich ״Moses bauete einen Altar und nannte seinen Namen ,der Ewige mein Panier“ יהוד! נסי, denn — ״ — כיdie Hand an den Stuhl (?)כס Gottes.“ Das Umstandswort כי gibt hier Grund und Ursache an, warum Moses den Altar 'DJ benamst. Demgemäss müsste Moses ein Panier DJ nicht aber einen Stuhl DD mit der Hand gefasst haben. Diese Conjectur ist 80 frappanl und blendend, dass es schier überflüssig scheint, erst durch Beweise erhärten zu müssen, wie die Copisten, zu deren Unfehlbarkeit sich doch Niemand wird bekennen wollen, diucli falsches Sehen falsche Lesearten schufen *) Und doch ist diese Conjectur nichts mehr als blendend, und nicht Alles was glänzt, erweist 6ich bei kritischer Probe als Gold. Ich glaube vielmehr die Leseart des Textes DD mit Recht aufrecht zu halten, nachdem ich die Bedeutung der Phrase כי יד על כס יה herausgefunden zu haben glaube. יד muss nämlich nicht im eigentlichen Sinne als ״Hand“ des (Moses oder Gottes) aufgefasst werden, sondern als Zeichen, Symbol der Macht Gottes, ein Panier, möglich auch jn Handform, welches die Juden mit sich geführt und besonders im Kriege, in dieser Eigenschaft, sich dessen bedienten Diese rHand“ war mit dem Stabe Gottes Exodus 17,10 mit dem Moses all’ die Wunder, beim Auszuge Israels aus Egypten, vollbracht identisch. Hand T und Stab טטה kommen beim Auszuge aus Egypten wiederholt als Synonyme vor; so gebot der Ewige bei der Plage des Hagels das. 9,22, wie bei der der Heuschrecke 10,12, dem Moses die Hand T zu recken, und beidemal bediente er sich bei der Ausführung des Stabes מטה. Ebenso sprach Moses seinem Generale Josua, beim Kriege wider Amalek Muth zu, mit den Worten: ״Morgen stelle ich mich auf den Gipfel des Hügels, den Stab Gottes in meiner Hand“, das. 17,9. Bei der Ausführung jedoch referin V. 11: so Moses die Hand יד erhob obsiegte Israel. Der Stab Gottes, der als Zeichen oder als Panier dieute, muss ziemlich gross *ן Siehe Eichhorn Einleitung in's A. J., vierte Auflage, I. Theil, S. 96 der aut Jesaia 83, z verweist. Ezechiel z7,7, haben die LXX. nicht wie Eichhorn meint nur DD für DJ gelesen, rondern statt לגם תכלת gar לכסך תכלת. Uebrigens lässt sich auch sonst noch nachweiseu, dass die Abschreiber durch falscher Sehen נ in ב verwandelten, so Leviticus 26,4 שבת שבתון statt שגת שבתמ, wie es in V. 5 richtig vorkommt. W. und schwer gewesen sein, musste ihn doch Moses mit beiden Händen hochhalten und dabei erst von Aron und Hur gestutzt werden, V. 12 Und diese Hand musste es gewesen sein, die Saul iin Kriege ״egen die Philister, dem Priester einzuziehen gebot, 1 ,אסוף ידך Sam 14,19. Daraus resultiri, dass der Mosesstab (oder die Hand) den Israeliten als ,,Panier“ diente. Moses nannte den Altar ״Gott ist mein Panier“ יהוד. גסי, weil sich die Hand oder der Gottesstab, der nichts anderes als *in Panier war, eben ao hilfreich erwies. Diese Hand oder dieses Panier legt Moses auf den Altar nieder. Unter כם יה ist auch nicht, wie allgemein verdeutscht wird, Stuhl Gottes, sondern AItar gemeint, wie Tar״um Jonathan ויובתו שם את זבחיהם mit וגכיסו תטן ית גכסיהון parphrasirt. (Ezechiel 20,28);כס scheint im alten Hebräisch wie im aramäischen, schlachten, opfern, bedeutet zu haben. Spuren hiervon finden sich vor in בכסא, Psalm 81, 4 und יום הכסא Sprüche Sal. 7,20 in der Bedeut ung von ״Schl acht tag,“ was mit dem Inhalt besonders zusammenpasst. כס יה entspricht somit ganz dem vorhergehenden טובח, und der inassorelische Text ist sonach gerettet. A. S Weissmann. Literaturbericht Recensionen. Schreiber, Dr. Emannel, Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Bonn, Abraham Geiger als Reformator des Judenthums. Löbau, Verlag von B. Skrzezek. Unter Büchermachen verstand man in alter Zeit die Kunst, aus zehn Werken oder Sc’:riftchen den Rahm zu naschen, daraus ein eilfles zusammenzukleistern und dieses neue Machwerk unter eigener Etiquette in den literarischen Handel zu bringen. (Beispiel: ,Dr. Emanuel Schreiber, Moses Mendelssohn)* Verdienste um die deutsche Nation“. *) Diese altehrwürdige Methode ist in dem vorbenannten ״Werke“ plötzlich Uber den Haufen geworfen. Demselben liegt nämlich folgendes weit einfachere Recept Zu Grunde: Herr Rabbiner Dr. Schreiber nimmt zuerst mit wichtiger Miene eine grosse Panierscheere zur Hand, greitt sodann zum fünften Band der von Ludwig Geiger herausgegebenen ״Nachgelassenen Sehriften Abraham Geigers“ und schneidet unverfroren die nach seinem unma68geblichen Urtheil besten Steilen heraus und zwar 80, dass er sofort die verbindenden biographischen Notizen Ludwig Geigers incl. der Druckfehler mit fasst. Diese Ausschuiite würfelt mau plan- und systemlos durcheinander, streut vereinzelt einige nicht zur Sache gehörige nergelnde Bemerkungen über die Breslauer Schule aus, und ähnliche oft gesagte Dinge dazwischen, widmet diese neue Probe seiner Schriftstehlerei ,,den verehrten Vertretern der jüdischen Gemeinde zu Bonn hochachtungsvoll“ für das hohe Vertrauen, das sie ihm geschenkt, trägt nun sorgsam diesesmanunein! — script in die Druckerei, und das Ding ist fertig. Nun komme mir noch Einer und sage, dass Bücher machen eine schwere Kunst, ja auch nur eine Geistesarbeit sei! Und den Mann nennt Herr Dr. Leopold Stein in Frankfurt ahnungslos, ״einen würdigen, gelehrten und gesinnungstüchtigen Herrn!“ M. W. •J־Vgl. darüber den Art.: ,Eia literarischer Diebstahl* lra Literaturblatt Nr, 19 Jahrg, 1880■ Formulare-nOT kebrfttsela und dentwli (von Dr M. Rahmerl — mit Erw&hnung der vollzogenen Civil-Trauung — 09* 6 8tttck für 1 Mark 9־( versendet fr»■*•• die Expedition d. Blattes. Verantwortlicher Redacteur Dr. Kahmer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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