Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1881-06-29 · No. 26. (29.6.1881) · p. Seite 104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 26. (29.6.1881)
Date
1881-06-29
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/5367336-6488242-5991027--1854-5367782
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

104 — >4. Urbild des ״Nathan des Weisen“ gewesen. Nicht als ein Zeichen des Kampfes, sondern als ein Symbol der Versiihnung stellt sich in das Gewühl des frevelhaft entzündeten Racenkainpfes das Bild dieses Edlen, der seinem eigenen Stamm der Reformator war, dessen Wirksamkeit für die Einführung der deutschen Juden in deutsches Culturu. Geistesleben von entscheidender Bedeutung geworden ist. Wie ein vorahnender Versöhnungsruf an die wilderhitzten Geister der Gegenwart — obwohl es nur der Wiederhall eigener schmerzlicher Erlebnisse war — klingt das schöne Wort, das wir als Motto unter seinem Bildniss finden; ״In welcher glückseligen Welt würden wir leben, wenn alle Menschen die Wahrheiten annehmen und ausübten, die die besten Christen und die besten Juden gemeinsam haben“. Wir zweifein daher nicht, dass unter den Christen eben sowohl al9 unter den Juden, namentlich unter den Besten beider, dieses den Manen eines edlen Todten errichtete Denkmal gleichviel Freunde und Verehrer finden werde. Wenn dem Literaturfreunde der vertraute Geistesgenosse Lessing’s, der Freund eines Herder und Kant, uin von vielen Geringeren zn schweigen, der Gegner eines Hamann und Jacob'!, der Mitarbeiter und theilweise Mitbegründer der ״Bibliothek der schönen Wissenschaften“, der Literaturbriefe und der ״Allgemeinen deutschen Bibliothek“, eine interessante und selbst ehrwürdige Persönlichkeit ist, so darf auch der Philosoph Mendelssohn, der Schüler und Geistesverwandte Spinoza’s, der dessen grossartige All-Einheitelehre mit der prüstabilirten Harmonie eines Leibniz zu vermitteln suchte, dessen philosophisches Hauptwerk ״Morgenstunden oder Vorlesungen über das Dasein Gottes“ Kant zwar für ״das letzte Vermächtnis dogmatisirender Metaphysik“, aber zugleich auch für ״das vollkommenste Product derselben, für ein nie von seinem Werthe verlierendes Denkmal“ des Verfassers erklärte, gleichfalls noch auf unsere Beachtung Anspruch maeben. Man tliut Mendelssohn in der That Unrecht, ihn mit den Popularphilosophen damaliger Zeit, den Crusius, Engel, Nicolai u. A. auf eine Linie zu stellen, wie Gervinus thut. Wohl hat er, wie wenige Philosoplien, die Kunst verstanden, fesselnd und allgemein verständlich zu schreiben; aber gegen eine gewaltsame Popularisirung der Philosophie hat er selbst energisch polemisirt. Auch wohnte seinem Philosophien doch ein ungleich tiefererer Gehalt, als den sogen. Popularphilosophen, durchweg bei. Es ist auch nicht lediglieh auf Rechnung freundschaftlicher Uebertreibung zu setzen, dass man ihn seiner Zeit den ״deutschen Sokrates“ nannte. In der That lag in seinem Charakter, in der Art seines persönlichen Umgsnges, in sei- 11er milden Ironie, vor Allem in der Reinheit und Hoheit seiner Gesinnung so Manches, was selbst in unseren Tagen einen so besonnenen Historiker wie Eduard Zeller (Geschichte der deutschen Philosophie seit Leibniz, München 1875) veranlassen konnte, auf diesen Vergleich zurückzukommen. Wenn wir schliesslieh auf den Inhalt der vorliegenden Sammlung noch einen Augenblick eingehen wollen, so enthält dieselbe alle wichtigeren Schriften unseres Philosophen und selbst noch manche seiner kleineren Beiträge zu den genannten Zeitschriften und Briefen. Dieselbe gliedert sich in zwei Haupttheile, die durch besondere Specialtitel kenntlich gemacht sind. Der erste Theil emliult die Schriften zur Methaphysiik, Ethik und Religionsphilosophie. Hier sind namentlich die ״Gespräche“, die Abhandlungen über die ״Evidenz“ und die ״Wahrscheinlichkeit“, der ״Phaedon“ und die ״Morgenstunden“ hervorzuheben. Der zweite Theil bringt die Schriften zur Psychologie, Aesthetik und Apologethik des Judenthums, namentlich die Briefe über die Empfindungen und zahlreiche kleinere ausgewählte Aufsätze. Die Ausstattung des Buches ist bei dem verhftltnissmässig recht billigen Preise eine vorzügliche und macht das Werk zu einem würdigen Festgeschenk in jeder Hinsicht recht geeignet. Wir wünschen dem schönen Buche recht weite Verbreitung, mehr aber noch, dass recht, recht Viele, Christen wie Juden, sich zunächst bemühen möchten, zu sein wie Moses Mendelssohn, der echte Apostel der Aufklärung und Huinanität, und dabei durch und durch ein wahrhaft frommer Mann, eine tief religiöse Natur. Notizen. 1) Nachtrag zu meinem Artikel ״Geflügelte Worte“ im ״Literaturblatt“ Nr. 24. — Zu d) führe ich Atereth Sekenim (Siman 53. Seif 2.) an. 'כתוב בפסיקתא כבד ה מהונך קרי ביה טנרונך, e) Remoh in Jore dea (Siman 265.) Seif 11. sagt; E9 pflegen die Mohalim am Tage der Beschneidung vorzubeten, wie es im P8. 149, 6 heisst: ״Lob Gottes führen sie im Munde (Kehle), zweischneidiges Schwert in ihrer Hand.“ Der Schach führt zu dieser Stelle aus תשר ר״ט טינץ an: הא ליתא ולא נטצא דרשה זו בשום דוכתא וב׳ Diese Deraschah ist nirgends vorhanden. Der Midr. Rabbah und die Pesikta deuten den Vers in anderer Weise Auerbach. 2) Herr Alexander Weill veröffentlicht im ״Arch. isr.“ eine ungemein anerkennend gehaltene Einführung der ״Geschichte der Bibel und der biblischen Exegese von Professor und Oberrabbiner Wog ue“. Das Buch ist auf Kosten der Nationaldruckerei gedruckt worden und dürfte — so meint Herr Weill — dem Verfasser früher oder später einen Sitz in der Akademie verschaffen. Wir würden uns doppelt freuen, wenn diese Voraussagung einträfe im Interesse der jüd. Wissenschaft, wie des hochgeehrten Verfassers, de£ gelehrten Redacteurs des ״Univers. isradlite“. Inserate. 11CI] Im Coinraissionsverlage von August Schnurr in P a s e w a f k ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Tosefta nach den Erfurter und Wiener Handschriften in 6 Lieferungen von Dr. M. S. ZnCkermandel, Rabbiner in Pasewalk (Pommern). Preis complet 24 Hark Um die baldige Drucklegung der Suppleraentlieferung, welche ausser der Fort- Setzung der deutschen Uebersicht mehrere ausfUhrlicheRegister enthalten soll, zu ermögliehen, wird beim H e r n u 8 g e b e rnoch bisz. l.MaiderSubscriptionspreis (3Hark pro Liefg.) offen gelassen. Unbemittelte Cultusbeamte sowie Gelehrte, welche sich direct an den Herausgeber wenden, erhalten das Werk zn einem ermässigten Preise._ 3m ®״lagt oon S». »oppelauet’« «Ud)* (HtttPluna in »erlitt C., 61!Reue Stic־ b r i d) ־ S t r. ift erfcf)ienen; סדר הגדה של פסח Sie $efsacb־&agaba mit »ottftänbigem, forgfältig b1mhg«ith*rlfm lejte, ffiinleiiung, fortlaufenbet beutföer Ueberfefcung, ttiltfc$en Stnmeilungen unb genautt Stngabe bet 6ebet: Dehnung. ®on Dr. Saoib Gaffel. 5. »erbefferte Sluftage gr. 8 in Umfd)lag gebunben. ®teid 76 ®fg. Siefelbe Selin־®apier. ®olbfdin. ®radjtbanb 2 SW. XeirbStubgabe mit ttitifd). ffebräijd) 2ln« merl. btod). 30 Sßf. SBei Ginfenbung beb 8e־ trageä auch in beutfdien Weidiepoft ®!arten _, erfolgt fofortige ©ffeetuirung. [2676_‘ Veiantvrortlicher Jtedacteur Dr. Kahmer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.