Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 11 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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DCP Jl/G6r\f>BUlNP ffiiTTfeiLunGen Des vePBflnp£,s Dtp JüDiscHen juGenDveeeme Deurscm-RriDs 15. Jahrgang Düsseldorf, den 1. November 1929 Nummer 11 flllQ riPID Inhalt' •,",1,scne Berufsprobleme von Lucie Zobel, Berlin — Probleme iler Jpwish Agency von Dr. Siegfried HUO Ublll llinuil. Kanöwitz, Berlin _ Fazit von Jakob Jacobs _ Arbeit für den Frieden — Eine Schau „Weltarbeil für den Frieden' von J. Raphael — Ein Brief" zur Arbeit im Bund — Bucherschnu — Presseschau — Preisausschreiben — Stollenvermittlung.snothilie — Aus dem Leben des Verbandes — Die Junggruppen — Mitteilungen der \ erbandsleitung — Hain des \erbnndes der jüdiselien Jugendvereine Deutschlands im Kinsteinwald — Glückwunschiibli.sungen — Spendenliste — Adressenänderungen yjid Neugründungen — Anzeigen. ludische Berufsprobleme Von Lucia Zobel. Berlin Unter den Diskussionen über die Fragen der menschlichen Gemeinschaft nehmen seit langen Jahren die Aussprachen über das Berufsleben und seine Probleme einen erheblichen Raum ein. Unter Beruf verstehen wir nach Meerwarth eine zum Zwecke des Erwerbs ausgeübte regelmäßige Tätigkeit. In dieser Definition ist lediglich die wirtschaftliche Seite dieses Problems berücksichtigt, es ist jedoch nichts über die Triebkräfte gesagt, die den Erwerbsentschluß in eine ganz bestimmte Richtung drängen, ferner nichts über den Einfluß, den der Beruf auf die Entwicklung der Persönlichkeit des einzelnen hat. Ohne Zweifel muß der Begriff des Erwerbs in dem des Berufes mitenthalten sein; niemals jedoch darf es als Endziel eines Berufes anzusehen sein, daß er einen Erwerb darzustellen imstande ist. Stets muß gefordert werden, daß jedes Individuum über den Erwerb hinaus eine innere Beziehung zu dem erwählten oder ausgeübten Beruf finde. Beruf sollte immer — auch in unserer Zeit — Berufung, Erfüllung bestimmter menschlicher Aufgaben sein, und bei der Berufswahl auch als solche betrachtet werden. Gerade im augenblicklichen Stadium der Wirtschaftsentwicklung stehen zwei Berufsauffassungen sich gegenüber. Einerseits fordert man, beeinflußt durch die Tatsache stärkster wirtschaftlicher Rationalisierungsbestrebungen, die Befreiung des einzelnen von einer Berufsarbeit, zu der er innerlich keine Beziehungen mehr hat, durch Herabsetzung der Arbeitszeit auf ein Mindestmaß, anderseits verlangt man aufs neue die Erfüllung jedes einzelnen Menschen durch den Beruf. Beide Einstellungen sind richtig, beide sind falsch. Dort, wo eine innere Beziehung zu der täglich auszuübenden Arbeit nicht mehr besteht, dort gibt es zur Ertragung dieses Zustandes nur den Ausweg, die Arbeitszeit möglichst abzukürzen und Energien für die Befriedigung persönlicher Interessen freizubekommen. Bei der Erörterung dieses Problems ist nicht zu vergessen, daß bei der Form unseres gesellschaftlichen Lebens die Berufsarbeit das wesentliche Bindeglied zwischen dem einzelnen und der Gemeinschaft ist, daß für viele Menschen die Beziehung zur Gemeinschaft identisch ist mit ihrem Berufsleben, und daß sie bei einer unter einen Mindestsatz ihrer täglichen Zeiteinteilung herabgehenden Berufsarbeit ihre Beziehung zur Gemeinschaft überhaupt einbüßen würden. Wo der eben erwähnte Zustand in Reinkultur in die Erscheinung treten würde, wäre Beruf restlos zum reinen Erwerb degradiert und müßte unter einem wesentlich anderen Gesichtspunkt betrachtet werden. So wenig man den Begriff des Berufes mit dem des Erwerbs einfach identifizieren kann, so wenig kann man auch bei der Form unseres Wirtschaftslebens von einer letztliehen Erfüllung des Begriffes Beruf als Berufung sprechen. Die Auswirkung einer tatsächlichen Berufung kann man sicherlich nur in ganz wenigen glückhaften Ausnahmefällen 'verzeichnen. Meist wird die Wirklichkeit in der Mitte liegen, und man wird als gute Berufswahl diejenige anzusehen haben, bei der der erwählte Beruf einer inneren Veranlagung lediglich ent^ spricht und eine mäßige wirtschaftliche Sicherheit gewährleistet. Diese Mindestforderung hat aber* der einzelne und auch die Gesellschaft zu stellen. Der einzelne Mensch muß zur Erlangung einer Entwicklung seiner eigenen Glückmöglichkeiten, zur Erreichung einer positiven Beziehung zur menschlichen Gesellschaft ein Minimum beruflicher Befriedigung h; ben; die Gemeinschaft wiederum muß zur Vermeidung von Reibungen innerhalb ihrer Gesellschaft Aggressionshandlungen, die in der Mehrzahl der Fälle aus einer Versagung im Beruf, die sich meist mit Versagungen innerhalb der Umwelt identifizieren, wünschen, daß die Einzelindividuen bis zu einem gewissen Grade ihre Erfüllung im Beruf finden. Hier liegen auch die entscheidenden Aufgaben der Gesellschaft ihrer berufstätigen Bevölkerung gegenüber, die sich am besten durch gute berufliche Ausbildung der einzelnen Glieder dieser Gesellschaft realisieren lassen. Es muß gesagt werden, daß eine falsche Berufswahl oft nicht nur aus Gleichgültigkeit, oder aus Unwissenheit getroffen wird, sondern daß der junge Mensch und seine Angehörigen sehr oft keine Wege zur Verwirklichung ihres Berufswunsches finden und — allzu oft mit Recht das Vertrauen verloren haben, daß die Gemeinschaft ihnen zur Ausbildung in einem geliebten Beruf verhelfen könne. Hier liegen produktivste Aufgaben der menschlichen, insbesondere der jüdischen Gesellschaft. Hier könnten Mittel angewandt werden, die viel unproduktive Wohlfahrtspflege überflüssig machen würden, hier wäre der Weg, negative Gemeinschafts-: einstellung in positive zu wandeln, hier könnten Kräfte genutzt werden, die sich sonst in gemeinschaftsschädigende umbilden, und diese Schäden kosten die Gemeinschaft weit mehr an Energien und Geldmitteln als eine zweckmäßig angewandte Berufsausbildung. Jede Gesellschaft hat die Pflicht, für ihre berufstätige Jugend in stärkstem Maße zu sorgen, sei es durch Stipendien oder Erziehungsbeihilfen, - durth Verbesserung der Lern- und Arbeitsbedingungen, sei es durch gute Fortbildungsmöglichkeiten. Mannigfaltig sind bei ernsthafter und vorsichtiger Berufswahl die Gründe, die einen jungen Menschen zum Eintritt in einen Beruf bestimmen. Als erster subjektiver Grund tritt Ii j dos Preisausschreiben: .Was kann der DCäCniCI Einzelne für den Frieden hin" auf Seite 7.