Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 5 (1.5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen der Verbandsleitung Als Festgabe anläßjich des 23jährigen Verbandsjubiläums sind bisher eingegangen: Düsseldorf 200 Mark. Nürnberg 100 Mark, Stettin 100 Mark, Frankfurt-Höchst 50 Mark, Wiesbaden 50 Mark, Aachen 18 Mark. Die Tagungen der Landesverbände sind nun sämtlich vorüber. Die wärmere Jahreszeit wird vor allem dazu benutzt, den persönlichen Zusammenhang durch Veranstaltung \on Treffen zu verstärken. So berichtet die Moselgruppe des Westdeutschen Bezirksverbandes (Vorort Trier) von zwei größeren, wohlgelungenen Treff-Fahrten, an denen auch der .lugcndbund Luxemburg teilnahm. Aus München erzählt ein Brief einer Jugendbündlerin an ihre Freundin, den wir leider wegen Raummangels nicht abdrucken können, von dem schönen Östertreffen südbayerischer Vereine in Garmisch- Partenkirchen. Ja, die Leute in. den schönen Gegenden haben es gut! Münchener, Fischacher, Augsburger, Rcgensburger .I.IVer, im ganzen 45, verbrachten in angeregter Ausspiache und gemeinsamer Bewunderung der Naturschönheiten den 'nur allzu schnell voübergehenden ersten Tag. Der Abend wurde durch einen prächtigen Vortrag des Vorsitzenden des Münchener Vereins, Oberlehrer Dr. Keßler, über .,20 .lahie neutraler Jugendverbandsarbeit" zu einer würdigen Feier des Verbandsiubiläums. Eine auf gutem Niveau stehende Aussprache über das religiöse Problem beschloß den Abend. Am Ostermontag wanderte man noch in Gruppen aufs Kreuzeck und zum Eibsee. — Besonders erfreulich ist die Nachricht von Erwin Seeaal 1 , daß es seinen Bemühungen gelungen ist. in Greiienhagen für seinen Landesverband Pommern ein W a n d e rh e i m zu bekommen. Die Synagogengemeinde Greifenhagen hat zwei passend eingerichtete Räume, die Uebernachtungsgelcgenheit für 10 bis 15 Bundesfreunde bieten, unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Am 21. d. M. fand die „Weihe des Hausas" statt. Erwin Seegall und der Synagogengemeinde Greifenhagen danken wir im Namen der Jugend von Herzen.' In den Vereinen wurde natürlich im März Pur im festlich begangen. Düsseldorf gibt reinen Festen und Feiern stets eine besondere, von jugendlichem Geist und künstlerischem Geschmack getragene Note. Seine Purimfeier war diesmal eine richtige karnevalistische Sitzung mit Elferrat, an der Spitze Fritz Schwarzschild, Büttenreden (sogar der 1. Gemeindegewaltige wurde in die Bütf geschickt), Ordensregen und einer köstlichen .,Jeremias"-Parodie. — Auch Hannover versteht es, neben ernster Arbeit Feste zu feiern. Echte Purimstimmung wurde nach künstlerischen Einleitungen durch ein improvisiertes Kabarett erzeugt. — Bernburg vereinte jung und alt zu einigen heiteren Purimstunden; in He i 1 b r o n n taten sich Jugendvereinler und Junggrüppler zu einer wohlgelungenen Feier zusammen; Karlsruhe verband sein Fest mit einer Ehrung des aus dem Vorstände scheidenden verdienten 1. Vorsitzenden Hans Friedbe.rg. — Der junge Würzburger Verein trat mit einer Purimfeier zum ersten Male an die Oeffentlichkeit. Den Mittelpunkt bildete eine dramatisierte Estherparodie voll geistreicher Einfälle von dem Vereinsfreund stud. med. dent. Ernst Niederland verfaßt. — Zur Purimfeier in Erfurt erschien die ganze Gemeinde und Umgegend. Frau Dr. Schüftans Purimstück fand viel Beifall. — Kiel feierte im engen Kreise der Aktiven, aber um so gemütlicher, wogegen Osnabrück es verstand, ein richtiges Gemeindefest zustande zu bringen. Lieber Werbeveranstaltungen berichten U 1 m (Hans Sternheim trug aus eigenen Dichtungen vor. Rabb. Dr. Cohn sprach über Ziele und Arbeitsmethoden des Jugendbundes.) und Kiel. Sein 10 jähriges Stiftungsfest feierte der Verein B e u l h e n. Die Vertreter aller großen Organisationen waren bei der Festveranstaltung zugegen, der Kattowitzer JJV. mit 30 Mitgliedern. Die Festrede hielt Rechtsanwalt Dr. Böhm, Hmdenburg, der Gründer und erste Vorsitzende des Vereins. Ein Festspiel einer Beuthener Dame wurde mit großem Beilall aufgenommen. Eine Reihe von Generalversammlungen brachten einige Veränderungen in Vereinsleitungen. In Düsseldorf legte Herbert Felsenthal nach vierjähriger vorbildlicher Tätigkeit den Vorsitz nieder. Sein Rechenschaftbericht, in dem er seine Gedanken über die Zukunftsgestaltung niederlegte, rief eine große, auf besonderer Höhe stehende Aussprache hervor, die die Früchte der vierjährigen Arbeit deutlich zeigte. Artur Hermanns wird den Verein künftig leiten. In Karlsruhe schied Hans F r i e d b e r g wegen Arbeitsüberlastung aus der Leitung des Vereins. Paul Elsas übernahm den Vorsitz. —- Auch in Bruchsal lehnte der bisherige 1. Vorsitzende J u 1. ( S i e g e 1 aus beruflichen Gründen eine Wiederwahl ab und überließ die Leitung Hans Brandt. — In Trier wurde Marceil Leib zum ersten Vorsitzenden gewählt. — Von Wanderungen erwähnen wir die zweitägige Osterfahrt des Berthold-Auerbach-Vereins in Stuttgart in den Schwarzwald, an der 30 Freunde aus Stuttgart. Pforzheim und Göppingen teilnahmen. / Drei neue Heime konnten eingeweiht werden. Von dem Wanderheim in Greifenhagen wurde oben schon berichtet. Irj Laupheim (Württemberg) wurde dem Verein vom israelitischen Vorsteheramt in einem Lokal des israelitischen Schulhauses ein eigenes Heim zur Verfügung gestellt. Bei der Einweihungsfeier entwickelte der Vorsitzende, Lehrer Einstein, ein inhaltreiches Arbeitsprogramm. Die Gemeinde Dortmund weihte ihr neues Gemeindehaus, in dem auch für die Jugend geeignete Räume zur Verfügung stehen, ein. Aus der regelmäßigen Arbeit der Vereine einiges mehr Interessierende: Diesmal fiel uns besonders gute Arbeit in kleineren Vereinen auf. Kiel hatte eine Anzahl guter Vorträge, durchweg von Mitgliedern gehalten, die Anlaß zu Aussprachen über verschiedene Probleme gaben. Moritz Landesmann sprach über „Der Einfluß des Hellenismus auf das palästinensische Judentum", Ernst Friedmann über „Die Goethc-Lessing-Feier in Braunschweig und Wolfenbüttel", ein Abend war dem Thema „Sport im Judentum", ein anderer Jacob Wassermanns „Der Fall Maurizius" gewidmet. Dann" hatte man Aussprachen über ..Aberglauben im Judentum" und „Berufsumschichtung". — Rastatt arbeitet unter der rührigen Erna Kuppenheimer in Heimabenden vorbildlich weiter. Wir erwähnen von den behandelten Themen: „Was ist Chassidismus?", „Baruch Spinoza"t ..Was ist Ahasvcr?"., „Warenhaus und Antisemitismus" (Vortrag von Lutz Themal, Pforzheim). „Jüdische Salons", „Die soziale Stellung der Juden in den verschiedenen Ländern nach dem Kriege". ..Jahrgang 1902"; die Besprechung der Probleme Pazifismus, und Sozialismus als Einleitung war besonders ersprießlich. Erna Kuppenheimer sprach in Speyer, Kippenheim,' Emmendingen, Freiburg, Bruchsal, Pforzlh e i m. Das nennt man in die Tat umgesetzte Verbandstreue! — In Trier sprachen Jacob Jakobs über „Weltiugendtagung in Eerde", Irwin Epstein über „Jaakobs Traum", Manfred Vöhl über .,Die religiöse Not der jüd. Jugend", Fritz Schwarzschild über .,Jujfendbewegung"; außerdem hielten Hans May und Carola Reis Heimabende ab. In den Heimabenden wurden folgende Themen behandelt: „Jude und S'.aat", „Gemeindereebf1', „Paneuropa", „Jüd. Tagesfragen". — Nürnberg behandelte in Heimabenden die Themen „Kameradschaft und Freundschaft" und „Entstehung und Bedeutung der Psajmcn". Außerdem laufen eine religiöse, eine soziale und eine literarische Arbeitsgemeinschaft. — Karlsruhe hatte gute Heimabende über „Rußland" und „Liberalismus, orthodoxes und zionistisches Judentum". Dr. Schiff sprach über „Ein Tag des Buches". — Im Verein München führte Studienrat Schaalmann in die Betrachtung von Gemälden ein. Der Erfolg war, daß sich eine ganze Reihe Freunde zu Führungen durchl die Gemäldesammlungen meldeten. Die Kurse über „Heidentum.' Christentum. Judentum", und „Die Wcltreligionen gehen weiter". — Hannover setzt die Arbeitsgemeinschaft „Jüd. Riten zu/Hause" mit der Behandlung der Sederabende fort. In Crailsheim beschäftigte man sich ausgiebig mit der Frage, „was das Judentum für den einzelnen bedeutet". — Einen besonders fruchtbaren Abend bereitete Jack-Raphael. Beckum dem JJV. Bernburg durch seinen Vortrag „Hat die heutige Jugend Probleme?" — In dem aufstrebenden Verein Ingolstadt sprach Dr. Bärwald, München, über die Phari-i säer. — Siegfr. Bacharach, Hannover, berichtet sehr befriedigt über seine Reise nach Forst, Schlochau und P r e u ß. - F r i e dII a n d. — Im J JB. Harz sprach Dr. Wilhelm, Braunschweig bei einer sehr gut besuchten Versammlung in Seesen über „Amerika und wir". — Gustav Spier, Haigerloch, besuchte Konstanz (Thema: „Das jüdische Haus als Grundlage jüdischer Erziehung") und R o t t w e i 1 (Thema: „Gekrönte Proselyten im Judentum"). — Höchst arbeitet gut in Heimabenden. Zum Schluß bitten wir die Vereine dringend, die Sommerarbeit den Vorschlägen der Verbandsleitung entsprechend in Angriff zu nehmen.