Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 9 (1.9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Organisationen, folgendes als ihren gemeinsamen Wunsch festzustellen: Unter absoluter Respektierung der Grundsätze und der Einstellung jedes Verbandes, insbesondere in bezug auf „Religion" und „Zionismus", soll eine Föderation geschaffen werden, die möglichst aJle großen Jugendorganisationen Israels umfassen soll. Diese Föderation hat zum Zweck: 1. Die jüdische Jugend der Welt als einen moralischen Faktor im Leben der Gegenwart zur Geltung zu bringen. 2. Den angeschlossenen Verbänden einen Austausch ihrer Erfahrungen, besonders auch auf organisatorischem Gebiete, zu ermöglichen. 3. Die jüdische Jugend der einzelnen Länder durch Austausch von Rednern und ähnlichem über die jüdischen Verhältnisse der anderen Länder zu unterrichten und so zur Wiederbelebung eines gesamtjüdischen Bewußtseins beizutragen. Die Vertreter.der oben genannten Organisationen sind übereingekommen, sofort Schritte zu unternehmen, um noch vor. Chanukka 5689 eine Besprechung der Leiter von möglichst vielen jüdischen Jugendorganisationen herbeizuführen. Die Einladungen zu dieser Besprechung werden die obengenannten Organisationen gemeinsam ergehen lassen. gez.: Aime Palliere. gez.: Dr. Ernst Jacob." Der gesamte Kongreß billigte in seiner zweiten Abendsitzung diese Erklärung unter großem Beifall und beauftragte mich, unserer Jugend die herzlichen Wünsche der UUJJ. zu bringen. Schon zu Beginn der Tagung hatte ich unsere Grüße ausgesprochen und besonders die Gelegenheit ergriffen, zu schildern, welchen großen Eindruck die Persönlichkeit und das Werk Pallieres-im deutschen Judentum und seiner Jugend gemacht haben. In einem kurzen Vortrag kam auch unsere Auffassung der Entwicklung der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland zu Worte. Der Kongreß hatte sich im übrigen mit manchen inneren Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. In letzter Zeit hat in der Pariser Sektion eine Spaltung stattgefunden, die ihren Ausgangspunkt daher genommen hatte, daß die UUJJ. unter Palliares Leitung sich für die religiösen und sittlichen Forderungen des Judentums einsetzt und sie in der Erziehung ihrer Mitglieder zur Geltung bringen will. Das paßte einer Gruppe junger jüdischer Atheisten nicht. Der Kongreß aber brachte sein Vertrauen zu Palliere zum Ausdruck und billigte den Ausschluß dieser oppositionellen Mitglieder. Widerstände findet die UUJJ. auch bei einem sehr beträchtlichen Teil der französischen Rabbiner, die ihr jüdischen Nationalismus und Zionismus vorwerfen. Der Kongreß stellte demgegenüber fest, daß die Union ihrem Programm entsprechend ihre Mitglieder zu loyalen und nützlichen Bürgern ihrer Staaten erziehen will, und daß sie selbst ohne die Rabbiner, wenn diese sich ihr fernhalten, gegen die Dekadenz des Judentums ankämpfen wird. Endlich hat auch die UUJJ. — toul camme chez nous — große Mühe, ihr Budget in Ordnung zu halten. Finanzdebatten nahmen auch in Straßburg viel Zeit in Anspruch. Interessieren wird noch, daß die UUJJ. jetzt ebenfalls' mit der Gründung von Junggruppen — scouts — beginnen will. Zum Präsidenten der Union für die neue Periode wurde der Professor David Prato, Großrabbiner von Alexandrien, gewählt. Palliere bleibt im Vorstand und wird wohl auch weiterhin als die stärkste Persönlichkeit der UUJJ. anzusehen sein. Für uns gilt, die in Straßburg zu Papier gebrachte Einigung mit Leben zu erfüllen und den großen Gedanken eines jüdischen Weltjugendbundes tatsächlich zu verwirklichen. Wir dürfen wohl von uns sagen, daß wir dieser Idee mit aufrichtiger Begeisterung und ohne jeden Hintergedanken und jede Reserve gegenüberstehen. Die Straßburger Tagung hat in uns die Ueberzeugung wecken können, daß auch die andere Seite guten Willens ist. uienjugendkongress rar den Frieden in Eerde von Jakob Jacobs (Vorbericht.] Nachdem unser Delegierter Dr. Hahn durch amtliche Verpflichtungen an der Teilnahme verhindert war, ist Jakob Jacobs, Frankfurt, mit unserer Vertretung betraut worden. Omraen, ein Dorf 25 Kilometer von Zwolle, nahe dem Zuider-See, 2ü Kilometer von Ommen das Schloß Eerde, vom Besitzer einer theosophischen Gesellschaft geschenkt..— Das große Zeltlager steht noch von der Tagung dieser Gesellschaft vom Stern des Ostens; in ihm haben sich am 26. August die Vertreter der pazifistischen Jugend der Welt versammelt. — Acht Tage gemeinsames Leben sollen sie in näheren Kontakt bringen; die Fragen der Kriegsursache und die Möglichkeiten der Verhütung dieses Verbrechens an der Menschheit werden studiert, "Die Arbeit des Kongresses verteilt sich auf die ökonomische, politische Minorität (Rassen), religiöse (ethische) und pädagogische Kommissionen, und die Ergebnisse dieser Studienausschüsse werden vor dem Plenum des Gesamtkongresses vorgetragen und verwertet. Junge Menschen aller Völker, Rassen, Weltanschauungen und Sprachen bilden hier auf diesem kleinen Fleck Erde in Eerde einen lebendigen Völkerbund, und nach drei Tagen gemeinsamen Lebens beginnt sich dieser Bund schon zu einer Familie auszuwachsen. Juden aus allen Ländern sind hier; zum Teil als Vertreter jüdischer Organisationen, zum Teil als die Repräsentanten anderer Vereinigungen, und sogar einen Marannen, stark für jüdische Dinge interessiert,, habe ich getroffen. Daß den sowjetrussischen Delegierten die Teilnahme am Kongreß durch Maßnahmen der deutschen und holländischen Regierungen unmöglich gemacht worden ist, hat schärfsten Protest in Form einer Resolution gefunden, die das Ergebnis vielstündiger erregter Auseinandersetzungen ist. Bei aller Verschiedenheit der Weltanschauung herrscht Einmütigkeit darüber, den Krieg und seine Ursachen, den Imperialismus, in allen seinen Formen, mit allen Möglichkeiten zu bekämpfen, und hat den klarsten, demonstrativen Ausdruck in einem Plakat unserer französischen Freunde, an weit sichtbarer Stelle aufgehängt, gefunden: Nos preres ont fail la guerre, nous ferons la paix. (Unsere Väter haben den Krieg gemacht, wir werden den Frieden machen.) Das Süddeutsche Treffen 1928 in Stuttgart von Hans Sternhelm Das Süddeutsche Treffen wurde durch eine großzügige, von Julius Rothschild vorbereitete Sportveranstaltung auf dem Sportplatz der Stuttgarter Sportfreunde in Degerloch eingeleitet. Nach einem eindrucksvollen Aufmarsch der jüdischen — Sportler vor der Tribüne des Platzes richtete Rabbiner Dr. Julius Cohn, der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Jugendvereine Württembergs, herzliche Begrüßungsworte an die jüdische Jugend. Sodann begannen die Wettkämpfe. Es waren 107 jüdische Sportler und Sportlerinnen am Start erschienen, rein zahlenmäßig schon ein glänzender Beweis für das sportliche Interesse unserer jüdischen Jugend. Vor allem aber sind es die teilweise geradezu glänzenden Leistungen unserer jüdischen Jungen und Mädels, die von einem systematischen Training das beste Zeugnis ablegten. Jugendliche Sportler aus den Gemeinden Heilbronn, Nürnberg, Konstanz, Karlsruhe, Bamberg, Hall, Eßlingen, Heidelberg, Ulm, Wiesbaden, Münohen, Stuttgart usw. wetteiferten im friedlichen Kampfe, angespornt durch stürmischen Beifall der Zuschauer, die sich zahlreich eingefunden hatten. In der Gesamtwertung erhielten: 1. Stuttgart, 45 Punkte; 2. Heilbronn, 24 Punkte; 3. Bamberg, 18 Punkte; 4. Konstanz, 7