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Der Jugendbund · 1928-05-01 · 5 (1.5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
5 (1.5.1928)
Date
1928-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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DCP Ji/G€IWBUINP mifftiLunGen Des vecBflnots Dep ih jüDiscHen juG6nDveo€in€ oeuTSCHLflnos 14. Jahrgang Düsseldorf, den 1. Mai 1928 Nummer 5 Aus dem Inhalt: Vorbemerkung. - Stimmen der Jugend. —• Wahlrecht ist Wahlpflicht. — 7. ordentliche Delegiertentagung. — Tätigkeitsbericht der Verbandsleitung. Entwurf einer neuen Satzung. — Anträge zur Delegiertentagung. — Dresden. — Anschriften-Verzeichnis. Offener Brief an Herrn Raymond-Raoul Lambert, Paris. — Junggruppen. — Bücherschau. — Aus dem Leben des Verbandes. — Mitteilungen der Verbandsleitüng. — Anzeigen. Dieses Heft steht im Zeichen der Dresdner Tagung, deren Vorbereitung alle Kräfte im Verband in Anspruch nimmt. Möge es uns vergönnt sein, in dem nächsten, am 20. Juni 1925 als Doppelnummer erscheinenden Heft des „Jugendbund" über eine Tagung berichten zu können, deren Verlauf und Auswirkung unserer Sache und damit der Sache der gesamten jüdischen Jugend zum Segen gereicht. ■Sw(9*SH0iä^O^ Stimmen der lugend Sprechchor von Karl Bröker. Harfe im März, Mit mächtiger Faust von Gott in allen Saiten geschlagen, Saust und braust, Tönt und klingt, Summt und singt. Unser Herz. Wiegt sich hoch in frühlingshellem Schall, Lauscht versunken dem eigenen Widerhall, Leben will wagen! Stimmen der Ankunft Wandern rufend im Wind, WiOt ihr, wo wir Gott am nächsten sind? Fühlt ihr noch Kraft, die auf sich selbst vertraut? Habt ihr vergessen, daß Gott seine Tempel erbaut Im Kind? Eure Welt ist grau, Eure Erde tot. Unser Himmel glänzt blau, Unser Blut brennt rot. Weithin über unsere Bahnen Schwenkt Sonne ihre goldenen Fahnen, Bund der Sonne wollen wir sein, Brüder, Schwestern, Schwenkt ein, schwenkt ein! Laßt uns, von jungem Geist geführt, Von Fingern Gottes angerührt. Dienen der einzigen Kraft und Tugend Jugend! Eure Welt ist grau, Eure Erde tot, Unser Himmel glänzt blau. Unser Blut brennt rot, Gebt Raum! j . ' Daß wir wieder Straßen zum Himmel sehen. Und unserem Traum, der Sonne, Verbrüdert entgegengehen. Wahlrecht ist Wahlpflicht Von - Rechtsanwalt Dr. Hermann - Lehmann, Bremen. Man kann darüber streiten,' ob es richtig ist. junge Memichen, die als Minderjährige über ihre eigenen Angelegenheiten nicht selbständig entscheiden können, in den Angelegenheiten des Staatswohls ihre Stimme abgeben zu lassen. Solange aber dem Zwanzigjährigen das .Recht gegeben ist, als Träger der Staatsgewalt durch den Stimmzettel seinen Willen zu bekunden, muß er sich um so mehr der schweren Aufgabe bewußt sein, die auf seine jungen Schultern gelegt ist. Es darf nicht Sein, daß ein Verbandsfreund zur Wahlurne schreitet, ohne sich vorher eingehend über die Bedeutung und Tragweile dieses höchsten, staatsbürgerlichen Rechts zu unterrichten. Keineswegs genügt es, die—eine oder die andere Wahlversammlung zu besuchen. Wir leicht kommt der junge Mensch — und nicht nur dieser — dazu, demjenigen die Stimme zu geben, der die herrlichsten-' Wahlversprechungen in der einschmeichelndsten Form ertönen läßt. Ich scheue mich nicht, es auszusprechen: jede Wahlversammlung ist Massensuggestion, ist Stimmenfang. Auch die Tageszeitungen unterrichten einseitig. So bleibt nur die Möglichkeit, durch Selbststudium die politische Literatur zu erarbeiten. An anderer Stelle werde ich darlegen, daß hier dem Verbände die Pflicht ' erwächst, an der staatsbürgerlichen Erziehung der Verbandsfreunde mitzuarbeiten. Heute muß sich der Verband darauf beschränken, die Freunde dringlicn"* darauf hinzuweisen, sich für den 20. Mai, dem Tay. an dem die Wahlen zum höchsten deutschen Staatsorgan, dem Reichstag, stattfinden, würdig vorzubereiten. Die gesamtjüdische Einstellung des Verbandes verbietet es, den Freunden nahezulegen, eine bestimmte Partei zu wählen. Aber ein Grundsatz kann auch hier aufgestellt werden: Der Jude wählt zum Deutschen Reichstag als deutscher Staatsbürger, also als Deutscher. Aber er wählt auch als deutscher Jude. Jeder Jude wirdvzu beachten haben, daß es nicht nur im jüdischen, sondern auch im Staatsinteresse liegt, den Parteien die Stimme zu versagen, die dem jüdischen Staatsbürger wohlerworbene Rechte schmälern wollen, ihn nicht als gleichberechtigten Staatsbürger anerkennen. Auch dcr.enige,- der die Juden Deutschlands als völkische Minderheitsgruppe auffaßt, muß diesen Grundsatz anerkennen. Ein aufrechter Jude kann daher den völkischen Gruppen und der Deutschrratior.alen Volkspartei nicht seine Stimme geben. Im übrigen besteht ein weiter Spielraum. Es ist bekannt, daß kaum eine Partei nicht auch Juden zu ihren Mitgliedern zählt. Und dieser Zustand braucht nicht beklagt zu werden. Wer wirklich wünscht, die Rechte der Juden durch eine besondere jüdische Volkspartei gewahrt zu sehen, der muß doch zugeben, daß eine derartige Partei bei der zahlenmäßigen Unterlegenheit der deutschen Juden zur Einflußlosigkeit verurteilt sein würde. Darum wähle jeder junge Jude die Partei, deren Einstellung zu den FTagen der Politik und der Weltanschauung der seinen entspricht, bei der er aber auch die Gewähr hat, als Jude sein Recht als Staatsbürger gewahrt zu sehen.

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