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Der Jugendbund · 1926-07-01 · 11 (1.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
11 (1.7.1926)
Date
1926-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ORGAN DES BEZIRKS VERBANDES JÜDISCHER JUGENDVEREINE WESTDEUTSCHLANDS UND DES RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN BEZIRKSVERBANDES JÜDISCHER IUGENDVEREINE Schriftleitung: Rabbiner Dr. Klein. Dusseldorf. Haroldstrafee 4 / Fernruf Nr. 7390 / Druck und Verlas: A. Gerisch ü Ce, G. m. b. H.. Dusseldorf. Wallsh-aoe 10 / Alle Einsendungen redaktioneller und geschäftlicher Art an Dr. Klein. Düsseldorf / Anzeigenpreis: ö.l3 Goldmark Air die 6 gespaltene mm-Zelle / Bezugspreis: 13 Pfennig monatlich einschliefelich freier Zustellung / Bestellungen nur bei der Schriftleitung oder den Vereinen ✓ Erscheint alle 14 Tage 2. Jahrgang | DÜSSELDORF, DEN 1. JUU 1926 Nummer 11 Schafft jüdische Jugendämter! Von Willy Salinger, Düsseldorf. Nachstehende Ausführungen gehen auf eine Frage ein, die für die jüdische Jugendbewegung von großer Wichtigkeit ist. Wir glauben, daQ unsere Gemeinden um ihrer Zukunft willen sich mit dieser Frage beschäftigen müssen, und daQ es Sache unserer Vereine ist, sich für die Verwirklichung einzusetzen. Die Sorge für die kleinen Vereine hat ja auch die letzte Delegiertentagung beschäftigt. Manches Vorgeschlagene wird schon vom Verband und seinen Bezirksverbänden geleistet, doch würde er dankbar sein, wenn er von Jugendämtern in seinen Bemühungen unterstützt würde. Die Schriftleitung. Dieser meiner Forderung sehe ich genug Einwände entgegenhalten. „Leben Sie denn auf dem Monde? Wir haben ja jüdische Jugendvereine, haben Wohlfahrtsämter. Sie alle befassen sich mit der Betreuung der jüdischen Jugend. Wozu brauchen wir da noch jüdische Jugendämter?" Auf alle diese Einwürfe entgegne ich: „Trotzdem wir Jugendvereine und Wohlfahrtsämter haben, brauchen wir doch die jüdischen Jugendämter, weil meine jahrelange Praxis auf dem Gebiete der Jugend-» und Wohlfahrtspflege mich tagtäglich immer wieder zu obiger Forderung hinausdrängt Um alle Mißdeutungen von vornherein aus dem Wege zu räumen, betone ich nachdrücklichst, dal] die Jugendämter keineswegs auf die Mit- und Zusammenarbeit mit den Jugendvereinen und Jen Wohlfahrtsstellen verzichten können. Sowohl die Jugendvereine als auch die Wohlfahrtsstellen befassen sich nur mit Teilaufgaben der jüdischen Jugendpflege. Die jüdischen Wohlfahrtsstellen befassen sich mit dem körperlich und seelisch leidenden Kinde. Die Jugendvereine scharen um sich die schulentlassene Jugend, um sie zu einer Schutzmacht für das Judentum zu erziehen. Es muß lobend anerkannt werden, daß viele Jugendvereine auf dem Gebiete der geistigen und religiösen Fortbildung ihrer Mitglieder Vorbildliches leisten. Aber die eine Tatsache muß doch zugegeben werden, daß die Jugendvereine nicht die gesamte jüdische Jugend erfassen. Und hier liegt des Pudels Kern. Die jüdischen Jugendämter müss n Menschenökonomie betreiben. Ihre vornehmste Aufgabe ist es, die gesamte jüdische Jugend brs in den kleinsten Flecken unseres Vaterlandes zu erfassen, die religiöse Einstellung ist dabei ganz gleichgültig. Wir müssen dabei von der Voraussetzung ausgehen, daß wir Juden uns keineswegs den Luxus erlauben können, auf irgendeine junge jüdische Seele im Interesse des Fortbestandes des Judentums Ve. zieht leisten zu können. Die jüdischen Jugendämter haben die hohe Aufgabe, die jüdische Jugend von der Genurt bis zum Eintritt in die Ehe zu betreuen. Sie sind ideal geführt, wenn sie die jüdische Jugend körperlich, seelisch und geistig so befähigen, daß jedes Glied auf den richtigen Platz gestellt wird. Um aber dieses Ziel erreichen zu können, brauchen wir pädagogisch und Ökonomisch vorgebildete Kräfte, die ein Verständnis für die Belange der Jugend und der Elternschaft haben. Die Ausbildung solcher Jugeadpfieger gehört mit xu den Hauptaufgaben der jüdischen Jugendämter. Eine fernere Auf' gäbe der jüdischen Jugendämter ist es, daß sie eine gewisse Systematik in die jüdische Jugendvereinsarbeit hinein' bringen. Bisher hat jeder jüdische Jugendverein auf Grund der ihm zur Verfügung stehenden Kräfte seine Vereinsarbeit eingestellt; dabei sind die kleinen Vereine sehr ins Hintertreffen gekommen und ihre Arbeit war beim besten Wollen sehr bescheiden. Den Jugendämtern fällt die Aufgabe zu, Arbeitspläne den verschiedenen Jugendvereinen zu über« mittein, ihnen Ratschläge zu erteilen oder gar Redner zuC Verfügung zu stellen, um diese Pläne durchführen zu können, Nun drängen sich zwei Fragen auf: „Wo sollen jüdische Jugendämter errichtet werden?" „Wer sind die Mitarbeiter in diesen Jugendämtern?" Das Ideal, das mir vorschwebt, ist das, daß jede Gemeinde ihr Jugendamt hat. Da sich dieses nicht realisieren läßt, ist in jeder Provinz ein Jugendamt zu schaffen. Diesem Jugend' amt fällt die Aufgabe zu, neben den genannten mit den Jugend' vereinen, Wohlfahrtsstellen in stetem Konnex zu bleiben. Durch Einrichtung einer Kartei erhält es einen Ueberblick über die gesamte Jugend der Provinz und über ihre Beweg' lichkeit, Krankheit, Not, Tod, Unterricht, Berufsausbildung, Berufsberatung, Selbständigmachung und Heirat. Nur durch die Gewinnung eines klaren Bildes über die gesamte Jugend der Provinz kann innerhalb der Provinz und darüber hinaus für. die jüdische Jugend schon viel Ersprießliches und Nutz' bringendes geleistet werden. Als Mitarbeiter des Jugendamtes innerhalb der Provinz denke ich mir die Vertreter der ein« zelnen Jugendvereine, Vertreter der Gemeinden, Rabbinen nd Lehrer, die ein Herz und das nötige Verständnis für die jüdische Jugend haben und nicht zuletzt an den Jugendpfleger« Ich höre schon eine berechtigte Frage mir entgegenschallen: „Wer wird die Mittel für solch ein Jugendamt aufbringen?" An den Mitteln wird das Jugendamt nicht scheitern. Es handelt sich für mich nur um die eine Tatsache, ob der von mir vorgeschlagene Weg bei den freundlichen Lesern die von mir gewünschte Resonanz findet Ich stelle deshalb dieses Thema zur Diskussion und wäre beglückt, wenn meine Anregungen in fruchtbare Erde fielen. Zur gefl. Beachtung! Folgende Vereine zeigen in dieser Nummer ihre Veranstaltungen an: Altenkirchen; Dierdorf, Düsseldorf, Grevenbroich, Hachenburg, Hamm (Sieg), Jülich, Köln, Selters 1. Westerwald, Gelsenkirchen, Herne I.W., Recklinghausen, Wattenscheid. -I-

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