Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 226 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Vorsitzender Dr. Apfel: Wir müssen zunächst feststellen, wo wir stehen. Es liegt der geschäftsordnungsmätzige Antrag vor, Herrn Rechtsanwalt Königsberger fiir seine Zwischenbemerkung „Nichtswürdiger Formelkram!" einen Ordnungsruf zu erteilen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall. — Rechtsanwalt Königsberger: Meine Damen und Herren-) Sie haben noch nicht das Wort. Was denken Sie sich denn eigentlich? (Zwischenruf von Rechtsanwalt Königsberger.) Sie sollen sich setzen! (Heiterkeit.) (Rechtsanwalt ^Königsberger: Sie sollten nicht so schulmeisterhaft tun!) Wie es in den Wald hineinjchallt, so schallt es wieder zurück. (Lebhafter Beifall.) Meine Damen und Herren, ich mutz sagen, datz die.Tonart, die hier jetzt eingerissen ist, nicht der Tonart entspricht, die erstens einmal ^r Lage unseres Vaterlandes würdig ist (sehr richtig!) und zweitens nicht den gesellschaftlichen Gepflogenheiten der'Kreise, in denen ich mich sonst zu bewegen Pflege. (Lebhafter Beifall.) Rechtsanwalt Königsberger: Ich bitte um's Wort zur persöhnlichen Bemerkung.) Sie werden notiert zu einer persönlichen Bemerkung. Ich bitte, sich schriftlich zu melden. Die Herren, die die Rednerliste führen. Pro* testieren dagegen, daß keine schriftlichen Meldungen erfolgen und man durcheinander redet. (Rechtsanwalt Königsberger: Dann bitte ich einen nieiner Freunde, es für mich zu tun. Zuruf: Sie haben keinen! — Stürmische Heiterkeit.) Meine Damen und Herren, es wird mir bereits von einigen Leuten gesagt, datz sie es einfach unter ihrer Würde halten, weiter hier zu bleiben, wenn man sich tveiter so benimnit. (Lebhafte Zustimmung.) Ich bitte, nachdem wir uns nunmehr wieder einmal ausgesprockien haben (Heiterkeit), in der Debatte fortzufahren. Ich richte zunächst an Herrn Rechtsanwalt Pasch als Verbandsleiter die Frage, ob er nicht angesichts des Umstandes, datz doch sehr viele Delegierte gegen den Acktrag Bedenken haben, den sie als Kampfansage auffassen, den Antrag zurückziehen will? Rechtsanwalt Pasch-Berlin: Herr Kollege Apfel, obwohl ich jetzt nur in Konsequenz des gestern von der ganzen Tagung angenommenen Neukralitätsstandpunktes.zu handeln glaube, erkenne ich gern an, daß man aus diesem Standpunkte zwei verschiedene Folgerungen ziehen kann. Tie eine hatze ich gezogen und meine Freunde, die den Antrag unterstützen, und hat auch Herr Lehmann gezogen, nämlich, daß man jeden nicht vollständig auf dem Boden unserer Neutralität stehenden oder nur beschränkt neutralen oder gar nicht neutralen Verein oder sonstige'Korporation bitten mutzte, unserem Vorstand sich nicht anzuschlietzen oder herauszugehen, wenn sie darin ist. Die andete Folgerung haben Sie gezogen, indem Sie sagten. Sie würden dann auch die zionistische Organisation um ihren Beitritt bitten. Ich erkenne loyal an. indem ich Verschiedenes,, was in dieser Rede sonst enthalten war, momentan nicht beantworten möchte — es wird sich später ja einmal dazu Gelegenbcit finden —, datz beide Wege an sich theoretisch durchaus möglich sind. Ich halte meinen für Praktisch. Daß er nicht ganz unpraktisch ist, hat Ihnen die Rede von Herrn Lehmann gezeigt. Aber