Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 147 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Mund! (Stürmische langandauernde Heiterkeit.) Meine Herrschaften, ich habe mir heute morgen selbst eine Ohrfeige in meiner Eröffnungsrede gegeben. Ich sagte mir, was ich ja schon ziemlich unverblümt angedeutet habe: Nachdem mein Antrag als antizionistischex Fanfarenstoß aufgefaßt worden ist. nachdem mir meine näheren Freunde das in derber Weise vorgeworfen haben — da hast du ja in der Art deines Borgehens einen Bock gemacht und als Vorsitzender eines so heiklen Verbandes die Schwierigkeit der Situation unterschätzt, dafür mußt du dich selbst züchtigen und mußt vor der Öffentlichkeit gestehen, daß du dich in der Form vergaloppiert hast. — Man darf sich als Führer einer Jugendbewegung schließlich auch einmal vergaloppieren. Sie halten mir mein Rundschreiben vor, aber lesen Sie es doch erst einmal durch, da steht nichts von dem darin', was hereingelegt worden ist. Ich habe nun den' ganzen. Tag überlegt, wie kommen die Leute darauf, zu sagen, da spielen doch antizionistische Geschichten bei dem vr. Apfel mit, wir lassen uns das nicht ausreden. Ich stelle mich hier hin, erkläre ehrlich, es ist nicht der Fall; ich versichere es zehnmal am Tage, ich versichere es zu Protokoll, ich versichere es nachher durch eine andere Formulierung meines Antrages. — Ja, liegen denn die Dinge so, daß die Leute mir nicht glauben? Sie machen auf mich keinen überwältigenden Eindruck, wie Sie hier zusammensitzen und sagen: sachlich haben wir gegen, die. Sache nichts, wir nehmen es nur nicht an, weil wir es dem l>r. Apfel nicht glauben, weik-vr. Apfel einmal einen dummen Brief geschrieben hat, — darauf läuft doch letzten Endes Ihre ganze Opposition, die mir, wie gesagt, nicht übermäßig imponiert, hinaus. Ich habe außer einigen Argumenten von I>r. Kaufmann und außer einigen, die» ick selbst anführte, heute nichts gehört, was mir als fachlich beachtenswerter Einwand erscheinen kann. Die Zionisten standen einer nach dem andern auf, sagten:-Gegen die Betonung der vaterländischen Gesinnung hätten wir wahrscheinlich nichts einzuwenden gehabt, wenn die Geschichte mit dem Brief nicht wäre! Nun habe ich mich während des ganzen Tages ernstlich geprüft, ob mich nicht doch, ohne daß ich mir dessen bis zur Stunde selbst be-, wußt.war, irgend eine antizionistische Stimmung zu meinem Vorgehen getrieben hat. Vielleicht ist allerdings folgendes nicht ohne Einfluß auf mich gewesen: Als die Revolution ausbrach, zu einer Zeit, als der Zionismus seinen größten politischen Erfolg errungen hatte, wurde auf einmal in Deutschland von zionistischer Seite mit unerhörter Schärfe die Behauptung aufgestellt, die deutschen Juden seien eine nationale Minorität. Viele, riefen sogar aus: Wir sind hier fremd, und zwar wurde das mit ganz unnötiger Provozierung herausgeschrien. Da habe ich mir gesagt, in einer Stunde, wo wir von solchem nationalen Schmerz erfüllt sind, wo wir unser Deutschtum fühlen wie nie zuvor, da verlange ich auch Respektierung meines vaterländischen Gefühls, da gestatte ich nicht, daß man auf diesem Gefühl herumtrampelt. (Lebhafter Beifall.) Ueberschauen Sie doch einmal ganz nüchtern die Gruppierung. Sie wissen ja zum Teil kaum selbst noch, was Sie be-