Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 117 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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wir als Jugendorganisation in erster Linie die Erziehung der Jugend zur Aufgabe haben. (Sehr richtig!) Die Erziehung kann aber nur von einer Grundlage aus geschehen, die getragen ist von Wahrheit und von Klarheit. (Sehr richtig!) Wahrheit und Klarheit können aber in unserem Verbände nur dann geschaffen werden, wenn wir einen Antrag annehmen, der den Vorschlägen des Herrn Dr. Apfel entspricht. Sie, meine Damen und Herren, die Sie sich gegen diesen Antrag wenden, scheinen zu fürchten, daß Sie durch die Annahme die Zionisten veröden Kopf stoßen würden. Ich frage: ist das nicht etwas Politisches? Ist das nicht etwas, ntas dem Wesen einer Jugendbewegung allzusehr widerspricht? (Sehr richtig!) Betrachten Sie doch einmal diese ganze Frage vom Standpunkte eines Vereinspraktikers. Die Mehrzahl der Herren, die heute hier gesprochen haben, kennen vielleicht nur ihre eigenen Vereine. Wenn man aber Jahr für. Jahr und Woche für Woche einen anderen Verein des großen Verbandes besucht, dann sieht man, wie außerordentlich schwierig es für die einzelnen Vereine gewesen ist, sich einen Boden zu schaffen, auf dem sie arbeiten können. (Sehr richtig!) Ich glaube, daß diese Schwierigkeit gerade dadurch gekommen ist, daß wir nicht recht! wußten, was wir eigentlich tun sollten. (Oho!) Wir.wußten, daß wir neutral waren. Aber auch Neutralität hat ihre Grenzen. Und es war für uns eben schwer, die Grenzen dieser Neutralität zu erkennen. Ich kann Ihnen nur aus meiner persönlichen Erfahrung das eine sagen: wenn ich vom Verband geschickt wurdet um einett Verein zu gründen oder um eine Propagandarede zu halten über das, was wir wollen, so habe ich immer mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, um den Leuten klar zu machen, was wir wollen. Ich mußte mich drehen und wenden, um an keiner Ecke anzustoßett, um nicht in irgend einem Punkte den Gedanken der Neutralität zu verletzen, um mir nicht von jemand sagen zu lassen: hier ist die Neutralität verletzt. Das, meine Damen und Herren, hat unsere Arbeit ganz erheblich erschwert (sehr richtig!), und das muß unbedingt anders werden. Wir müssen zuerst festlegen, was wir wollen. Sie alle, auch die Gegner, sagen ja, was in dem neuen Apfelschen Anträge stützt, sei selbstverständlich. Ja, wenn es selbstverständlich ist, dann verstehe ich nicht, warum wir uns scheuen, das schriftlich niederzulegen. (Sehr gut! und Zustimniung.) Aber ist denn das alles so selbstverständlich? Ist es nicht aus' den, Gesichtspunkte, den ich eben erwähnte, notwendig,, daß wir festlegen, was wir wollen? Wir wissen genau — es ist uns heute von vielen Rednern gesagt worden —, daß die große Mehrzahl der Zionisten das, was in dem Apfelschen Anträge steht, ohne weiteres unterschreiben wird. Aber wir dürfen dock auch die Augen nicht davor verschließen, daß ein nicht unerheblicher Teil der Zionisten auf einem anderen Standpunkte steht. Und dastimme ich mit meinem Freunde T)r. Krombach überein, mit diesen .