Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 110 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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110 wir noch 16 Redner reden lassen, dann sind diejenigen Damen und Herren, die keine ganz gediegenen gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Parlamentarier sind, überhaupt nicht mehr imstande, einen klaren Gedanken zu fassen; das ist ganz ausgeschlossen rein physisch, rein medizinisch, obwohl ich kein Mediziner bin. Wir nützen der Aussprache nicht, wenn wir ins Endlose hinein dieselben Punkte wiederholen lassen — und das geschieht nämlich —, sondern wir erreichen nur das, daß zum Schluß in den Köpfen der Delegierten, die infolge des plötzlich gestellten Antrages heute sowieso vor einer ganz neuen Situation stehen und deren Entschlußfähigkeit nicht geschwächt, sondern gestärkt werden muß, ein klares Bild meistens nicht mehr entstehen kann. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß wenn noch drei Redner dafür sprechen und drei Redner dagegen, die Neutralitätsfragc und damit die zusammenhängenden Fragen: Palästinafrage und Kongreßfrage, in welchen ja bis jetzt wenig Tifferenzpunkte ausgetaucht sind, derartig geklärt werden können, daß wir dann zu einer Abstimmung gelangen können und daß diese Abstimmung dann ein viel klareres und deutlicheres Bild der tatsächlichen Stimmung der Delegierten bilden wird, weil eben die Delegierten noch imstande sind, sich eine Meinung zu bilden, was ich bezweifle, wenn bis heute abend 8 Uhr od.er ^9 Uhr immer dasselbe hier wiederholt wird. I>r. Ehrlich-Tilsit (zur Geschäftsordnung): Ich bitte, gegen den Antrag Königsberger zu stimmen. Es sind heute vormittag fast lauter Gegner des Antrages des Vcrbandsvorsitzenden zu Worte gekommen. (Lho!) Auch heute nachmittag sind nur sehr wenige Anhänger dieses Antrages zu Worte gekommen. Ich glaube, wenn wir paritätisch Vorgehen und drei dafür und drei dagegen reden lassen, so sind meines Erachtens die Stimmen nicht zu Worte gekommen, die eventuell noch vieles dazu zu sagen hätten, was eben für den Antrag spricht. Es kommt nicht darauf an, daß drei dafür und drei dagegen sprechen, sondern es kommt darauf an, daß wir die Stimmung der ganzen Versammlung kennen lernen, und die kommt erst dann zum Ausdruck, wenn wir hören, was diejenigen hier sprechen, die noch auf der Rednerliste stehen. Wenn Sie glauben, daß später in der Abstiinmung diese Stimmung sich kenntlich macht, so mögen Sie reiht haben. Aber diese Stimmung kann eben erst dann richtig zur Geltung koinmen, wenn diejenigen, die später abzustimmen haben, auch das nngehört haben, worüber sie später abstimmen. Infolgedessen bin ich gegen den Antrag Königsberger. (Sehr richtig I) Vorsitzender I)r. Apfel: Ich mache Sie auf den Ernst der Situation aufmerksam. Tie Sachlage ist durch die Debatte nach meinem Gefühl noch lange nicht geklärt. Ich persönlich habe sehr gewichtige Erklärungen abzugeben, die ich aber viel lieber abgeben möchte, nachdem ich noch eine Reihe der Damen und Herren, die die VerbandSvereine vertreten, gehört habe. Dr. Heilbronn-Nürnberg (zur Geschäftsordnung): Meine Damen und Herren! Die süddeutschen Vereine sind noch gar nicht zu Worte gekommen. Ich protestiere dagegen ganz entschieden, daß die Zahl der Redner beschränkt werden soll.