Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 53 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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53 suchen. Die Wege, auf denen wir durch das Judentum zur Vervollkommnung der Menschheit, zur 'Vervollkommnung unserer engeren Gemeinschaft und des Einzelindividuums streben, mögen verschieden sein und über mannigfaltig geartete religiöse, nationale und geistige Pfade führen. Aber mit tiefer Beschämung muß festgestellt werden, daß weite Kreise des deutschen Judentums ihre Gegensätze in einer Weise ausfechten, die nicht der messianischen Idee und dem heiligen Charakter unserer Suchgemeinschast entspricht. Das Ringen um die Fortentwicklung des deutschen Judentums und um die Erkenntnis seiner geistigen Grundlagen und seiner Zukunstsaufgaben wird , vielfach degradiert durch eine kleinliche Kampfesweise und durch ein allzu niedriges Niveau. Kleinlicher Fraktionsgeist und eine Terminologie, die dem politischen Tageskampf gedankenlos entlehnt wird, machen sich in deprimierender Weise geltend. Besonders unliebsam wird der Mangel an Herausarbeitung der den Jahrtausenden trotzenden Ideen des Judentums empfunden sowie das anscheinende Unvermögen, dem deutschen Judentum Aufgaben zu stellen, die der tiefen Sehnsucht aller Juden einen Halt geben und die der ehemals führenden Rolle der deutschen Juden würdig find. All dies hat es .fertig gebracht, daß sich der jüdische Kampf in Deutschland mit erneuter Schärfe kristallisiert hat um die Frage der Stellungnahme zum Zionismus. Sie wissen ganz genau — und es wird darüber sehr ernsthaft zu reden sein —, daß gerade ich persönlich diese Frage für eine bedeutsame halte. Aber es ist nicht die jüdische Frage, Sie ist wohl wichtig, aber zweiter Ordnung. Der Prüfftein liegt für uns nicht in der Frage: wie stehst du zum Zionismus? wndern: wie stehst du zum Judentum? (Sehr richtig! und Bravo!) Es kann für uns jemand ein glänzender Zionistenkämpfer, aber darum doch ein Jude sein, dem wir mit größtem Mißtrauen begegnen. (Sehr richtig! und Bravo!) Die Psychologie unseres Verbandes und der heutigen Tagung kann nur verstanden werden aus dem großen Mißtrauen gegen eine jüdische Betätigung, die sich in bombasstscher Betonung jüdischer Ideale ergeht, wo wir aber nichts weiter sehen, als unfruchtbare Negation gegen positive Ziele. (Sehr richtig!) Und um es! gleich vorweg zu sagen: Die Opposition gegen meinen« Antrag zu 8 1 der Verbandssatzungen ist nicht etwa aus dem Bedürfnis entsprungen, sich mit dem Zionismus zu identifizieren, sondern aus dem Instinkt, daß ein erheblicher Teil der zionisfischen Gegner, die der jüdischen Jugend ihren Stempel aufdrücken wollen, ihre Waffen nicht aus dem Arsenal jüdischer Ewigkeitswerte und damit höchsten geistigen Menschentums entnehmen, sondern sich in Argumenten erschöpfen, für die der Ausdruck Zionistenfresserei ein treffliches Kennzeichen ist. (Bravo! und sehr richtig!) Unter den deutschen Juden herrscht ein erhebliches Durcheinander, in dem die Orientierung nicht einfach ist. Selbst ein sorgsam prüfendes Auge, das Augenblickswirkungen nicht überschätzt, sieht in der Tat überall Wirrwar I Es wird neuerdings und insbesondere in den Vorbesprechungen zur Kongreßfrage die Behauptung aufge-