Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 211 (sequence 187)
- Language
- German
- Belongs to
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211 ist es, daß selbst aus sozialistischem Lager— ttum sollte es kaum glauben! — die Vorwürfe des Internationalismus gegen uns Juden geichleudert werden. ' So sieht der Sozialismus aus, der vor dem Kriege und auch wieder jetzt unentwegt versucht war, die Weltverbesserung auf dem Wege des Internationalismus zu erzwingen. Wie viele internationale Organisationen kennen wirl Wieviel ist man bemüht, sie zur Wiederbelebung des Reichs neuerlich zu begründen! Uns als die einzige durchaus politisch unschädliche und untätige Gemeinschaft bebt man heraus zu dem einen Zweck: Uns zu beschimpfen!! So fragen wir uns, was können wir angesichts der unerhörten Votwürfe, deren Sinn und Zweck Ihnen allen bekannt ist, tun? Was ist die Aufgabe der jüdischen Jugendvereine, durch die wir zu einer Besserung der Lage gelangen können? Wollen wir uns etwa auf irgend eine Partei stützen? Gibt es von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken eine-Partei, die uns unter allen Umständen zu schützen gewillt ist? (Widerspruch.) Bitte, ivelche? (Sehr richtig!) Kein Programm und keine Stellung, nähme der deutschen Parteien bezeugt, daß wir, komme was wolle, von irgend einer Seite Hilfe und Schutz zu erwarten haben. Danstt Sie dies erkennen, will ich Ihnen einen Brief des Herrn Noske zur Verlesung bringen, der die Stellung der mehrheitssozialistischen Regierung uns Juden gegenüber zum Ausdruck bringt. Sie haben gebört, daß General Wrisberg im „Militärwochenblatt" einen antisemitischen Hetzartikel sondergleichen publizierte. Der Centralverband sah sich veranlaßt, dagegen Einspruch zu erheben und den Reichswehrminister zu ersuchen, den General zur Richtigstellung zu veranlassen. Die Antwort lautete: „Auf Ihre Beschwerde vom 14. 4. über den Artikel.des General v. Wrisberg im „Militärwochenblatt" beehre ich mich folgendes zu erwidern: Der Verfasser verfolgt die begreifliche Absicht, das Offizierkorps in Schutz zu nehmen, das seit der Revolution über Gebühr und Gerechtigkeit angegriffen wird (mag sein, aber nicht nur von uns Juden!). Sie selbst geben zu, daß unter den Angreifern eine Anzahl Juden wären. Gegen diese Teile, nicht gegen die Gesamtheit, wollte sich der General wenden. Das Wort „Stamm" in dem Artikel ist bereits in dem Konzept des Generals in „Teile" umgewandelt und in dieser Fassung auch einer Zeitung übergeben worden, während die an das Militärwochenblatt" übersandte Abschrift leider , an der Stelle unverbesserj blieb. (Hörtl Hört!) Ter General hat das „Militärwochenblatt" uin Berichtigung ersucht. General von Wrisberg bemerkt ausdrücklich, daß es sich hier nicht etwa um einen Austrag alter Gegensätze zwischen Offizierkorps und Judentum handelt, sondern um die Abwehr »euer Angriffe, wie ich sie vorstehend erwähnt habe. Aus nationalen Gründeck dar^ ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß nach dieser Erklärung von einer Weiterverfolgung der Angelegenheit Abstand. genommen wird. Ich würde es lebhaft bedauern, wenn durch eine erneute Polemik die an sich gespannte politische Situation unsere? Vaterlandes noch mehr belastet würde. Gez. Noske.