Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 208 (sequence 184)
- Language
- German
- Belongs to
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208 ftei&ige Arbeit verrichtet worden, daß sich dadurch die Arbeit für Sie erleichtern wird. Ich muß Sie nun aber dringend bitten, weil wir nach dem Referat des .Herrn Dr. Sange zu dem Teil der Verhandlung kommen, der für die Leitung der schwierigste ist. da wir uns mit 40—50 Anträgen und Anregungen zu befassen haben, ein wenig Rücksicht zu nehmen und sich möglichst ruhig zu verhalten. Rabbiner l>r. Lange-Essen: Sehr verehrte Damen und Herren! Rach dein erhebenden Referat des Herrn I>r. Löffler von heute früh niüssen wir uns bei dem, das ich Ihnen vorzutragen die Ehre habe, wieder auf. die Erde begeben und uns an das halten, was wir als Juden zu unserm größten Leidwesen in den letzten Monaten erleben mußten. Sie alle wissen: Ter Antisemitismus hat Formen angenommen, wie er sie in unserm Leben und vielleicht auch im vergangenen Jahrhundert nicht gehabt hat. Das, worauf er heute hinzielt, geht einen jeden Juden in Deutschland an. Er will Taufen, Mischehen und Assimilation nickst 'anerkennen lind wirst einem jeden, der in Beziehung zum Judentum gebracht werden kann, alles Schlechte vor, das die Phantasie aufzubringen vermag. Die ungezählten Verbrechen im politischen, sozialen und wirtschaftlichen Leben werden samt und sonders den Juden als Schuld beigelegt. Wenn wir der jüdischen Jugend Deutschlands diesen Antisemitismus vor Augen führen und ihr einen Weg zeigen wollen, der zu einerinneren Beruhigung und damit auch zu einer erhöhten äußeren Sicherheit führt, so ist es notwendig, die Frage der Schuld sachlich zu prüfen und uns rückhaltslos klar zu machen, wie weit wir Juden unsere Pflichten erfüllt oder vernachlässigt haben. Das brennende Weh, unter dem wir aufrechten Juden alle zu leiden haben, hat «ine große Kluft zwischen uns und der christlichen Umgebung gerissen. Das freimüstge Sichhingeben an den Andern ist vom Vorurteil, das niehr und mehr die Masse des Volkes ergreift, ungünsstg beeinflußt und wir vermuten, daß wir im beruflichen und geselligen Verkehr von vornherein in unserer Eigenschaft als Juden über die Hemmungen des Andern uns gegenüber obsiegen müssen. Sie wissen, daß die Ursache des Antisemitismus und die Art seines Kampfes durchaus unsittlich sind. Er ist aus einem Kalkül, aus einer politisch-materiellen Erwägung reaktionärer Kreise mit dem Mittel aufreizender und verabscheuenswürdiger Verdächtigungen entstanden, um uns Juden, einfach, weil wir Juden find, gesellschaftlich und staatsrechtlich zu entmündigen. Der wirtschaftliche Konkurrenzneid und der mangelhafte Gerechtigkestssinn taten das Uebrrge und riefen, um den Judenhaß wissenschaftlich zu mottvieren und die intelligenteren Kreise des Volkes in seinen Bereich hineinzuziehen, die Rassentheorie Chamberlains und Gobineaus zu Hilfe. Die Behauptung. daß die arisch^Kasse höher zu werten ist als die semitische, daß sie edel, vollkommen,-heldenhaft, sfttlich im Gegensatz zur degenerierten, verschlissenen, unsittlichen femittschen Rasse sei, enthüllt einen feindschaftlichen Sinn, dem die wissenschaftliche Berechtigung nicht inneliegt. Aber die eigentümlich aufreizenden Formen, in denen dem i