Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 206 (sequence 182)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/4926451-6352298-6352427--1728-4927817- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 bandes, dies als eine Kundgebung zu betrachten, die wir ihm aus vollstem Herzen mitgeben. (Herr Lehrer Steinhardt: Und auf die Tagesordnung des nächsten Telegiertentages setzen!) — Herr Steinhardt meint, daß wir das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Delegiertentages setzen sollen. Das ist in zwei Jahren. Das ist zu spät. (Lehrer Steinhardt: Das ist in zwei Jahren noch nicht besser!) Zum Schluß kommt dann noch die Resolution von Dr. Heilbronn- Nürnberg und Dr. Wiener-Stettin: „Tie Verbandstagung der jüdischen Jugendvereine erklärt, daß die Erziehung unserer Jugend "zur Religion die vornehmste Aufgabe des Elternhauses und der Schule ist. Es ist daher anzustreben, daß dem Schulunterricht in der Religion ein obligatorischer Charakter bewahrt bleibt." Ich enipfehle, diese Frage, die in das Politische Gebiet herüberspielt (Sehr richtig!) und die die Gemüter sehr bewegt, und da icb viele Juden kenne, die keinen Wert auf den obligatorischen, sondern mehr auf den freiwilligen Religionsunterricht legen, zunächst einmal in dieser Form nicht zu besprechen. (Beifall.) I>i°. Hcilbronn-Nürnberg: Meine Damen und Herren, es ist doch ganz selbstverständlich, daß, wenn wir hier im Jugendverband zusammenkommen, um über die Erziehung der Jugend zum Judentum zu sprechen, lvir uns auf den Standpunkt dieser Resolution stellen. (Zustimmung.) Wenn man sagt, daß die Frage politisch ist, so ist das nicht richtig. (Zuruf: Nach Ihrer Meinung!) Es gibt Demokraten und Sozialdemokraten und Konservative, deren Meinung in > dieser Frage auseinander geht; es ist nicht eine Frage der Partei. Ich kann Ihnen nur das eine sagen, daß eine Tagung christlicher Jugendvereinc überhaupt ohne diese Resolution unmöglich wäre. (Sehr richtig!) Vorsitzender Dr. Apfel: Herr Dr. Heilbronn, es leuchtet mir alles ein, was Sie sagen, aber es ist dies doch eine Frage, die von so zahllosen Körperschaften in tage- und monatelangen Beratungen besprochen wird, daß wir sie nicht übers Knie brechen können. Lehrer Levi-Frankfurt a. M.: Gestatten Sie mir ein kurzes Wort dazu. Meine Damen und Herren, es ist eine so schwerwiegende Frage (Sehn richtig!), daß ich Sie dringend bitten muß, von der Annahme dieser! Resolution abzusehen. (Sehr richtig!) Von meinem orthodoxen'Standpunkte aus erkläre ich Ihnen, daß ich es für eine Gefahr halte, diese' Resolution anzunehmen. (Lebhafte Zustimmung.) Ich muß noch eins hinzufügen. Wir haben in Cassel im Anfang der vorigen Woche unseren Derbandstag gehabt und haben das direkte Gegenteil beschlossen. Ter Lehrerverband hat das direkte Gegenteil beschlossen, nämlich der Religionsunterricht soll wahlfrei sein sowohl für Schiller wie für Lehrer. (Sehr richtig!) Spangenthal^Lpangenberg: Ich möchte mich dem vollständig anschließen. Es ist eine politische Angelegenheit besonders in der bei: tigen Zeit. Vorsitzender Dr. Apfel: Wir kommen zur Abstimmung. (Rufe: Antrag zurückziehen.)