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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 179

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 179 (sequence 155)
Language
German
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179 Gefahren doppelt freuen. Doch alle diefe Maßnahmen zur Abwehr des dräuenden Gespenstes, so wertvoll sie als Notbehelf und als unterstützende Handlungen sein mögen, muten mich an wie in der Medizin die Behandlung der einzelnen Krankheitssymptome statt der Krankheitsursache, weil man diese entweder nicht kennt oder nicht zu treffen wagt. Die Krankheitsursache in unserem Falle ist die mangelhafte jüdische, sprich jüdisch-religiöse Gesinnung, das fehlende Verantwortlichkeitsgefühl der Einzelnen für die Gesamtheit. Nur wenn's uns gelingt,' das Hebel an der Wurzel zu fassen, die Massen wieder wahrhaft jüdisch-religiös zu stimmen, dürfen wir hoffen, dem Rode deS Verhängnisses, das dem Untergang der deutschen Juden zustrebt, in seine Speichen zu fallen und cs aufhalten zu können. Ich möchte keinen Zweifel darüber lassen, daß ich der nationaljüdischen Parole im Kampfe gegen die Mischehenhäufung eine durchgreifende Kraft nicht zutraue. Man hat selbst im Kriege nicht von katastrophalen Folgen der Mischehe zwischen romanischen Franzosen und germanischen Deutschen oder zwischen Deutschen und slavischen Russen oernommen. und die These von der unausbleiblichen Dissonanz in einer Mischehe zwischen Juden und Nichtjuden aus Gründen der verschiedenen seelischen Einstellung, die auch Hans Goslar in seiner jüngsten, sehr lesensUrerten Schrift „Sexualethik der jüdischen Wiedergeburt" vertritt, erscheint mir als ebenso anfechtbar uns die schon berührte der geringeren -Fruchtbarkeit aus biologischen Gründen. Bei Verschiebung der Frage aus das nationale Gleis liegt ans dem Munde der Nationaljuden der Einwand von der Gefahr der Inzucht und der zu erstrebenden Blutanffrischung zu nahe. Hier offenhart sich uns das Recht auf Souveränität der religiösen Idee bei Fragen der Gemeinschaftscrhaltung und für die nationaljüdische Gruppe die Notwendigkeit, sich mit ihr abzusinden. Aber auch vor dem Forum rein menschlicher Empfindungen gibt uns nur u n s e r Glaube an die endliche Sieghaftigkeit und das Heilbringende der jüdisch-religiösen Idee das Recht zur Ablehnung der Mischehe, die uns eben diese Idee zur Pflicht macht, wenn wir uns ihre Träger erhalten wollen. Wenn >vir uns aber der Tatsache gegenüber sehen, daß aus tiefer Neigung eine Mischehe eines jüdischen Bruders, einer jüdischen Schwester vollzogen werden soll, dann dürfen tvir aus unserem Stolze auf das Judentum heraus und mit Argumentationen, wie sie ein -Hermann Cohen einst vor nichtjüdischen Gelehrten wuchtig geltend machte, verlangen, daß der jüdische Teil zum mindesten auf seinem Judesein und auf der jüdischen Erziehung der Kinder bis zum Aeußersten beharrt, wo irgend tunlich aber auch den Versuch mache, dem Judentum einen überzeugten Anhänger zu gewinnen. Wo alle Sicherungen des Verbleibens eines Bruders, einer Schwester und ihrer Nachkommen im Judentum nicht aetroffen sind, vielleicht nicht zu treffen waren, enthalten wir uns in Unkenntnis der jeweiligen Triebkräfte des Richteramts, bleiben jene uns Bruder und Schwester, <o lange sie selbst es wollen; nur erscheinen sie als Führer der jü-

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