Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 80 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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80 in Verbindung mit vr. Rieger. Braunschweig, verfaßt worden ist. In diesem schwungvollen Aufruf gilt und wird uns als die Grundläge unserer ganzen Bewegung die Neutralität hingestellt. (Sehr richtig I) Diese Neutralitätsdefinition, wie wir sie dort finden, ist so markig, klar und unantastbar, daß man es als eine unverständliche Tatsache betrachten muß, daß im gleichen Augenblick der Führer der Bewegung einen geradezu gegenteiligen Beschluß den Vorstandsmitgliedern zur Annahme vorlegt. Wo um Himmelswillen, so frage ich, lag denn eine Veranlassung zu einer so folgenschweren Gesinnungsänderung? Das Merkwürdige in dieser Sitzung war, daß alle die Vorstandsmitglieder, die seit über einem Jahrzehnt im Vordergründe . der Bewegung stehen, einstimmig gegen die Annahme des Antrages Apfel waren. Damals war auch Kollege Lichtenberg, Hannover, der heute ja sich grundlegend geändert hat, gegen Apfel. Jedenfalls, eine akute Veranlassung zu einer so plötzlichen Sinnesänderung lag nicht vor. Wenn Sie nun heute uns diesen Antrag vorlegen, so wird, sollte er in dieser oder auch nur einer ähnlichen Form angenommen werden, die Sprengung des Verbandes unvermeidlich sein. Die beispiellose Einmütigkeit, die bisher im Verbände geherrscht hat, wäre ein für allemal geschwunden. Eine gegenseitige Bekämpfung der verschiedensten Richtungen wäre die Unterwühlung des Verbandes. Alle die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, kann ich hier nicht streifen, denn ich muß mich innerhalb 10 Minuten so kurz fassen, daß mir natürlich keinerlei Möglichkeit zu sonstigen Betrachtungen und Bemerkungen bleibt. (Zuruf: Verlängerung!) Die Neutralität bildet die Plattform unserer Arbeit. Alles, was geschieht, um diese Basis zu ändern, hat — Sie mögen es bemänteln und übertünchen wollen, wie Sie es auch immer wollen — ausgesprochen antizionistische Tendenz. (Sehr richtig!) Das mache ich aber nicht mit, zumal in einer Zeit, wo ich ein Zusammengehen und Zusammenarbeiten mit den Zionisten als notwendig und ungemein nützlich erkannt habe. Daß diese Paragraphenänderung rein antizionistischen Beigeschmack hat, wstrde in der letzten Gesamtvorstandssitzung im März seitens des Herrn Rabbiner vr. Lange aus Essen, dem Vertreter des rheinisch-westfälischen Bezirksverbandes, offen und unzweideutig zugegeben. Es sei sogar der Zweck. Wer will aber leugnen, daß viel warm jüdisch empfindende Mitarbeiter auch für unteren Verband bei den Zionisten zu suchen sind! Ich vermisse in dem Referat Apfels die großen Richtlinien, welche geeignet wären, den Weg, den die jüdische Jugend nunmehr einzuschlagen hat, zu zeigen. Seine AusführungckN sind nicht von dem großzügigen Weitblick, der notwendig iftj, um uns der großen positiven Aufgabe der Gegenwart gewachsen zu zeigen. Unsere Neutralität war der Panzer, in welchem die verschiedensten Richtungen innerhalb des jüdischen Lagers Zusammenarbeiten konnten. Wir von der konservativen Richtung hatten hier dw Möglichkeit, mit den Vertretern der äußersten Linken zusammen!zu arbeiten. Bei uns fanden sich sowohl Zionisten als Antizionisten jn vertraulicher Ar- Veit zusammen. Die großen Erfolge, die der Verband rein äußerlich