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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 60

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 60 (sequence 36)
Language
German
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60 lagert iie Erinnerung an diesen Abend wie ein Schatten auf uns. Erst einen oder zwei Tage vorher hatte eine letzte Verständig,mg zwischen allen Faktoren stattgefunden, in der man übereingekommen war, unter Wahrung der prinzipiellen Gegensätze allseitig den Willen zur Verständigung bei der Tagung zu bekunden und in vorsichtiger Weise den Versuch der Bildung der Verständigungsgemeinschaft zu machen. In den letzten Stunden vor der Versammlung überrannten anscheinend die zionistischen Maximalisten die vorbestimmten Sprecher, die sich dazp hergaben, entgegen aller Vereinbarung ihre Reden zur Parteiagitation zu degradieren, und die unsere wahrhafte Sehnsucht nach Verständigung untf damit nach dem Wachsen des Solidaritätsgefühls der deutschen Juden mit einer Ohrfeige erwiderten. Man [bat mir damals in manchen Verbandskreisen verübelt, daß ich am Schl isse unserer Tagung den Verständigungsversuch als gescheitert erklärte. Gewiß wäre ein sogenannter taktischer Erfolg in Gestalt eines Kam. Missionsbegräbnisses zu erzielen gewesen. Es gibt aber Situation cn, wo Taktik gleich Ehrlosigkeit gilt (Sehr richtig!) und wo es besser ist. die Lage einmal blitzartig beleuchten zu lassen. (Sehr richtig!) Es ist ja kein Geheimnis und es wäre unsinnig, es zu beschönigen, daß mein Antrag sehr erheblichen Bedenken begegnet ist. Eine Kategorie dieser Bedenken präzisiert sich in der Behauptung, der^ Antrag wäre auf den Einfluß des Zentralvereins zurückzufühl en, auf die Tatsache, daß Fräulein Di-. Berliner und ich im vergangenen Jahre eine auf uns gefallene Wahl in den Vorstand des Zentralllercins angenommen haben. Es scheint doch nicht genügend bekannt zu sein, daß der Zentralverein sich unter der derzeitigen Führung gimz stark im Sinne positiver jüdischer Arbeit gewandelt hat, und daß die leider noch viel zu zahlreichen Kreise des Zentralvereins, die ienselben in erster Linie zi, einem antizionistischen Sammelbecken machen wollen, wie der letzte Telegicrtentag gezeigt, erheblich an Boden perloren haben. Wer will von einer solchen Organisation, die doch ei» Spiegelbild der jüdischen Massen Teutschlands ist, verlangen, daß sie sich im Handumdrehen wandeln läßt! Von der Versöhnungspolitik gegenüber den Zionisten, die durch die Kongreß-Resolution des ^entralvercins eingeleitet ist, sprach ich bereits. Lesen Sie vor asten Tingen das Kongreß-Programm und das positive Programm, das die Führung des Zentralvereins letzthin vorgeschlagen und im P'inzip durchgcsetzt h?t. Tie Worte, die Eugens Fuchs gegenüber rein negativer Kritik des Programmentwurfs sprach, daß er die wo me Hand der Jugend, die ein unzweideutiges Bekenntnis zu bewußter jüdischer Arbeit verlangt, der kalten Hand der Neinsager vorziche, müßten es vielen Mitgliedern der Jugendbewegung leichter maö»en, nicht nur den Zionisten gegenüber neutral zu sein, sondern < nch gegenüber dem Zentralvercin. Ich verhehle nicht, daß auch ich i ber sehr ernsthafte Tinge mit dem Zentralverein zu rechten habe. El ist aber eine mehr interne Angelegenheit, wenn ich ihm den bitteren Vorwurf machen muß, daß sich neun Zehntel der Gegner meines Antrages aus seinen Anhängern, und zwar oft aus Anhängern in sich» render Stellung, zusammensetzen.

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