Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 58 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Scheuklappen vor Augen hat, muß fühlen und sehen, wie sich aller Orten in immer steigendem Matze jüdische Jugend regt und sich in den Dienst vaterländischer Betätigung stellen will. Aller Orten bilden sich jüdische Jugend-Vereine, die ihre deutsche Gesinnung bekundxn wollen, Kameraden-Vereine, Wandergruppen, Jugendgruppcp des Zentralvereins usw. Es ist bequem, darüber mit einer leichten Handbewegung hinwegzugehen, wie es vielfach in unserem Verbände geschieht. Gewitz, es sind manche dieser Gebilde aus rein antizionistischer Orientierung entstanden und darum in unserem Sinne mangelspositiver jüdischer Aufgaben keine wertvollen jüdischen Jugendvereine (sehr richtig!); aber der Gesamtkern der Bewegung liegt klar zu Tage: das tiefe Ergriffensein von des Vaterlandes Schicksals Wenige von Ihnen haben Gelegenheit wie ich, einen Blick in die zahllosen leidenschaftlichen Schreiben zu tun, die aus dem Kreise der Jugendlichen an den Zentralverein und an unseren Verband kommen, und die uns oft flehentlich bitten: Nennt uns die Jugend-Organisation, wo wir in dieser Not unser deutsches Empfinden betätigen können. Wir müssen nach den jetzigen Statuten antworten: wir lind neutral! In unserem Verbandsverein müssen nach der bisherigen Praxis diese jungen Menschen gewärtig sein, datz, wenn über vatcrländische Dinge gesprochen werden soll, wenn der Appell zur Zusammenschließung aller Kräfte Deutschlands ertönt, ein Ruf, der jetzt überall ertönen muß, dann der Aufpasser ihnen das Wort „Neutralität! — Neutralität!" entgegenruft. (Hört, hört! — Rufe: Nein!) Was geschieht mit diesen jungen Menschen, diie zum Teil das alterwertvollste Material für eine Jugendbewegung darstellen? Sie vilden eigene Gruppen ohne oder gegen unserest Verband! Ich versichere Sie, daß derartige Gruppen binnen kurtzem nicht nach Dutzenden, sondern nach dem Hundert zählen werden, wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, zu uns zu kommen. So braucht man auch kein Prophet zu sein, um zu sagen, daß andernfalls die Gefahr besteht. daß sie unter Einflüsse geraten, die Lemi Ausgleich der Gexen- --fätze und der positiven jüdischen Arbeit nichts dienlich sein werten. (Sehr richtig! — Rufe: Abwarten I) ‘ Die Entwicklung ist, wie gesagt, nicht aufzuhalten. Selbst treue Perbandsvereine haben spontan in letzter Zeitj die Bekundung vaterländischer Gesinnung statutarisch festgelegt. Ich erblick^ darin nicht die leiseste Neutralitätsverletzung. (Rufe: <Älbswerständlich!) fccf) muß überhaupt sagen, cs ist eine Begriffsverwirrung sondergleichen, wenn man die Befundung der vaterländischen Gesinnung als eine Neutralitätsverletzmig betrachtet. (Sehr richtig!) Neutralitätsyerletzung läge nur vor, wenn mit meinem Anträge auch nur die >geringste Zionistenhetze verbunden wäre. (Lebhafte Zustimmung.)!Es ist hier nicht der Ort, und ich habe auch nicht das Bedürfnis, mich stiit der Frage zu beschäftigen, ob es richtiger ist, bis deutscher Jude Zionist zu sein oder Nicht-Zionist. Das ist letzten Endes Gefühlssäche. Ich habe warme Bewunderung für den Zionisten, der nach ernster Prüfung sein Ideal errungen hat, für sich die Konsequenzen ziehen tvill, und ich habe mit solchen Zionisten Abscheu vor dem Konjunktur-