Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 242 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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— 242 — Viele jüdische Frauen stellen sich in den Dienst der vaterländische« Sache, und groß ist die Anzahl der jüdischen Mädchen, die l:ch als Kran, kenschwestern freiwillig melden. Der Reichstagsabgeordnete vr. Ludwig Frank, einer der begab- >esten Politiker und Redner, der in Konsequenz seines Verhaltens zum Staate schon in den ersten Tagen des Krieges freiwillig ins Heer zog. stirb: ans dem Felde der Ehre, von allen Parteien betrauert. Die deutschen und österreichischen Armeen dringen immer tiefer i» Polen ein. und die jüdische Bevölkerung begrüßt sie überall als ihre Beireier. - : Die vereinigien deutschen und österreichischen Heere erlassen einen gemeinsamen AufrufandieJudenPolensin hebräischer und jiddischer Sprache, in welchem sie ihnen volle Freiheit und Gleichberechtigung zusichern. Der Verband der Deul'cheu Juden gibt Feldgebclvücher für die jüdischen Krieger heraus. Die erste Kriegsanleihe findet die Juden im ganzen Reich« opferfreudig. Die jüdische Gemeinde Berlin zeichnet aus Stiitungsgeldern zwei Millionen Mark, und fast alle Gemeinden und jüdischen Vereine beteiligen sich an der Zeichnung. Es melden sich die ersten a n k i s e m i r i s ch e n Stimmen wieder. Der Burgfrieden wird wohl von den Konservativen gewahrt, die spezifisch antisemitischen Blätter aber nehmen ihre Tätigkeit, die eine kurze Zeit geruht hat, wieder aus und stören die einheitliche Begeisterung des Volkes. Aus dem Auslande, namentlich auch 'aus den überseeischen Ländern, kommen die Juden Deutschlands, zum Teil unter großen Schwierigkeiten, nach Deutschland, um das Vaterland zu verteidigen. Die deutschen Juden in Palästina eilen, zu den Fahnen. Oktober. Es. werden die ersten Juden bekannlgegcbcn, die für hervorragende Tapferkeit im Felde das Eiserne Kreuz erhalten baben. und unter den Ausgezeichneten find auch einige Feldrabbincr. Aus allen Fronten werden Schilderungen der F e > e r der Reujahr »- undVersöhnungstage im Felde veröffentlicht. Diese Feier erhält einen so großzügigen Charakter, daß dix klassisch gewordene Jom-Kipurfeier vor Metz 1S70 dagegen gänzlich verblaßt. Ein Zug der Vertiefung und Verinnerlichung oes j ü d i sch - r e I > g i ö s e n Lebens zeigt "sich überall, im Felde wie in der .fdeimat. Der Besuch der Svnagogcn nimmt stark zu, das Verhältnis der Krieger zum Feldgeistlichen gestaltet sich immer kameradschaftlicher, und es i>t. als ivcnn die Menschen m diesen großen Tagen den Weg zu Gott wieder gefunden hätten. ES mehren ,'ich die K I a g c n über II n in e n s ch l i ch k e, t e n der russischen Militärbehörden gegen die Juden, und der Fcldrabbiner Idr. Arthur Levy aus Berlin veröffentlicht in den Zeitungen eine mit Daten und Tatsachen belegte Anklage über die unerhörten Grau- 'ainkeiten gegen die Juden. Es werden Klagen laut über antisemitische Tendenzen im Roten Kreuz in Berlin. Aus Vorstellung bei den geeigneten Stellen ßbafft die Verwaltung Wandel und beseitigt die Mißstände.