Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 4 (10.9.1917)
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 120 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 120 — Bedeutimg für den Staat und die Entwicklung des Volkes wurde. (Man vergleiche hier viele Erscheinungen aus dem früheren Leben der Inden, den Unterschied klarer zu markieren.) 4. In geistiger Beziehung. Wohl waren die Inden stets ein bildungsfähiges und nach Bildung strebendes Element; da aber viele Fächer, wie die Jurisprudenz und öffentliche Lehrämter, ihnen verschlossen waren, so konnten sie sich diesen Gebieten nicht zuwendcn. Nun aber folgten sie dem inneren Drang und sie zeigten ihre Fähigkeiten auf allen Gebieten. Aus allen Feldern der Wissenschaft und der Kunst tauchten große hervorragende Männer auf lind sie bereicherten und beeinflußten die Wissenschaft. Dieser Einfluß wäre noch größer und gesünder, wenn die Verwaltung irscht zum Teil die Verfassung illusorisch durch ihre engherzigen Maßregeln gemacht hätte. Daher muß noch heute dafür gekämpft werden, daß die Verfassung aus alten Gebieten auch in der Praxis durchgesührt wird. 5. I n r e l i g i ö s e r B e z i e h u n g. Früher itkircii die Juden in ihrer Religion gänzlich von der umgebenden Welt abgeschlossen. Nun mußte allmählich, wenn auch nicht der Ebarakter, so doch die Form moderner werden. Alle Richtungen Mußten sich dazu bequemen, dem modernen Leben Rechnung zu tragen. Viele Neugestaltungen traten aus und die Predigt und das deutsche Gebet nahmen einen größeren Raum im Gottesdienste ein. Aucki die Struktur der Religion mußte durch den modernen Geist eine andere werden. Vielfach wurde der Fehler begangen, daß man sich eine Assimilation ins Uferlose dachte und ganz vergaß, daß das Judentum seine Eigenart behalten muß. Es wurden viele Fehler gemacht, große Kämpfe entstanden, und das Judentum spaltete sich viele Parteien und Richtungen. 'Man vergaß häufig, daß die Emanzipation kein Geschenk war und daß überall, wo Pflichten vor- Händen sind, auch Rechte vorhanden sein müssen. Erst langsam klärt sich die Atmosphäre, und man sieht ein, daß das Judentum auf die Einheit und auf seine innere Stärke angewiesen ist. Schluß. Noch in. der Gegenwart spürt man von den Einwirkungen und Kämpfen der alten Zeiten. Noch heute kranken wir an den falschen Auffassungen, die hier und da entstanden. Unsere Aufgabe muß eS sein, nioderne Juden zu werden, ohne den.alten Geist zu verleugnen.