Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 12 (1.12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 391 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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I - 391 -f ' Umschau „ - . Politik Kien». Es ist 5iuiaiin\- ■miru'ii im ^italtcr -des Wissens und der i’liijllrttmio fiat er iidi var unseren enisevie» Bülten abgespielt: Der Beilisprozeein Verfahre» steten einen Fnden >ae> en 'ltitualmordes! Dieser Prozeß ist nael, den rserschiedelsten Richtungen hin bein.-rkeuslaert, interessant nt seine Anrlag-., seine Führung und sein Urteil, Ivickitig ist aber auch der Kampf des Geistes! der sicli tvährend seines Verlaufs auzerhalb des Gerichtshofes in üiußland und der übrigen Welt al'spielte, iveili ragend werden and) seine Folgen sei». ‘ ■ * Fiiteressan.l ist die Auklagesck.ttist; sie ist ein kulturhistorisches Doluineni, denn zuerst wieder seil den längs! vergessen geglandlen -seiten des Vütlelalters ist in ihr von einer.Behörde ossiziell die Anklage des illitüalmordes crhoden worden. Es beißt näinltch in ihr ausdrücklich, VeiliS hale. g >i S . r e l i g i o s e in F a n a t i s ui u s u n d, zu K u l t u s z iv ecken den Knabe» / Fustschinski eiinordei. Fir den sogenannten Ritualmordprozxssen Deutsch lands, in König und kanten, ivars nur 'Ankla,ze wegen Mordes erhoben; das Volk legte dein Morde als Motiv den Ritualmord unter. Die Anklazvschrist im Beilisprozeß ist audi ein juridisch interessantes Dokument; denn es wird wohl selten eine so unbegründ.-te Schivurgerichtsankläge erhoben worden sein; sie liest sich nicht wie ein It^iifcfi fundainciilierter jurrslisckier Bit,, sön der» wie eine Novelle. Der Ausseher der Faczeivschen Ziegelei, d-r Fnde. Beilis, habe, als einige minder der Nachvarn ans den, Dose spielten, eines derselben, den Ermordeten, ergriiiseii, in die Ziegelei geschleppt und daselbst im Verein mit - uiierinittelt güblicbenen Fuden ermordet. Dem Knaben sei unter schrecklichen Martern möglichst viel Blut entzogen und das Vtut zum Backe» von Mazzolh verwandt lvorde». ES muß nach zisin Veiftäudnis bemerkt werden, daß auch Faczev eint Fudc ist, der aus dem Gellinde der - ihm geböhigen .ßidgelei ein Kran enhaus errichtet hat und auch die Mazzoth für die Fiisassen des .Krankenhalses selbst backen ließ. 'Alle diese Tatsachen werden eriviesen nicht durch Aus enzeugen, sondern durch Personen, die von drillen etwas gehört haben walle l, ja von Menschen, die bereits sei ist nnter dem Verdacht, die Mörder zu seih, verhaftet waren, und deren Itnsck utd auch henke noch keineswegs feststeht. . Es lüar nun vorauszusehen, daß die so äußerst schivach begründete Anki.lge bald zusaininen brechen >ver >e. und es bedurfte auch nur weniger Tage der »mfa-lgreichen Verhandlung um diese Gewißheit zur Wahrheit zn l machen. Dies Ergebnis ist aber weder interessant noch-demerkensivert, denn es stand für jeden Einsichtigen > an Anfang an fest; interessant ist'vielmehr nur das Verfahren an sich. j sind in ihm fast alle Regeln verletzt worden, als auch das ungeschriebene Ideal der Gerechtigkeit enthält. Der Vorsitzende ivar selbst Partei, er suchte nit allen Mitteln eine Verurteilung zu orreichen. Diese Machenschaften, die aufzuzäylen im Rahmen eines Berichtes fast unmöglich ist, gipfeln in der sogenannten „Rechtsbclehrung" der Geschworenen, die sich zu einer Anklagerede gestaltete,, die sich der des Staatsanwalts würdig anschlotz. Diesen ist tyohl die traurigste. Erscheinung des ganzen Prozesses, und die angesehenen ddut-> Zunächst juristisch; dein, es die sowohl das geschriebene Rech