Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 2 (1.2.1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 57 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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ir.ttin wir in ier Praxis leicht flenomjnMi zu werden. Lau: waren da in die Klagen über einen so boshaften AneifemilismuS, der ichon indi^cn jugcindl che, 'Kreisen herrsche. Aber waren diese Klagen auch unter allen Umständen be icchtigt? Bekanntlich ist der Wandervogel kein lk Zanderverein im gewöhnlichen Sinn. | Wäre das der Fall, so kannten ^illerdi,gsj die Anhänger einer jeden Konfession an dieser Bewegung ohne weiteres t< ilnehmen. Aber das Wandern ist nur eine Betätigung der Wandervögel. 'Vas das Wesen des Wander» vcgelS ausmachl und ivn von allen'anderen W<ndgrvcreinen unterscheidet, erllärk ssich ausdem Wünfcli vieler jungen Leuie, wenigstens eine Zcitlang in einem beglückcndercn Zustand zu lcbcii, als eii« unserem Grotzstadtbetrieb mögiiih ist. Tie Bauern, die in der Staut ein Zufriedenes Dasein fühven, sind ihnen ihre Vorbilder. So haben ja guch einst ihre Väter gelebt it, den guten! alten Zciien. Da aber lebten dies Juden stoch in ihren. Ghettos ustd / haltest mi.i den Christen nichts igcmcinsani. Es gibt also keine traditionellen Fadest, die uns wie die Christen mit der deutschen! Landbevölkerung verbinden. Darum steht cs uns auch nickt an. wie jen! chit den Bauern und ihren Sitiein zu leben. l! Diese theoretisch'ahgeleirete Behauptung bestätigt. UcPcraU mutz ein jüdischer Wände: hoeü auf Widersprüche stotzen. Wic isoll sich z. B. ein Jude bei den Feiern verhalten, die an'religiösen Festen staitjinden und die giäuzendsten Veranstaltung»n dds Wandervogels darstellend Da wird dann am Marrinslag, Weihnachten. Pfingsten ustv. stach alter Volkssitte ein großes Feuer angczündet, Volkstänze we Len aufgctführt und Volkslieder gesungen, natürlich meist religiösen Jnholls. Entweder mühte ein jüdischer Wandervogel von dessen Veranstaltun;cn fcrnblciben, obwohl sic wie oben ge sag:, die hervorragendsten sind., Odec> mutz bei diesen Gelegenheiten passiv bleiben. Die religiösen Gcsäm c kann er nicht gut mitsingcn und unter dem tRartinsfeuer kann er sich nur wenn er mit außerordentlicher Phantasie begabt ist. die Chanuckakerzin vorsttlcn. Auf jeden Fall ist aber ein Widerspruch vorhanden. ' s Ten meisten Unannehmlichkeiten mutz c n Jude auf den. Wanderungen selbst ausgcscpt sein. Tenn die Landbevölkerung, ist ja durchweg antisemitisch. Nun sind die Wandervögel aber auf ihren Fahrten durchaus auf.die Bauern angewiesen. Tenn sie verlangen von ihnen Duartier und auch sonstige Gefälligkeiten. Wenn sich aber unter ihnen ein Jude! besuchet, dann werden dje Bauern wahrscheinlich weniger zugänglich sein.. Jiq ganze Schar kann dar-, unter leiden und in Schwierigkeiten wegen des Unterkommens geraten. Autzerdem werden sie sich nichr die Freundschaft,,der Bauern erwerben. Daran liegt ihnen aber natürlich viel. Denn sie wollen nie: denen, die in ihrem Sinn ein ideales Leben führe,: und 0)1^111 iri ißren Getrstuchen Vorbilder sind, gern freundschaftlich verkehren. Säe plaudern mi d< st. Bauern über scherzlxrftc und ernste Tinge, singen ihnen Volkslieder vor un,^ taffen sich von ihnen welche Vorsingen, di« sic gelegentlich ja auch veröffentlichen. Ein Jude mach, aber . diesen Verkehr unmöglich und setz, seine Ka iK'tuby, großen Schwierigkeiten aus, was für ihn selbst natürlich, doppelt unangenehm ist. Ein-Jude spielt also im Wandervogel »ine! unnatürliche Rolle, die für . ihn selbst schwierig und für den ganzen Bund schädlich ist. Das haben die erkannt, welche die Juden vom sVandcrvogel fsti-nlstlwn wollten. Man braucht