Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Heinrich Levinger (Köln): Wir suchen Schauspieler
- Date
- 1938-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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arbeiter bildet. Nun kam die schwierigste Aufgabe, die Ergänzung der vorhandenen erprobten Kräfte durch junge heranwachsende. Da waren junge Menschen, die die Umgestaltung der Verhältnisse noch als Schauspielschüler antraf, die noch nie in einem Engagement gewesen waren, und die. im Kulturbund zum ersten Mal die Bretter, die die Welt bedeuten, betraten. Hier mußte mit größter Vorsicht die Spreu vom Weizen gesondert werden, und es spricht für die lebendige Atmosphäre unserer Kulturbundarbeit, daß sich gerade aus den Reihen der jungen, unbekannten Künstler schon eine größere Zahl in die erste Reihe der Darsteller zu stellen wußte. Da galt es des öfteren, ein Experiment zu wagen, einer jungen Kraft eine Aufgabe zuzuweisen, der sie beim ersten Anhieb gar nicht gewachsen schien. Aber die zielbewußte Führung in der Arbeit ließ alle Hindernisse überwinden und am Ende stand eine Leistung, die als vollgültig angesprochen werden konnte. Wir können ruhig sagen, daß der zur Verfügung stehende Schauspielernachwuchs, soweit er in Deutschland geblieben ist, sich in die Kulturbundarbeit glänzend eingegliedert hat. Aber mit dem Fortschreiten der Jahre und der wachsenden Undurchsichtigkeit der Aussichten für die schauspielerische Betätigung innerhalb des jüdischen Lebensraumes verengt sich die Auswahl an jungen Menschen, und so naht heute ein Zeitpunkt, an dem kein Nachwuchs zur Verfügung steht. Die Frage, ob heute jemand als jüdischer Schauspieler in Deutschland sich ausbilden soll oder nicht, ist so schwierig zu entscheiden, und so verantwortungsvoll für den Ratgeber, daß die Antwort je nach der Persönlichkeit des Fragenden ganz verschieden ausfallen wird. Maßgeblich wird immer der ewig gültige Grundsatz bleiben, daß das wirklich große Talent, alle äußeren Hemmungen überwindend, immer noch zu dem Beruf gefunden hat und finden wird, zu dem es die innere Berufung erfühlt. Da wird auch jeder Rat, nicht zur Bühne zu gehen, tauben Ohren begegnen und das trotzige Dennoch des in seiner Begabung Ruhenden alle Hindernisse aus dem ,,Komödie der Irrungen" ,.Iu einer Nacht" ^*5 I