Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Georg Hirschfeld: Schriftsteller und Kulturbund
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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heiß und kalt, hoch und nieder. Aber plötzlich waren sie von mir genommen. Als ob ich nie davon geschunden worden wäre. Die Kölner Kulturbundbühne war klein, aber für mich wurde sie größer als zuweilen die Bühne des Wiener Burgtheaters. Ich saß in keiner Direktionsloge, sondern inmitten einer warmherzig gespannten Menge, eines Publikums, zu dem ich mich gehörig fühlte, ebenso gespannt, als ob ich das Stück, das ich sehen sollte, nicht geschrieben hätte. Ich war soeben nach Köln gekommen, ich hatte noch nichts von der Bühnenerweckung meines Schauspiels erfahren, nichts dazu beitragen können. Es war ein Zauber, dem vergleichbar, den ein Mensch im Liebesglück am besten verstehen muß: von der eigenen Wirkung überrascht sein! Ich blieb in der an sich bedrückenden Lage zwischen fremden Menschen, die gleichsam das Opus an dem Hersteller kontrollierten, ruhig. Ich ließ mir die eigene Sache zeigen und wurde am tiefsten von der Leistung der darum Bemühten ergriffen. Was ich in Köln erlebte, war nicht nur die Freude an einer lebensfähigen Arbeit. Es war der aufgehellte Blick auf ein dunkles Feld. Doch kein annulliertes Lebenswerk? Noch kann der Jude nicht von seinem Volke reden, nur von seiner Sehnsucht nach ihm. Unser Blut ist nicht mehr ein in Jahrhunderten erstarrter, ehrwürdiger, müde gewordener Saft, sondern er ist aufgetrieben, erstarkt in Lust und Qual der Prüfung. In der Tiefe gärt, was Kurzsinn nicht erfassen noch ersticken kann. Es treibt nach oben zu einem eigenen, gerechten Sein. Achtung fordert, wer Achtung verdient. Leidende Menschen sind um ihrer Leiden willen nicht zu beugen. So klingt es auf, was ein jüdischer Kulturbund finden mußte: der Ruf zur jüdischen Kunst. Wer darf sich unterfangen, sie zu versprechen? Die es mit Worten täten, wären nicht die Berufenen. Zu jedem kommt, was er vermag. Spätere Geschlechter werden es wägen und einschätzen. Aber das Glück der Aufgabe gehört uns. Die jüdische Bühne wartet. Jeder ehrlich Bemühte, der seine Zeit erlebt, hat ein Recht darauf. * 54