Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Georg Hirschfeld: Schriftsteller und Kulturbund
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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GEORG HIRSCHFELD: DIE SCHRIFTSTELLER UND DER KULTURBUND Schaffend abseits stehen und handelnd verzichten ist schwer. Das Leben verrinnt. Dennoch ist es gerade dem Juden möglich, die Relativität von Alter und Jugend zu empfinden. Ich hatte als Zweiundzwanzigjähriger das „Glück" eines großen Theater-Erfolges, noch dazu in meiner Vaterstadt Berlin. Wie weit es ein Glück gewesen, sollte sich durch schwere Jahrzehnte erweisen. „Hinter Sturm und Wolken bleiben Deiner Zukunft Sterne stehn", schrieb ich als Zwanziger bald fünfundsechzig Jahre alt, glaube ich noch daran. Der Erfolg meiner Schauspiele „Die Mütter" und „Agnes Jordan" ließ mich hartnäckig um das Theater kämpfen, aber mein Wesen zog mich auch zum Buch. Dennoch blieb ein inneres, eigentliches Theater in mir, zur Erscheinung fähig. Dann kam der Krieg und seine Folgen; die Bühne, auf der ich durchgedrungen, wurde mir fremd, der Ruf zum jüdischen Theater immer stärker. Ich verschloß mich ihm nicht, im Gegenteil, ich fühlte Berufung. In die eigenen Pläne kam verbindend ein Auftrag, besser eine feine und verständnisvolle Anregung. Der Kulturbund „Rhein-Ruhr" überraschte mich durch die Frage, ob ich mich dazu hingezogen fühlte, aus dem hinterlassenen Roman von Karl Emil Franzos „Der Pojaz" ein Drama zu gewinnen. Ich sagte zu. Im Januar 1937 rief man mich zur Uraufführung des „Pojaz" nach Köln. Vor zweiundvierzig Jahren hatte ich zum ersten Mal als Autor vor einer Bühne gesessen. Was war doch inzwischen an mir vorübergegangen*. Thalias ganze, herrlich lasterhafte Vielgestalt. Erfahrungen, 52