Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Wilhelm Russak (Plauen): Auch wir
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 1)
- Language
- German
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WILHELM RUSSAK (Plauen): AUCH WIR . Weit mehr noch als in den großen Städten sind die Kulturbünde den Mitgliedern der Kleingemeinden Bedürfnis und Notwendigkeit geworden. Denn während in den Großstädten durch die mehrmals monatlich stattfindenden Abende eine Vielheit an Anregung und Zerstreuung an die Mitglieder herangetragen werden kann, bleibt die nur einmal monatlich mögliche Veranstaltung des Kulturbundes der Kleingemeinde die einzige, letzte Gelegenheit, bei der Juden zusammenkommen, bei der sie Erholung und Ablenkung suchen. So ist es denn kein Wunder, wenn in einer Stadt wie Plauen, das heute nur noch 280 ortsansässige jüdische Seelen zählt, 50 ° (. dieser Zahl an den Kulturbundabenden teilnimmt. Und es ist nur ein Zeichen der Zeit und der Verhältnisse in den Kleingemeinden, wenn 40 von diesen 140 Mitgliedern mit Mühe die 0,20 RM pro Veranstaltung zahlen können, die man von ihnen fordert. Gerade diesen Unbemittelten aber bedeutet der Kulturbundabend so unendlich viel, gerade sie sind die eifrigsten, interessiertesten und darum opferbereitesten Anhänger des Kulturbundgedankens! Für die Leitung eines derartig kleinen und, naturgemäß, finanziell schwachen Kulturbundes ist es unter diesen Umständen nicht leicht, ein Programm zusammenzustellen, das nicht allein den Mitgliedern jene Werte vermittelt, die sie über den Abend hinaus mitnehmen können, sondern das ihnen auch jene Ablenkung schenkt, die ihnen so sehr nötig ist. Wir haben vor kurzem an unsere Mitglieder Fragebogen versandt, um deren Interessengebiete einmal eindeutig festzustellen. Denn da dem kleinen Kulturbunde die Möglichkeit des Theaters versagt bleiben muß, ist er ausschließlich auf die sich immer mehr verknappende Zahl der Solisten angewiesen, was zweifelsohne im Laufe der Zeit eine gewisse Einförmigkeit mit sich bringt. Natürlich, und wie nicht anders zu erwarten, hat sich die überwiegende Mehrzahl für Heitere Abende entschieden, aber daneben hat auch ein erfreulich hoher Prozentsatz für Konzert, Gesang, Rezitation votiert. Die größte Gefahr unserer Abende bleibt selbstverständlich die ständig zunehmende Abwanderung aus allen Kreisen, und damit die Verarmung der Gemeinden. Für uns wäre die Anlehnung an benachbarte Großgemeinden zum Zwecke des gemeinsamen Abschlusses von Engagements dringend notwendig. Immer und immer wieder müssen wir einen erheblichen Teil unserer beschränkten Mittel für vermeidbare Fahrtspesen aufwenden. r)l